suchen mit

Informationen für Selbstständige, Freiberufler und Unternehmer zum Thema IT & Technik bei t-online.de/business.

Infos für Selbstständige und Freiberufler zum Thema IT & Technik bei t-online.de/business.

30 Jahre Spam

Der Erfinder der Nerv-Reklame

Erschienen am 20. Mai 2008 | manager-magazin.de/Konrad Lischka
Spam-Mails (Foto: Imago)
Spam-Mails (Foto: Imago)
Tagtäglich landen Hunderte von Spam-Mails in den Postfächern genervter Anwender. Zu verdanken haben sie die Spam-Flut einem findigen Computerverkäufer, der vor 30 Jahren mit 600 eMails und zwölf Millionen Dollar Erlös den Grundstein für die digitale Reklamewelle legte.

Tipps - Auf diese Sicherheitsmaßnahmen sollten Sie achten
Von den Anfängen bis heute - Computer-Viren
Die 14 besten Tipps - Sicher im Internet
Download - eBook WISO: Sicher im Web

Anzeige


Historische Zeilen

Gary Thuerk wusste nicht, dass er historische Zeilen schrieb. Sonst hätte der Computerverkäufer der US-Firma DEC sich bestimmt mehr Mühe gegeben, damals am 3. Mai 1978, als er die erste Spam-eMail überhaupt verschickte. Thuerk tippte den gesamten Text in GROSSBUCHSTABEN, formulierte aber sehr betulich: "Wir laden Sie ein, uns zu besuchen und den 2020 zu sehen und etwas über die DEC-System-20-Familie zu hören." Gemeint waren damit neue DEC-Computer, die Thuerk bei zwei Verkaufspräsentationen in Kalifornien vorführen sollte. Thuerks Versprechen: "Ein 2020 wird dort zu sehen sein, außerdem Terminals, die online mit anderen DEC-20-Systemen über das Arpanet verbunden sind." Kein Vergleich zu den knalligen Versprechen der unerwünschten Werbepost, die heute in die eMail-Fächer schwappt mit Betreffzeilen wie:

  • "Mittel gegen Impotenz"
  • "Mercedes CLK zu gewinnen"
  • "Wir haben Sie nackt gefilmt"


Täglich über Hundert Millionen Spam-Mails

Experten schätzen, dass 90 Prozent aller heute verschickten eMails solche Botschaften enthalten, am Wochenende soll der Anteil unerwünschter Werbenachrichten noch höher sein - mehr als Hundert Milliarden Spam-eMails versenden Kriminelle angeblich täglich, meist über gecrackte Server oder infizierte Heimrechner.

Erste Spam-Mail vom Arbeitsplatz-Rechner geschickt

Im Vergleich zu den aggressiven Spam-Nachrichten von heute war Computerverkäufer Thuerk vor 30 Jahren ganz brav: Er verschickte seine Werbe-eMail ganz offiziell von einem Computer seines Arbeitgebers DEC aus. Die Reichweite war relativ gesehen gewaltig: Thuerk schrieb ein Viertel aller Internetbenutzer an - dafür genügten 1978 gut 600 eMail-Adressen. Die Post erreichte aber nur 320 Empfänger - mehr Adressen konnte die eMail-Software damals nicht verarbeiten.

Download - eBook Markt+Technik: Internet - 100 tolle Sachen
Download - eBook 50 Tipps und Tricks zu Office

Keine leeren Versprechungen

Thuerk wehrt sich gegen unfaire Vergleiche seiner Produktinformationen mit den kriminellen Spam-Wellen von heute. Dem US-Magazin " Entrepreneur" erklärte Thuerk, er habe: "eine Gruppe, zu der er gehörte, informiert, dass eine Technologie verfügbar war". In der Tat: Thuerk konnte 1978 davon ausgehen, dass jeder der 2600 damals per eMail erreichbaren Menschen ein berufliches Interesse an neuen Computersystemen hatte. Im Internet waren damals ja fast nur Informatiker, die an ihren Instituten bei Neuanschaffung sicher auch etwas zu sagen hatten. Und vor allem: Thuerks Produkt gab es wirklich, und es leistete das, was seine Spam-Nachricht versprach.

40 Besucher, zwölf Millionen Dollar

Die unerwünschte Werbe-eMail brachte Thuerk tatsächlich neue Kunden: Zu den beiden Vorführungen der neuen DEC-Rechner kamen zusammen etwa 40 Besucher, erzählt er dem "Wall Street Journal". Und im Anschluss an die Präsentation verkaufte er neue DEC-Rechner für zwölf Millionen Dollar. Thuerk arbeitet heute für den Computerkonzern Hewlett-Packard - im Verkauf.

"Die Leute beschwerten sich sofort"

Angesicht der zwölf Millionen Dollar Umsatz konnte Thuerk den Ärger verschmerzen, den ihm seine Spam-Nachricht außerdem einbrachte. "Die Leute beschwerten sich sofort", erzählt er dem "Wall Street Journal" zum 30. Jahrestag. Der kanadische Programmierer Brad Templeton hat einige der Debatten-eMails archiviert, die damals durchs Netz gingen. Ein Major von der damals für die Apranet-Technik zuständigen Militärbehörde schrieb: "Die war eine offenkundiger Verstoß der Nutzungsbedingungen des Arpanet." Ein Mitarbeiter der Denkfabrik Rand schrieb Thuerk, er habe "die Spielregeln verletzt". Thuerk wiederholte seine Werbeaktion nicht. Und lange Zeit, eigentlich die gesamten 80er und frühen 90er Jahre über, waren unerwünschte Werbenachrichten kein Problem im Internet. Es waren nur wenige Menschen online, fast nur Wissenschaftler und Militärangehörige.

1993 bekommt Spam seinen Namen

Der Begriff Spam als Bezeichnung für eine unerwünschte Massen-eMail-Welle an Unbekannte taucht im Internet 15 Jahre nach Thuerks Werbefeldzug auf. Softwaredozent Joel Furr saß am 31. März 1993 nachts vor seinem Computer und beobachtet eine Welle seltsamer Nachrichten in den Diskussionsforen des Internetdienstes Usenet: Ein falsch programmierter Softwareroboter setzte mehr als 200 Mitteilungen in einem Usenet-Forum ab. In der Betreffzeile stand ARMM - und mit jeder Nachricht kam ein neues "ARMM" dazu. Usenet-Fan Furr kommentierte dieses Programmierdebakel als "spammen".

Nur aus Versehen

Das Kunstwort Spam hat eine lange, wirre Geschichte: Ein Dosenfleisch-Hersteller kürzte in den 30er Jahren sein bekanntestes Produkt ("spiced ham" - gewürzter Schinken) so ab. Die Komikergruppe Monty Python ließ ihn in einem Drei-Minuten-Sketch gut 120 Mal fallen. Schauplatz ist ein Bistro, auf dessen Karte nur Spam-Gerichte stehen. Der Unglücksprogrammierer Richard Depew benutzte den Begriff selbst in seinen Entschuldigungsnachrichten: "Ich bin einer der guten Jungs! Ich spamme Gruppen nur aus Versehen zu."

Die erste Profi-Spamflut

1993 war das World Wide Web entstanden, der erste Internetbrowser war kostenlos verfügbar, immer mehr Privatleute nutzten das Internet. Am 18. Januar 1994 kündigte Clarence Thomas, ein Student oder Dozent von der Adeventisten-Uni in "Andrews University" aus Michigan, in einer gleichlautenden Nachricht in 55 Usenet-Gruppen an: "Globaler Alarm an alle: Jesus kommt bald!" Das war die Auftaktnachricht für ein großes Spam-Jahr. Das Netz wurde für Geschäftemacher interessant. Zum Beispiel für die Anwälte Laurence Canter und Martha Siegel aus Arizona. Sie überschwemmten am 21. April 1994 das Usenet und eMail-Adressen mit Tausenden gleichlautender Nachrichten: "Green Card Lotterie - die Letzte?" Die Botschaft der Einwanderungsanwälte: Wer in die Vereinigten Staaten einwandern will, könnte nun wohl die letzte Chance haben. Ihr Angebot: Für "KOSTENLOSE" Informationen solle man sich doch bitte per eMail an sie wenden.

"Verdienen Sie ein Vermögen auf der Datenautobahn!"

Das Geschäft lief offenbar gut für die beiden. Sie behaupteten, Hundertausende Dollar verdient zu haben. 1995 veröffentlichten sie beim US-Verlag Harper Collins einen Ratgeber zum sogenannten "cyberselling" mit diesem beinahe spam-würdigen Versprechen im Klappentext: "Ein Kapitel begutachtet die große Menge an anzüglichen Inhalten und Pornografie im Netz." Der Titel dieses Spammer-Ratgebers klingt wie die Betreffzeile einer Spam-Nachricht: "So verdienen Sie ein Vermögen auf der Datenautobahn!" Das versuchen Spammer seitdem beharrlich.

Anzeige

Weitere Themen

Business
Quelle: manager-magazin.de/Konrad Lischka

Anzeige

.
.

eBOOK SHOP

Home-Netzwerke administrieren (Foto: Franzis)

Schnelle Praxislösungen für perfekte Verbindungen in kleinen Netzwerken.

eBook Download

.

Anzeige

Bewerber sollten Ihre Online-Reputation überprüfen. (Foto: Archiv)

Achten Sie auf Ihren guten Ruf: So ge- stalten Sie Ihren Online-Auftritt perfekt.

Ruflotse

.
.

Hilfe bei Computerfragen

Finden Sie Software, Reparatur- und EDV-Dienstleister in Ihrer Nähe:
Was?
Wo?
.
.

Quiz

Hochbegabt oder durchschnittlich intelligent: Sind Sie so klug wie Albert Einstein?  (Foto: Imago)

Sind Sie ein Normalsterblicher oder ein Hochbegabter? Testen Sie Ihren IQ.

mehr

.
t-online.de shop

Canon PIXMA MP980 All-In-One Tinte

Ideal für jedes Büro - auch über WLAN zu bedienen.

Login

FIRMENAUSKUNFT

eBOOK-ABFRAGE


Anzeige