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Stimmung in der Industrie immer schlechter

Erschienen am 08. Dezember 2008 | Financial Times Deutschland
Die deutsche Wirtschaft atmet vorsichtig auf.  (Foto: ddp)
Die deutsche Wirtschaft atmet vorsichtig auf. (Foto: ddp)
Stimmung am Boden, Börsianer unbeeindruckt: Der ifo-Index trübt sich im November den sechsten Monat in Folge ein. Er rutscht auf den schlechtesten Wert seit Februar 1993. Jedes zweite Unternehmen will Stellen abbauen.



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ifo-Geschäftsklimaindex auf 15-Jahres-Tief

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im November wegen der Finanzkrise den sechsten Monat in Folge eingetrübt. Der ifo-Geschäftsklimaindex sank von 90,2 auf 85,8 Punkte, teilte das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (ifo) am Montag mit. Das ist der tiefste Stand seit Februar 1993. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit einem Rückgang auf 88,7 Punkte gerechnet. "Insgesamt hat sich der konjunkturelle Abschwung verschärft und wird nun auch den Arbeitsmarkt erfassen", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

"Marktreaktionen sind verhalten"

Die Anleger ließen sich von den schlechten Zahlen nicht beeindrucken. "Letzten Endes bietet der Rückgang des ifo-Index keine Neuigkeiten. Wir sehen ohnehin eine massive globale Konjunkturverlangsamung und die auf Export ausgerichteten deutschen Unternehmen bekommen das entsprechend zu spüren", sagte Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank. "Die Marktreaktionen sind verhalten, weil es eher unbedeutend ist, ob der Ifo bei 85 oder 88 Punkten liegt, die Richtung ist eindeutig." Die ifo-Zahlen steht nach Angaben von Börsianern auch hinter dem Kursanstieg des DAX. Der Leitindex baute seine Anfangsgewinne aus und notierte 2,9 Prozent im Plus bei 4248 Punkten. Der Euro übersprang die Marke von 1,26 Dollar und verteuerte sich auf 1,2615 Dollar.

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Trübe Aussichten im verarbeitenden Gewerbe

Besonders deutlich trübte sich das Geschäftsklima im verarbeitenden Gewerbe ein. Die Unternehmen berichteten von einer klar ungünstigeren Geschäftssituation im November, sagte Sinn. "Das Exportgeschäft wird sich ihrer Ansicht nach beschleunigt abschwächen, den Personalbestand wollen sie reduzieren." Auch im Einzelhandel und Großhandel trübte sich das Geschäftsklima ein. Dagegen sei im Bauhauptgewerbe der Index nur leicht gesunken, hieß es weiter.

Noch schlechtere Zahlen als im Oktober

Die 7000 befragten Manager schätzten ihre gegenwärtige Lage deutlich schlechter ein als noch im Oktober. Der entsprechende Teilindex sackte auf 94,8 von 99,9 Punkten ab. Auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate beurteilten die Umfrageteilnehmer pessimistischer. Der Erwartungsindex fiel auf 77,6 von 81,4 Punkten.

Beinahe alle Branchen betroffen

Die Finanzkrise ist nach Einschätzung des ifo-Instituts nun endgültig gültig in der Realwirtschaft angekommen. "Die Unternehmen wollen ihre Produktion drosseln und ihren Stamm an Arbeitskräften reduzieren", sagte ifo-Experte Klaus Abberger. "Die Realwirtschaft steckt jetzt in der Rezession." Das Geschäftsklima habe sich im November in beinahe allen Branchen eingetrübt. "Die Situation in der deutschen Wirtschaft wird immer prekärer", sagte Abberger. Schnelle Besserung sei nicht in Sicht. Die Exporteure litten unter der schwachen Auslandsnachfrage, während der Konsum wohl ebenfalls schwächeln dürfte. "Der Winter wird sehr frostig."

IW: Rezession kommt 2009

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) rechnet nun ebenso wie andere Experten mit einer Rezession im kommenden Jahr. Das Institut nahm seine Prognose für die deutsche Wirtschaftsentwicklung 2009 auf ein Minus von "knapp 0,5" Prozent zurück. Noch im Oktober hatte das IW ein Plus von 0,6 Prozent erwartet. Die Unternehmen hätten bei der jüngsten Konjunkturumfrage überwiegend pessimistisch in das kommende Jahr geschaut.

Firmen erwarten Produktionsrückgang

Laut IW-Umfrage gehen 37 Prozent von einem Produktionsrückgang aus, nur 24 Prozent erwarten bessere Geschäfte. Fast 35 Prozent erklärten, sie kämen nicht umhin, Stellen abzubauen. An Aufstockungen denken dagegen nur 19 Prozent der Unternehmen. Die Lage sei ernst, Grund zur Panik gebe es aber nicht, teilte das Institut mit.

IW-Chef fordert Steuersenkungen

IW-Chef Michael Hüther sprach von einem "Bild der Rezession", aber einer Lage, "mit der wir umgehen können". Die Zahl der Arbeitslosen dürfte laut IW um 190.000 auf fast 3,5 Millionen im Jahresdurchschnitt steigen. Um der Krise zu begegnen, sprach sich Hüther für Steuersenkungen verbunden mit einer Abschaffung des Solidaritätszuschlages aus.

Personalabbau in jedem zweiten Unternehmen geplant

Jedes zweite Unternehmen in Deutschland will nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung im kommenden Jahr Arbeitsplätze abbauen. Die Zeitung beruft sich auf Zahlen des IW. Demnach gaben dabei etwa 52 Prozent der Betriebe in Ostdeutschland an, ihre Belegschaft im Jahr 2009 halten zu wollen. Im Westen seien es nur gut 45 Prozent. Die Zahl der Erwerbstätigen werde im Durchschnitt des kommenden Jahres um 230.000 Personen auf unter 40 Millionen zurückgehen.

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Quelle: Financial Times Deutschland
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