
17.06.2009, 8:53 Uhr | FTD, Claus Hornung
Märklin-Lok (Foto: Rolf Vennebernd dpa/lsw)
Von wegen Krise. Eine neue Studie zeigt: Insolvenzen haben weniger mit der allgemeinen Lage zu tun als mit individuellen Fehlern. Untersucht wurden dabei Firmen wie Karmann und Märklin.
Rosenthal, Pfaff, Karmann: Aus und vorbei ist es mit diesen einstigen Perlen des deutschen Mittelstands. Viele werden ihnen noch folgen, warnen zahlreiche Experten und Unternehmenschefs in diesen Tagen. Die Ursache dafür scheinen sie auch zu kennen: Schuld ist die böse Krise. Die reißt eben noch kerngesunde Unternehmen unvermittelt in den Abgrund.
Alles Quatsch, sagt eine Studie der Munich Strategy Group (MSG), die in diesen Tagen veröffentlicht wird. 800 Mittelständler mit Umsätzen zwischen zwischen 10 Millionen Euro und 600 Millionen Euro hat die Unternehmensberatung auf ihre Krisenanfälligkeit hin untersucht und dabei zwei Erkenntnisse gewonnen.
Erstens: Die Mehrheit wird die Krise überstehen. Zweitens: Die meisten Insolvenzen der vergangenen Monate - und die meisten, die in nächster Zeit zu befürchten sind - haben mit der Krise nichts zu tun.
Wer jetzt fällt, büßt meistens für Managementfehler der Vergangenheit, so die Studie. Als Beleg dienen 16 mittelständischen Unternehmen, die in den vergangenen sechs Monaten in die Insolvenz gingen, darunter sind neben Rosenthal, Pfaff und Karmann auch Namen wie Kroymans und Märklin. MSG hat deren Umsatz- und Gewinnzahlen seit 2004 untersucht und festgestellt: Zwei Drittel der Pleitebetriebe waren schon lange als "akut gefährdet" einzustufen. Ein weiteres Drittel sei zumindest "mittel gefährdet" gewesen.
Alle insolvent gegangenen Firmen wiesen seit Jahren rückläufige Erträge, mangelnden Cashflow oder jahrelange Verlustfinanzierungen auf, sagt MSG-Geschäftsführer Sebastian Theopold: "Die Mehrzahl der Krisen ist hausgemacht und durch falsche strategische Entscheidungen verursacht."
Entsprechend düster sieht für 19,3 Prozent der insgesamt 800 untersuchten Firmen die Zukunft aus: Sie gelten als akut gefährdet. Weitere 41,4 Prozent gelten als mittel gefährdet. Einem guten Viertel innerhalb dieser Gruppe drohe ebenfalls das Aus, sagt Theopold. Das bedeutet: Fast jedes dritte Unternehmen kämpft gegen die Pleite.
Die anderen Unternehmen befänden sich "in relativ sicherem Fahrwasser", sagt Theopold, " aber sie müssen längst fällige Strukturverbesserungen einleiten." Dazu gehörten strategisch nicht relevante Geschäftsbereiche abzutrennen und das Bestandskundenmanagements zu verbessern.
Dennoch: Alle Unternehmen der Kategorie "mittel" wiesen in den Jahren 2004 bis 2008 wachsende Umsätze und Erträge auf. Der Großteil von ihnen werde daher die Krise überleben, sagt Sebastian Theopold. "Der Mittelstand insgesamt steht damit auf robusten Füßen."
Es gibt sogar Musterschüler. Immerhin 17 Prozent der 800 Firmen hätten aufgrund kluger Strategien ein "sehr geringes" und 22 Prozent ein "geringes" Risiko, unter die Räder zu kommen, so die Studie. Für sie berge die derzeitige Lage eher Chancen, sagt Theopold: "Diese Unternehmen können ihre Position in der Krise sogar nutzen, um ihre Dominanz weiter auszubauen."
FTD, Claus Hornung
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