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Arbeitsrecht: Wende im Frikadellen-Kündigungsfall

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Wende im Frikadellen-Kündigungsfall

12.10.2009, 8:28 Uhr | t-online.de/business

Naschen am Büfett? Das geht gar nicht, finden manche Chefs.  (Foto: Imago)

Naschen am Büfett? Das geht gar nicht, finden manche Chefs. (Foto: Imago)

Inzwischen herrscht Verwirrung um die "Frikadellen-Kündigung" einer Sekretärin aus Dortmund. In einer TV-Sendung hieß es, die Kündigung sei zurückgenommen. Nicht korrekt, sagt dagegen der Bauverband: "Wir arbeiten an einer außergerichtlichen Einigung." Fest steht: Der Hauptgeschäftsführer der Bauverbände, Hermann Schulte-Hiltrop, entschuldigte sich in einem offenen Brief bei seiner Sekretärin für seine menschliche Härte.

"Arbeitsrechtlich korrekt, aber zu hart"

Der Fall der Sekretärin, die nach 34 Jahren Betriebszugehörigkeit fristlos entlassen worden war, schlug hohe Wellen. Sie hatte vom Konferenz-Imbiss ein Brötchen mit Frikadelle genommen, der eigentlich für den Chef und seine Gäste vorgesehen war. Gegenüber Der Westen sagte Schulte-Hiltrop:„Unser Verhalten war arbeitsrechtlich korrekt, aber menschlich zu hart. Deshalb streben wir eine außergerichtliche Einigung an.”

"Juristisch schlecht beraten"

In dem offenen Brief, der t-online.de/business vorliegt, heißt es ferner: Schulte-Hiltrop entschuldige sich öffentlich für seine menschlich zu harte Reaktion, die er "sehr bedauere". Er habe noch im Gerichtssaal seinen Anwalt beauftragt, eine sozialverträgliche Lösung zu finden. In seinem Brief betont er außerdem, dass die Kündigung der Sekretärin erst die zweite Kündigung sei, die vom Verband in den letzten Jahrzehnten überhaupt ausgesprochen worden sei.

"Irreparabler Vertrauensverlust"

Der Verband sei sich seiner sozialen Verantwortung sehr wohl bewusst. "Wir sind sicher, dass zwischen Ihnen, Frau H., und uns eine Vereinbarung gefunden wird, mit der beide Seiten gut weiterleben können." Zugleich betont Schulte-Hiltrop, dass der Vorfall zu einem "irreparablen Vertrauensverlust" geführt habe.

Kündigung nicht zurückgenommen

In der Sendung "Anne Will" am Sonntagabend hieß es, der Bauverband ziehe die Entlassung der Sekretärin zurück. Gegenüber t-online.de/business erklärte Andreas Seepe von der Pressestelle des Bauverbands jedoch, man habe die Kündigung nicht zurückgenommen. Seepe bestätigte stattdessen, dass an einer außergerichtlichen Einigung gearbeitet werde. Dazu würden derzeit Gespräche mit der Mitarbeiterin geführt.

Nichts dabei gedacht

Der Vorfall hat sich nach Medienberichten bereits im Juli ereignet. Einem Mitarbeiter sei aufgefallen, dass Essen von dem Büfett gefehlt habe. Der Chef habe die Sekretärin daraufhin zur Rede gestellt, die den Fauxpas sofort zugab. "Sie war der Meinung, ihr Verhalten sei in Ordnung", zitiert bild.de den Anwalt der Frau, Wolfgang Pinkepank. Nach den Konferenzen habe Essen, das übrig geblieben sei, immer den Mitarbeitern zur Verfügung gestanden.

Richterin: Kein klassischer Diebstahl

"Wenn sie ermahnt worden wäre, hätte sie das nie mehr gemacht", sagte Pinkepank. In der letzten Woche trafen sich die beiden Parteien vor Gericht zum Gütetermin. Selbst die Richterin versuchte dabei, dem Arbeitgeber ins Gewissen zu reden. Sie wies laut bild.de darauf hin, dass die "Tat" kein klassischer Diebstahl sei. Pinkepank begrüßte dpa zufolge die Entschuldigung:Der Arbeitgeber habe überreagiert. Eine Abfindungslösung halte seine Mandantin für inakzeptabel. "Bisher ist das Ziel meiner Mandantin, wieder das Arbeitsverhältnis fortzusetzen", betonte der Jurist.

Chef hat "kein gutes Gefühl" mehr

Bauverbands-Geschäftsführer Herman Schulte-Hiltrop sei jedoch eiskalt geblieben: Man habe in dem Unternehmen hochsensible Daten zu verarbeiten. Wenn man jemand nicht mehr vertrauen könne, gebe das "kein gutes Gefühl".

Zweite Sekretärin ebenfalls entlassen

Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa ist noch eine zweite Mitarbeiterin des Bauverbandes Westfalen in den Frikadellen-Fall verwickelt. Sie soll ebenfalls ein Buletten-Brötchen gegessen haben und ist wie Magdalene H. fristlos entlassen worden. Der Fall der zweiten Sekretärin soll voraussichtlich am 24. November verhandelt werden. Die zweite Bauverband-Mitarbeiterin soll seit fast 20 Jahren dort arbeiten. Auf die Frage, warum der Verband sich bei ihr nicht entschuldigt hat, sagte Schulte-Hiltrop gegenüber dpa: "Das kommt sicherlich auch noch." Allerdings habe diese Kollegin sich bislang nicht entschuldigt.

t-online.de/business  

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