
01.03.2010, 15:15 Uhr | FTD, Philine Lietzmann
Die Krise eröffnet Auswanderer zurzeit keine guten Jobperspektiven. (Foto: ddp)
Gerade in den beliebtesten Emigrationsländern der Deutschen hat die Jobkrise besonders drastisch zugeschlagen. Und in der Schweiz kippt die Stimmung.
Jahrelang sind Deutsche in Länder ausgewandert, die deutlich niedrigere Arbeitslosigkeit hatten. Jetzt haben sich die Jobperspektiven gerade in diesen Staaten drastisch verschlechtert. Die Arbeitslosigkeit hat sich teils verdoppelt und liegt in manchem Land nun höher als in Deutschland, wie eine FTD-Auswertung ergibt.
Vor der Krise, im Jahr 2007, verließen über 160.000 deutsche Staatsbürger ihre Heimat. Am häufigsten zog es sie in die Schweiz, die USA, Österreich, Polen und Großbritannien. Diese Länder waren in den Jahren seit 2002 im Schnitt die beliebtesten. Nach der Krise müssen die deutschen Auswanderungswilligen nun umdenken: Angesichts gestiegener Arbeitslosigkeit sind Einwanderer nun nicht mehr so willkommen wie früher.
Am deutlichsten haben sich die Perspektiven in den vergangenen drei Jahren in den USA verschlechtert. Dort hat sich die Arbeitslosenquote von 4,7 auf 9,3 Prozent im Jahresschnitt 2009 fast verdoppelt. Auch in Großbritannien sieht es mau aus auf dem Arbeitsmarkt.
In beiden Ländern herrschte vor der Krise eine geringere Arbeitslosigkeit als in Deutschland - laut Steffen Kröhnert vom Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung ein wichtiges Kriterium für Auswanderer: "Bislang war es immer so, dass in den beliebtesten Auswanderungsländern die Arbeitslosenquote niedriger war als in Deutschland." In Polen war die Arbeitslosigkeit 2008 zwar noch auf einem höheren Niveau als in Deutschland. Trotzdem machte die Zahl der deutschen Auswanderer einen Sprung von 10.451 auf 13.711, weil die Arbeitslosigkeit seit 2007 stark gesunken war. Polen stand damit 2008 auf Platz zwei der Auswanderungsstatistik nach der Schweiz.
Diese verzeichnete in der Krise wie auch Österreich zwar nur einen schwachen Anstieg der Arbeitslosenquote. Für die Schweizer bedeutete dies dennoch einen vergleichsweise drastischen Anstieg, weil die Quote dort jahrelang sehr niedrig war, sagt Beate Raabe von der Bundesagentur für Arbeit.
Auch Steffen Kröhnert beobachtet einen Stimmungswandel im Nachbarland: "Es herrscht kein besonders deutschfreundliches Klima mehr in der Schweiz. Es gab da einen Umschwung nach der Änderung der Einwanderungsgesetze vor ein paar Jahren." Mit der durch das Gesetz erleichterten Einwanderung hätten sich vor allem die Chancen für hoch qualifizierte Arbeitnehmer verbessert . Aus diesem Grund war die Schweiz auch als Auswanderungsziel für Deutsche attraktiver geworden.
Kröhnert beschreibt einen Zusammenhang zwischen den Chancen für gut qualifizierte Arbeitnehmer und der Beliebtheit eines Landes unter Auswanderern, denn Menschen mit guter Ausbildung würden eher auswandern. Für das Jahr 2009 erwartet er eine kleinere Zahl von Auswanderern: "In wirtschaftlichen Krisenzeiten sinkt die Mobilität generell." Das sei allerdings nicht nur abhängig von der Arbeitsmarktsituation in den Zielländern. Auch die Auswanderungswilligen selbst würden in unsicheren Zeiten ihre Pläne eher aufschieben. Beate Raabe dagegen sagt keine große Veränderung im Verhalten der Deutschen voraus, die auf Arbeitssuche ins Ausland ziehen: "Die Rangfolge der beliebtesten Länder ist in den letzten zehn Jahren immer gleich geblieben."
Allerdings könnte Deutschland als Einwanderungsland nun noch beliebter werden: Laut einem Bericht der Internationalen Organisation für Migration (IOM), der in dieser Woche veröffentlicht wird, ist Deutschland zuletzt für Immigranten attraktiver geworden - hier habe sich der Arbeitsmarkt viel weniger verschlechtert als anderswo, heißt es in der Studie.
FTD, Philine Lietzmann
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