
30.10.2009, 9:59 Uhr | manager-magazin.de, Anne Spies
Viele Selbstständige leiden finanziell unter der Wirtschaftskrise. (Foto: Imago)
Die Wirtschaftskrise trifft viele Selbstständige härter als Angestellte. Im Gehaltsreport 2009 klagte ein Viertel der Selbstständigen über signifikante Einkommenseinbußen. Wer ohnehin schon wenig verdient, wird schnell ein Fall für den Staat: Immer mehr Selbstständige bekommen Hartz IV.
Besonders Freiberufler in der Medienbranche leiden in der konjunkturellen Flaute. Ein Drittel der selbstständigen Journalisten, Werbe- und PR-Experten verdiente krisenbedingt weniger. Bei den angestellten Kollegen haben im Schnitt nur 17 Prozent Gehaltseinbußen hinnehmen müssen, die selten höher ausfielen als 20 Prozent. Bei manchem Selbstständigen schrumpfte das Einkommen dagegen auf die Hälfte zusammen.
Einkommen Freiberufler nach Branche | |||
Freiberufler | alle | Frauen | Männer |
Ohne Beschäftigte | 70.000 | 50.000 | 76.000 |
Mindestens ein zusätzlich Beschäftigter | 97.000 | 71.000 | 101.000 |
Architektur-, Ingenieurbüros | 63.000 | ||
Consulting | 108.000 | ||
EDV/IT | 95.000 | ||
Gesundheits-, Veterinärwesen | 122.000 | ||
Rechts- und Steuerberatung | 86.000 | ||
Verlage, Medien, Werbung, PR | 50.000 | ||
Quelle: mm-Gehaltsreport 2009. Online-Umfrage im Juli/August, 91.000 Teilnehmer | |||
Wer ohnehin schon wenig verdient, wird schnell ein Fall für den Staat: Immer mehr Selbstständige bekommen Hartz IV, meldete die Bundesagentur für Arbeit im August. Die Zahl der so genannten Aufstocker habe sich mehr als verdoppelt. Das Mannheimer Forschungsinstitut Ökonomie und Demographischer Wandel warnt vor Altersarmut: Mehr als ein Zehntel aller Selbstständigen verdient zu wenig, um vorzusorgen, ergab eine Studie des Instituts.
Einkommenseinbußen bei Freiberuflern im Zuge der Krise | |||||
nein | ja | < 15% | 15 - 29% | >= 30% | |
76% | 24% | 9% | 8% | 7% | |
Architektur-, Ingenieurbüros | 79% | 21% |
| ||
Consulting | 71% | 29% |
| ||
EDV/IT | 72% | 28% |
| ||
Gesundheits-, Veterinärwesen | 85% | 15% |
| ||
Rechts- und Steuerberatung | 86% | 14% |
| ||
Verlage, Medien, Werbung, PR | 68% | 32% |
| ||
Quelle: mm-Gehaltsreport 2009. Online-Umfrage im Juli/August, 91.000 Teilnehmer | |||||
Die selbstständig tätigen Teilnehmer des mm-Gehaltsreports verdienen mit durchschnittlich 79.000 Euro im Jahr zwar 20.000 Euro mehr als die Angestellten, aber womöglich nicht genug. Schließlich müssen sich Selbstständige nicht nur einen Teil des Einkommens fürs Alter zurücklegen, sondern sich auch selbst versichern. Ein Architekt mit einem kleinen Büro und Angestellten beispielsweise muss das Zwei- bis Dreifache eines Angestelltengehalts erwirtschaften, um alle Betriebs- und Versicherungskosten zu decken, schätzt die Bundesarchitektenkammer. Für einen Journalisten mit etwa acht Jahren Berufserfahrung veranschlagt die Gewerkschaft Verdi einen Jahresumsatz von 86.000 Euro - 34 Prozent mehr als ein tariflich bezahlter angestellter Redakteur als Gehalt kassiert.
Einkommenssteigerungen bei Freiberuflern | |||
Rückgang, Stagnation | Steigerung um fünf oder zehn Prozent | Steigerung um 20 Prozent und mehr | |
Vergangene | 19% | 26% | 55% |
Kommende | 23% | 33% | 44% |
Quelle: mm-Gehaltsreport 2009. Online-Umfrage im Juli/August, 91.000 Teilnehmer | |||
Die Einkommenshöhe variiert je nach Branche und Größe sehr stark. So verdienen Selbstständige mit einem Angestellten im Schnitt 97.000 Euro im Jahr, Einzelkämpfer aber nur 70.000 Euro. Der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen ist mit 35 Prozent besonders groß. Bei den Angestellten liegt er der mm-Studie zufolge nur bei 27 Prozent.
Trotz der zuweilen prekären Einkommenslage sind 55 Prozent der Selbstständigen zufrieden mit ihrem Einkommen. Bei den Angestellten sind es nur 49 Prozent. In den vergangenen fünf Jahren konnten die Selbstständigen ihr Einkommen stärker steigern als die Angestellten, in die Zukunft blicken sie jedoch mit gemischten Gefühlen. Einerseits erwarten 44 Prozent Einkommenssteigerungen von 20 Prozent und mehr, andererseits rechnen 23 Prozent mit stagnierendem oder sinkendem Einkommen.
manager-magazin.de, Anne Spies
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