
09.12.2009, 12:33 Uhr | Spiegel Online, Samuel Jackisch
Ostmarken wie Rotkäppchen oder Spee sind besonders bei Ostdeutschen sehr beliebt. (Foto: Imago)
Ehemalige DDR-Produkte wie "Spee" und "Rotkäppchen" sind bei ostdeutschen Verbrauchern immer noch die Renner. Die Hersteller setzen gezielt auf das Produkt-Vertrauen aus Vorwendezeiten. Die Qualität der Ware spielt für die Kunden offenbar eine untergeordnete Rolle.
Ob "Spee", "Rotkäppchen" oder "Florena" - fast jeder Deutsche kennt inzwischen diese Marken. Doch begehrt sind sie 20 Jahre nach dem Mauerfall immer noch vor allem in Ostdeutschland. Während Westdeutsche lieber mit "Persil" waschen, "Henkel" trinken und sich mit "Nivea" eincremen, ist die Reichweite von DDR-Produkten im Osten der Republik fünfmal höher als im Westen. So kaufen regelmäßig mehr als 48 Prozent der Ostdeutschen "Rotkäppchen", aber nur jeder zehnte westdeutsche Verbraucher.
Dass viele Produkte aus Zeiten des real existierenden Sozialismus auch in der Marktwirtschaft noch so erfolgreich zwischen Rügen und dem Erzgebirge sind, liegt nach Meinung von Experten an der überdurchschnittlichen Markenorientierung der Verbraucher in den ostdeutschen Bundesländern. So lautet zumindest das zentrale Ergebnis einer aktuellen Studie der MDR-Werbung.
Hersteller von Ost-Marken setzen deshalb bewusst auf die Vertrautheit mit ihren Marken: 80 Prozent der im Rahmen der Studie befragten Manager nennen die "Bekanntheit und das Vertrauen aus der Vorwendezeit" als wichtigsten Erfolgsfaktor. Erst mit deutlichem Abstand folgen die Qualität (54,3 Prozent) und die Innovation (30,9 Prozent) einer Marke. Im Klartext: Hersteller ehemaliger Ost-Marken glauben, dass Kunden ihr Produkt schon allein aus alter Gewohnheit kaufen - und die Qualität des Produkts nur zweitrangig ist.
Die Markentreue der Ostdeutschen ist aber unabhängig von der Herkunft des Produktes - und somit haben auch Waschmittel und Cremes aus dem Westen im Osten einen besseren Stand als No-Name-Produkte. Denn immerhin zwei Drittel der Ostdeutschen sind überzeugt davon, dass "Markenartikel qualitativ besser sind als markenlose Ware". Gleichzeitig ist die Bereitschaft, für Markenartikel auch mehr Geld zu bezahlen, bei Ost- allerdings geringer als bei Westdeutschen.
Ostmarken wie "Berggold", "Putzi", "Indra" und "f6" komme aber auch zugute, dass es einen allgemeinen Retro-Trend gebe, schreiben die Verfasser der Studie weiter. Von etwa 700 Marken aus der ehemaligen DDR haben nur rund 120 die Wiedervereinigung überlebt. Sollte sich der Retro-Trend jedoch einmal wieder abschwächen, seien nur wenige dieser Ost-Marken im Wettbewerb gut aufgestellt, sind die Autoren überzeugt. "Viele Unternehmen werden sich keine weiteren zwanzig Jahre auf dem Erfolgsfaktor 'Bekanntheit und Vertrauen' ausruhen können".
Quelle: T-Online
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