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Guten Morgen, liebe Sorgen

06.01.2009, 17:17 Uhr | FTD, Kathrin Werner

Website des Schweizer Start-ups (Foto: www.needaproblem.de)

Website des Schweizer Start-ups (Foto: www.needaproblem.de)

Das Leben kann manchmal ganz schön langweilig sein: Das Gehalt kommt regelmäßig, das Auto springt immer an, die Wohnung ist hübsch, die Freundin nett. Ein Schweizer Startup bietet nun die Lösung - und verkauft Probleme.

Schluss mit Langeweile

Drei Sorten von Menschen gibt es, sagte Winston Churchill: die sich zu Tode sorgen, die sich zu Tode arbeiten und die sich zu Tode langweilen. Um das Sorgen und Arbeiten kommt man wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise ja leider nicht herum. Damit man sich aber wenigstens nicht mehr zu Tode langweilen muss, hat sich Martin Koncilja etwas ausgedacht. Er nämlich findet, es gebe nicht mehr genug Probleme, zumindest nicht in der westlichen Welt. "Wenn die existenziellen Probleme gelöst sind, wird - Ironie des Schicksals - Langeweile die größte Herausforderung", sagt er. "Hier ist alles so abgesichert." Koncilja kommt aus der Schweiz.

Probleme für jeden Geldbeutel

"Eine Marktlücke", hat er gedacht und zusammen mit zwei Freunden eine Firma für Probleme gegründet. Auf deren Internetseite www.needaproblem.com sind Probleme käuflich und zum Download bereit - mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad. Ein triviales ist für einen Euro zu haben, ein normales kostet 50 Euro und ein fast unlösbares 5000 Euro. "Wir geben den Leuten einen Kick, weil sie ausnahmsweise mal nicht wissen, was auf sie zukommt", sagt Koncilja. Seine Probleme sind kleine Aufgaben. Für einen Euro kriegt man zum Beispiel eine E-Mail mit dem Betreff "Sie haben ein triviales Problem" und dem Text: "Sag uns, wie die Löcher in den Emmentaler Käse kommen." Die Internetseite der Organisation Emmentaler Switzerland gibt die Antwort: Schuld ist die Propionsäuregärung.

Reise in den brasilianischen Dschungel

Wer eine Fünf-Euro-Aufgabe lösen will, muss sich schon mehr anstrengen, etwa ein achtzeiliges Gedicht verfassen oder mit der Bahn, die man sonst zur Arbeit nimmt, an die Endstation fahren und dort zu Abend essen. "Ein 50-Euro-Problem schränkt dann schon richtig den Tagesablauf ein", sagt Marketingfachmann Koncilja. Und bei den Luxus-Problemen für 5000 Euro gibt es einen Warnhinweis vor der Bestellung: "Dieses Problem wird Ihr Leben mit großer Wahrscheinlichkeit grundlegend verändern. Wir legen Ihnen nahe, nicht mehrere Probleme dieser Kategorie gleichzeitig zu bestellen, sonst überfordern Sie sich." Wer 5000 Euro bezahlt, muss beispielsweise in den brasilianischen Dschungel reisen und dort in einem entlegenen Hotel eine Kontaktperson treffen.

Intellektuelle bilden beste Kundschaft

Koncilja, der Fernsehexperte Björn Hering und der Pilot Hansmartin Amrein haben die Problem-Firma im Oktober 2008 als Künstlerprojekt gestartet, als "philosophisches Experiment". Nun wächst sie rasant. Mehr als 700 Probleme hat sie verkauft, auch einige "schwierige" - für je 500 Euro. Die Firma hat noch mehr als 1000 Sorgen auf Lager. 90 Prozent der Problem-Kunden seien Deutsche - die meisten gebildet, mit gut bezahlten Jobs. "Gerade unter Intellektuellen ist die Nachfrage besonders hoch", sagt Koncilja. Derzeit arbeitet er an der Expansion in die USA. "Dort ist der Markt für Probleme einfach am größten." Und für 2009 planen sie eine Fernsehsendung, die Teilnehmer beim Aufgabenlösen begleitet.

Beweisvideos mit Ergebnissen

Koncilja interessiert sich nämlich durchaus auch für die Lösungen. "Wir wollen, dass die Leute uns ihre Ergebnisse vorstellen, am besten per Beweisvideo", sagt er. Die Firma setzt eine Frist, nach zwei Wochen gibt es die erste Mahnung, nach sechs die zweite. "Bei uns kann man es nicht wie sonst auf die lange Bank schieben, sich mit seinen Problemen auseinanderzusetzen." Vielleicht werde die Firma irgendwann auch Probleme ankaufen und weiterreichen, als internationaler Problemmarktplatz.

Noch härtere Herausforderungen

Für 2009 haben sich die drei Schweizer eines vorgenommen: die Probleme werden härter und männlicher. Bisher sind zwei Drittel der Kunden Frauen. "Dabei dachten wir, das sei eine klassische testosterongeschwängerte Idee", sagt Koncilja. "Aber ein Problem zu lösen hat eben eine gewisse Poesie. Und die spricht Frauen an."

FTD, Kathrin Werner  

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