16.03.2010, 14:32 Uhr | Jenny Tobien, dpa
Der Name Edding ist inzwischen zum Synonym für Filzschreiber geworden. (Foto: Imago)
Was Tempo für Taschentücher und Aspirin für Kopfschmerztabletten bedeuten, ist der Edding für Filzstifte - und das seit genau 50 Jahren. Im Frühjahr 1960 kam der erste Filzmarker auf den deutschen Markt, der "edding No. 1". Seitdem hat die Marke einen wahren Siegeszug durch deutsche Büros und Arbeitszimmer angetreten.
"Wir hatten eine Schreibmaschine, 500 Mark Startkapital und einen Kellerraum in Hamburg-Barmbek", erinnert sich Firmenmitgründer Volker Ledermann. Den Grundstock hatte zuvor sein Schulkamerad Carl-Wilhelm Edding gelegt. Der junge Hamburger arbeitete damals bei einem japanischen Konzern und versuchte nebenberuflich allerlei Produkte aus Fernost wie Batterien, Seide und Pinsel zu verkaufen.
"Eines Tages zog ein japanischer Geschäftsfreund einen handlichen Filzschreiber aus der Tasche", erinnert sich Edding. Er habe sofort eine Bestellung nach Japan geschickt und einen Satz dieser Stifte angefordert. Gemeinsam mit Ledermann gründete er die Firma "Edding & Co". Vom Kellerbüro aus wurden die Filzmarker vertrieben. "Es ging sehr schnell aufwärts, jeder wollte so ein Ding haben", sagt der heute 79-Jährige. Inzwischen arbeiten knapp 600 Mitarbeiter in dem börsennotierten Unternehmen, mehr als 200 Millionen Marker werden jährlich hergestellt.
Der Namensgeber verließ die Firma vor 25 Jahren. "Heute würde man das Burn-out nennen - ich hatte einfach keine Lust und keine Kraft mehr", sagt Edding. "Ich habe mich in der kaufmännischen Welt nie wohl gefühlt, dann kamen noch die Computer dazu und alles wurde noch fremder für mich." Der Vater zweier Töchter nahm sich eine Auszeit, segelte ein Jahr lang allein um die Welt.
Unterdessen baute Ledermann den Konzern weiter aus. Die Firma hatte ihren Hauptsitz ins schleswig-holsteinischen Ahrensburg verlegt und ging 1986 an der Börse. Sechs Jahre später eröffnete eine eigene Produktionsstätte in Bautzen (Sachsen). 2005 zog sich auch der zweite Firmengründer zurück und übergab seinem Sohn Per Ledermann die Geschäfte.
"Das heutige Sortiment umfasst rund 200 verschiedene Produkte - Ob für Holz, Stahl, Gummi, Glas oder Fugen", erklärt der 34-Jährige. Manch ein Spezialstift wurde erst über Umwege entdeckt: Ein Marker für Schlachter war zunächst ein Flop. Da der Stift sich aber auch für menschliche Haut eignet, wird er heute von Ärzten vor Operationen oder bei Allergietests eingesetzt. Oder der edding 8040, ursprünglich für die Raumfahrt entwickelt, war auch zufällig der erste Stift, der permanent auf CD-Rohlingen haftete.
Neben Stiften entwickelt das Unternehmen auch Präsentationstafeln und Flipcharts. "Das größte Wachstum erzielen mittlerweile eBoards, interaktive Tafeln, auf denen das Geschriebene für den Computer digitalisiert wird", erklärt der Chef. 2008 lag der Umsatz des Konzerns bei 114 Millionen und der Gewinn bei 7,3 Millionen Euro. Fast alle Stifte sind nachfüllbar, eine neue Linie besteht größtenteils aus Recyclingmaterial und nachwachsenden Rohstoffen.
Und was sagt Herr Edding dazu, dass sein Name zur Marke wurde? Klar ist er stolz. Es war aber auch nicht immer einfach, wie der 79-Jährige sagt. "Für meine beiden Töchter war es eher eine Belastung, so einen bekannten Namen zu haben." Der Mitgründer hat sich schon lange von der Firma distanziert. "Ich habe das Kind mit aufgezogen und dann ins Leben entlassen." Und wenn er sich heutzutage Fremden vorstellt? "Dann fragen die: Edding, so wie der Stift?". Und häufig antwortet er: "Ja genau, wie dieser Stift."
Jenny Tobien, dpa
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