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Warum sich Deutsche selbständig machen

31.12.2009, 10:45 Uhr | FTD, Sabine Meinert

Viele Deutsche können sich Selbstständigkeit als Nebenerwerb vorstellen. (Foto: Imago)

Viele Deutsche können sich Selbstständigkeit als Nebenerwerb vorstellen. (Foto: Imago)

Je länger die Krise dauert, umso attraktiver wird für viele Arbeitnehmer die berufliche Selbständigkeit. Wenn auch nicht im Haupterwerb, so eine Studie. Für die meisten ist sie ein zweites Standbein, das Zusatzverdienst verspricht. Andere wollen damit testen, ob eine neue Laufbahn hält, was sie verspricht.

Geringe Gründungsneigung in Deutschland

Die Gründungsneigung in Deutschland hinkt weiterhin deutlich hinter der bei den europäischen Nachbarn hinterher. Nur neun Prozent der Deutschen sind selbständig. Und nur etwa jede fünfte Beschäftigte hierzulande kann sich grundsätzlich vorstellen, ein eigenes Business zu gründen. Dennoch halten das fast genauso viele für beruflich attraktiv und sehen in der Selbständigkeit eine Chance - trotz oder gerade wegen der aktuellen wirtschaftlichen Situation, so das Ergebnis der Untersuchung "Zukunft Selbständigkeit", für die das Entrepreneurship Center der Ludwig-Maximilians-Universität München und die Direktvertriebsorganisation Amway 900 Berufstätige in Deutschland befragte.

Keine Vollzeit-Gründer

Besonders lukrativ ist für die Studienteilnehmer offenbar, zunächst Gründer im Nebenerwerb zu werden. 80 Prozent würden sich dafür entscheiden. Immerhin sieht die Mehrheit derzeit kaum Möglichkeiten, sich beruflich weiterzuentwickeln. Die Zahl derjenigen, die sehr unzufrieden mit ihren Entwicklungschancen sind, stieg dabei innerhalb eines halben Jahres deutlich: von elf Prozent im Frühjahr auf nun 16 Prozent.

Riskant und kompliziert

Doch deshalb ins kalte Wasser springen und als freier Mitarbeiter jobben oder ein eigenes Geschäft gründen? Für rund 70 Prozent der Befragten ist das keine Alternative. Zu riskant, war die häufigste Antwort. 18 Prozent betonten dagegen, dass die Selbständigkeit für sie eine attraktive Beschäftigungsform ist. In Ostdeutschland sind es sogar 23 Prozent. Mehr als jeder Dritte schätzt jedoch, dass Pläne für die Selbständigkeit kompliziert umzusetzen sind. Zudem werden die Rahmenbedingungen mehrheitlich als wenig förderlich bewertet. "Dass derzeit viele Menschen den konkreten Schritt in die Selbständigkeit scheuen, zeigt, dass erprobte Modelle für eine selbständige Tätigkeit in Deutschland noch wenig bekannt sind", schlussfolgert Amway-Chef Dimitri van den Oever.

Junge gründen häufiger

Natürlich spielt die aktuelle Lebenssituation eine große Rolle: Wer bereits arbeitslos ist oder nur noch verkürzt arbeiten kann, der überlegt sich eher, nebenbei noch frei etwas dazu zu verdienen. Wer noch unverheiratet oder ohne finanzielle Belastungen ist, tut sich damit ebenfalls leichter, als ein langjährig Beschäftigter mit Haus und Familie. Grundsätzlich sind jüngere Beschäftigte gründungswilliger als ältere. Männer sind eher bereit dazu als Frauen, so die Studie. Gerade 14- bis 29-Jährige stehen der Selbständigkeit auffallend positiv gegenüber. Um ihre Träume von einem selbstbestimmten Berufsleben zu verwirklichen, haben sich sieben Prozent ganz sicher vorgenommen, beruflich auf eigenen Füßen stehen zu wollen.

Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung

Auf Netz und doppelten Boden zu verzichten, ist für viele jedoch keine Option. Die meisten visieren daher die Selbständigkeit im Nebenerwerb an (80 Prozent). Fast ein Drittel der Befragten sieht dies als guten Einstieg in eine spätere hauptberufliche Tätigkeit. Motiviert wird der Schritt in die Selbständigkeit vor allem vom Wunsch, etwas dazu zu verdienen, aber auch Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung spielen eine Rolle. Frauen sehen zudem die Möglichkeiten Familie und Beruf flexibler zu kombinieren. Vor allem mittlere Einkommensschichten stehen einer Selbständigkeit im Nebenberuf aufgeschlossen gegenüber. Dietmar Harhoff, Direktor des Entrepreneurship Centers an der LMU, fordert mit Blick auf die Studie, das Unternehmertum zu stärken und "eine Kultur des unternehmerischen Handelns und Denkens zu fördern, denn diese ist der zentrale Motor der Wissensgesellschaft". Das Zentrum der LMU sieht eine seiner wichtigsten Aufgaben darin, genau dazu beitragen.

Die Studie "Zukunft Selbständigkeit" erfasst die Angaben von 900 Voll- und Teilzeit-Beschäftigten in Deutschland zu beruflichen Veränderungen und zur Selbständigkeit. Mehr Informationen unter: www. zukunft-selbstaendigkeit.de

FTD, Sabine Meinert  

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