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Psychische Leiden - im Job ein Tabu?

Erschienen am 01. Februar 2010 | Tobias Schormann, dpa
Viele Betroffene verschweigen im Job ihre psychischen Probleme.  (Foto: Imago)
Viele Betroffene verschweigen im Job ihre psychischen Probleme. (Foto: Imago)
Immer mehr Menschen leiden unter psychischen Erkrankung. Im Job verschweigen die meisten ihre Krankheit aber lieber - aus Angst um ihren Ruf und letztendlich auch um ihre Arbeitsstelle. Expertin Susanne Wilhelmi vom BKK Bundesverband in Berlin erläutert, wie Chefs und Betroffene am besten damit umgehen.

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Häufige Ursache für Arbeitsunfähigkeit

Seelische Leiden würden im Berufsleben oft noch als Tabuthema abgestempelt, sagt Susanne Wilhelmi. Betroffene hätten es daher nicht leicht, das Thema bei der Rückkehr in den Job anzusprechen. Häufig werde im Betrieb dann mehr über sie geredet als mit ihnen. Psychische Probleme sind bei Beschäftigten keineswegs selten: Sie sind den Angaben nach die vierthäufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit. Zehn Prozent der Ausfalltage sind demnach darauf zurückzuführen.

Schwierige Wiedereingliederung ins Berufsleben

Für psychisch Erkrankte ist die Wiedereingliederung ins Berufsleben doppelt schwer: Nicht nur ihr Leiden macht ihnen dabei womöglich zu schaffen, sondern auch die Angst um ihren Ruf in der Firma. "Es erleichtert daher die Rückkehr in den Betrieb, eine Vertrauensperson in der Belegschaft zu benennen", rät Wilhelmi. Der Spitzenverband der Betriebskrankenkassen (BKK) koordiniert eine Kampagne des Europäischen Netzwerks für Betriebliche Gesundheitsförderung zum Thema.

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Hilfe durch Vertrauensperson

Eine Vertrauensperson helfe, Rückkehrern die Unsicherheit zu nehmen. Denn vor dem ersten Arbeitstag nach einem psychisch bedingten Ausfall stellen sich viele Fragen: Wie werden die Kollegen reagieren? Was wissen sie schon? "Eigentlich dürften die anderen gar nichts über die Diagnose wissen", erklärt Wilhelmi. In der Praxis könne es aber sein, dass die Gerüchteküche bereits brodelt.

Offen mit dem Vorgesetzten reden

Wie viel Kollegen über das Leiden des Betroffenen erfahren, sollte ihm überlassen bleiben. "Es ist sonst unangenehm, wenn jedes Detail offengelegt wird", gibt Wilhelmi zu bedenken. Im Gespräch mit dem Vorgesetzten über die Wiedereingliederung sollte aber offen mit der Krankheit umgegangen werden. "Da sollte das psychische Problem behandelt werden wie jede andere Krankheit", empfiehlt die Expertin. Denn es gehe um eine sachliche Analyse, wie sich der Einstieg in den Betriebsalltag erleichtern lässt. Das kann Wilhelmi zufolge zum Beispiel beinhalten, dass Betroffene zunächst nur einige Stunden am Tag eingesetzt werden und die Arbeitszeit danach stufenweise ansteigt.

 

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Quelle: Tobias Schormann, dpa
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