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Tschüss Deutschland - Gruezi Schweiz!

Erschienen am 19. November 2008 | t-online.de/business / dpa-AFX
Ab ins Ausland? (Foto: mm)
Ab ins Ausland? (Foto: mm)
Gute Bezahlung, geringe Steuerlast: Die Schweiz hat sich zum attraktivsten Arbeitsort für deutsche Führungskräfte entwickelt. Fast ein Viertel der Spitzenkräfte, die zwischen März 2007 und März 2008 den Karriereschritt ins Ausland wagten, haben sich für den Alpenstaat entschieden. Das zumindest ergab eine Studie des Online-Karrieredienstes Experteer und des britischen Marktforschungsinstituts OMIS Research.



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Schweiz an der Spitze

Für die Umfrage wurden Daten von mehr als 13.000 Angestellten aus zwanzig europäischen Ländern ausgewertet. Nach der Schweiz belegt demnach Großbritannien Rang zwei mit neun Prozent. Auf den dritten Platz unter den beliebtesten Einsatzorten für deutsche Führungskräfte kam Österreich mit acht Prozent. Die Lust am Auswandern packt immer mehr Deutsche: 2007 registrierte das statistische Bundesamt 165.000 Fortzüge deutscher Personen, sechs Prozent mehr als im Vorjahr (155.000). Und nach einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) sind es besonders Hochschulabsolventen, die sich für einen Job im Ausland interessieren.

Deutschland verliert "War for talents"

Was Firmenchefs hierzulande außerdem nachdenklich stimmen sollte: Im Vergleich zu allen anderen westeuropäischen Ländern verliert Deutschland der Experteer-Studie zufolge im Schnitt mehr Topkräfte als es gewinnen kann. Zehn Prozent der Toptalente suchen demnach Karrierechancen in anderen Ländern. "Die besten Köpfe Deutschlands sind mobiler als noch vor ein paar Jahren und eher bereit für den nächsten Karriereschritt in ein anderes Land zu ziehen", sagte Experteer-Geschäftsführer Christian Göttsch. Ähnlich sieht es in Frankreich mit neun Prozent und Großbritannien mit acht Prozent abwandernden Spitzenkräften aus.

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Abwanderung am stärksten in Osteuropa

Am härtesten aber trifft die Abwanderung von Führungskräften laut experteer-Untersuchung die osteuropäischen Länder. Durchschnittlich 18 Prozent ihrer Talente verlieren Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, die Slowakische Republik, Slowenien, Tschechien und Ungarn ans Ausland. Das sind mehr als jede andere Region in Europa. Vor allem osteuropäische Fach- oder Branchenspezialisten sowie Projektleiter zieht es fort.

Mehr Gehalt und bessere Karrierechancen im Ausland

Einer Umfrage des Prognos-Instituts zufolge treiben hohe Steuern, zu niedrige Gehälter und schlechte Karrierechancen viele Fachkräfte ins Ausland. Rund 68 Prozent der Befragten zog es in fremde Länder, weil sie dort deutlich mehr verdienen können. "Wegen eines Gehaltsunterschieds von einem Euro geht sicher niemand ins Ausland", sagte Wirtschaftsstaatssekretär Walther Otremba. Weitere Gründe für die Abwanderung bildeten bessere Aufstiegschancen und höhere Lebensqualität im Ausland.

Keine Lust auf exotische Länder

"Für die berufliche Weiterentwicklung trauen sich deutsche Führungskräfte nicht weit in die Ferne, sondern gehen in ein Land, dessen Sprache sie sprechen und dessen Kultur ihnen nahe ist", erklärte Göttsch. Die Schweiz, Großbritannien und Österreich stünden deshalb ganz oben auf der Rangliste der Lieblingsziele der deutschen "Auswanderer". Exotische Länder als Ziel seien dagegen eher die Ausnahme.

Mit guter Ausbildung und Erfahrung punkten

Am häufigsten arbeiten deutsche Topkräfte der Erhebung des Online-Karrieredienstes zufolge im Ausland in den Branchen Consulting (15 Prozent), IT (elf Prozent), sowie im Banken- und Finanzsektor (acht Prozent). Gute Chancen auf einen erfolgreichen Start in der jeweiligen Branche hätten dabei erfahrene und gut ausgebildete Kandidaten.

Mit Diplom über die Grenze

Fast drei Viertel der Experten könnten mindestens fünf Jahre Berufserfahrung nachweisen. Nur ein Prozent wage sich dagegen direkt nach der Ausbildung in ein anderes Land, ergab die experteer-Studie. Auch der Ausbildungsgrad dieser Arbeitnehmer sei hoch: 40 Prozent gingen mit einem Diplom über die Grenze. Fast ein Drittel könne einen Master-Abschluss vorweisen.

Gut organisiert, zuverlässig und flexibel

"Deutsche sind gut organisiert, arbeiten strukturiert und überlassen nichts dem Zufall. Sie berücksichtigen alle Eventualitäten, zeigen sich flexibel und haben Fall-Back-Lösungen parat", sagt Headhunter Klaus Steinmann von Lachner Aden Beyer & Company. Der Experte vermittelt häufig Deutsche ins Ausland vermittelt. Vor allem seien die deutschen Manager für "ihre gute Qualität, Ausbildung, Zuverlässigkeit und Genauigkeit" bei ausländischen Arbeitgebern bekannt.

Sprung ins Ausland lohnt

Die Chancen für Deutsche, die international arbeiten wollen, schätzt Steinmann daher sehr hoch ein. Der Schritt ins Ausland lohnt sich seiner Ansicht nach sowohl kurz- als auch langfristig. Der Aufenthalt in anderen Ländern bereichere den Lebenslauf ebenso wie die persönliche Weiterentwicklung. Ein weiteres Plus des Sprungs über die Grenze: Neben besseren Sprachkenntnissen fänden sich auslandserfahrene Mitarbeiter viel leichter in multikulturellen und international agierenden Unternehmen zurecht, so der Headhunter.

Sprungbrett für die Karriere

Diese Erfahrung ist nach Steinmann häufig das Sprungbrett für weiterführende Management- und Führungsaufgaben im In- und Ausland. Der Fachmann warnt jedoch vor zu langen Aufenthalten: "Zwei bis maximal fünf Jahre sind ideal. Wer länger bleibt, setzt sich der Gefahr aus, dass eine Rückkehr und die Reintegration immer schwerer wird."

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Quelle: t-online.de/business / dpa-AFX
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