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Aufhören, aber richtig

31.08.2009, 14:31 Uhr | Angelika Röpcke, dpa/ t-online.de/business

Der Ruhestand kann auch mit einem lange geplanten Urlaub beginnen. (Foto: dpa)

Der Ruhestand kann auch mit einem lange geplanten Urlaub beginnen. (Foto: dpa)

Seit seinem 17. Lebensjahr hat Wolfgang Imming gearbeitet. Als er dann in Rente ging, zog der heute 70-Jährige mit seiner Frau nach Rerik an die Ostsee. Hier hatte der ehemalige Betriebswirt endlich mehr Zeit für seine Enkel, entschloss sich aber bald, ein Ehrenamt zu übernehmen. Mittlerweile steht Imming dem Landesverband des Bundes der Ruhestandsbeamten, Rentner und Hinterbliebenen vor. "Man sollte keine Angst vorm Ruhestand haben", sagt er. Langweilen müsse sich niemand, insofern er sich klar darüber ist, was er nach seinem Arbeitsleben tun möchte.

Tage brauchen neue Struktur

In den ersten Wochen zu Hause stehen die meisten Senioren vor zwei Schwierigkeiten: Der Tag braucht eine neue Struktur, denn das morgendliche Aufbrechen zum Arbeitsplatz entfällt. Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie es mit der Partnerschaft weitergehen wird, sagt Prof. Frerich Frerichs vom Institut für Gerontologie, Altern und Arbeit der Universität Vechta. "Der Verlust der Arbeit kann ein Problem sein. Das schwächt sich aber meist im Laufe der Zeit ab."

Wenn die sozialen Kontakte wegbrechen

Christiane Schiller weiß, dass der Übergang in den Ruhestand nicht immer glatt verläuft. Während Frauen häufig ihre Netzwerke hätten - Nachbarn, Freundinnen, Familie -, sei für Männer der Beruf oft tages- und sinnfüllend gewesen, erklärt die Mitarbeiterin der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) in Bonn. "Diese sozialen Kontakte können wegbrechen." Wer große Macht und Verantwortung im Beruf hatte, leide als Rentner außerdem möglicherweise unter fehlender Anerkennung. "Das Gefühl, gefragt zu sein, fällt weg."

Gut vorbereiten

Damit bereits die ersten Wochen im Ruhestand schön sind, will dieser vorbereitet sein. Wer sich gut mit seinen Kollegen versteht, sollte auf jeden Fall eine Abschiedsfeier organisieren. "Wenn das Kollektiv gut ist, geht das sicher auch zu Hause", sagt Imming. Will man nicht alle einladen, aber auch niemanden ausschließen, empfehle sich eine Feier im Büro.

Den Anfangsschwung nutzen

Schiller rät, den Tatendrang direkt nach dem Austritt aus dem Arbeitsleben effektiv zu nutzen. Wofür bisher keine Zeit blieb oder der nötige Elan fehlte - das sollte jetzt angegangen werden: Steuererklärung, Dachboden aufräumen, zum Schwimmen gehen, die Enkel bespaßen. "Am Anfang hat man noch den Schwung, das sollte man ausnutzen." Dazu könnte auch gehören, sich ehrenamtlich zu engagieren oder die Tante im Altenheim zu besuchen. "Politisch werden finde ich auch wichtig - sich einmischen in der Kommune", sagt Schiller.

Welche Rolle will ich einnehmen?

"Man muss sehen, was bin ich für ein Typ, was will ich", rät Frerichs. Wer also mehr mit seinem Mann oder seiner Frau unternehmen möchte, sollte lange geplante Ausflüge oder Urlaube gleich in Angriff nehmen. Damit sich aber nicht einer der Partner plötzlich überrumpelt fühlt, setzt sich das Paar am besten schon vor dem Ruhestand zusammen und bespricht, welche Erwartungen jeder hat und welche Rolle er künftig einnehmen möchte. Haben beispielsweise beide gearbeitet und verabschieden sich gleichzeitig aus dem Berufsleben, kann es sonst sein, "dass die Frau unfreiwillig in die Rolle der Hausfrau gedrängt wird".

"Nichts ist schlimmer, als sich aufs Sofa zu legen"

Ruheständler Imming warnt vor dem Nichtstun. "Nichts ist schlimmer, als sich aufs Sofa zu legen." Theater, Sport, Feste, Vereinsarbeit - "das halte ich für besonders notwendig". Wer handwerklich begabt ist, könne dieses Talent gleich zu Beginn des Rentnerdaseins nutzen, zum Beispiel, um das Haus umzubauen oder dem Nachbarjungen das Fahrrad zu reparieren. Andere dekorieren die Wohnung als Zeichen eines Neustarts um.

Sportprogramm lohnt sich

Blieb neben dem Job kaum Zeit für regelmäßigen Sport oder wichtige ärztliche Untersuchungen, sollte man sich darum im Ruhestand kümmern. "Ein Check-up ist nicht schlecht", sagt Christiane Schiller von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen in Bonn. Da Gesundheit und Ernährung eng verbunden sind, sei es gut, sich mehr Zeit zum Kochen zu nehmen. Und ein kritischer Blick auf das wöchentliche Sportprogramm lohne ebenfalls.

Angelika Röpcke, dpa/ t-online.de/business  

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