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Alternative Bed and Breakfast

Erschienen am 16. November 2009 | FTD, Christina Schneider
Nur sehr wenige Geschäftsreisende übernachten in Bed and Breakfast-Hotels. (Foto: Imago)
Nur sehr wenige Geschäftsreisende übernachten in Bed and Breakfast-Hotels. (Foto: Imago)
Kaum ein deutscher Businessreisender mag im Privatzimmer übernachten. Aber wieso eigentlich? Schließlich schläft es sich nirgends charmanter als im Bed and Breakfast.




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Vom Fünfsternehotel zum Bed and Breakfast

Walburga Mussner weiß, wie man Gäste glücklich macht. In jedem Zimmer liegen Morgenmantel und Pantoffeln bereit, im Bad stapeln sich die weißen Handtücher akkurat zusammengelegt im Regal. Die 48-jährige Hotelkauffrau aus Oberbayern war mal Controllerin in einem Fünfsternhotel, bevor sie nach Hamburg kam und sich dort einen Traum erfüllte. Vor vier Jahren eröffnete sie ihr Bed and Breakfast "To Be" im feinen Stadtteil Eppendorf, vermietet seitdem drei ihrer fünf Zimmer - und wohnt in den beiden anderen.

Geschäftsreisende kommen selten

Schlicht und elegant sind die Räume eingerichtet, mit Schiffsparkett, großen Fenstern und Stuck an den Decken. Fast immer ist das "To Be" ausgebucht: Kurzurlauber aus Süddeutschland, Künstler aus Kanada, Professoren aus Japan - alle treffen sich beim Frühstück am langen Tisch vor den Jugendstilfliesen in der Küche der herrschaftlichen Altbauwohnung. Nur Geschäftsreisende, die kommen eher selten.

Die Deutschen tun sich schwer

Eigentlich merkwürdig: Während das Bed-and-Breakfast-Konzept in vielen Ländern völlig normal ist, tun sich die Deutschen immer noch schwer mit Übernachtungen im Privathaus. 2008 schlief im ganzen Land gerade mal ein Prozent der Dienstreisenden in solchen Unterkünften.

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Kaum wahrgenommen

Zwar gibt es Bed and Breakfast in jeder Stadt - meist werden sie aber kaum wahrgenommen von Fremdenverkehrsämtern oder Tourismuszentralen. Ihre Zahl hat bisher kein Reiseverband und nicht einmal das Statistische Bundesamt ermittelt. Dabei besitzen diese Häuser ihren Reiz, gerade für Leute, die beruflich unterwegs sind.

Ausgaben für Dienstreisen drastisch gekürzt

Nächte im Fünfsternehaus sind für die meisten ja ohnehin weit jenseits der Spesenordnung. Laut dem Verband Deutsches Reisemanagement haben deutsche Firmen im ersten Halbjahr 2009 ihre Ausgaben für Dienstreisen um bis zu 30 Prozent gekürzt. Was bleibt, sind die typischen 80er-Jahre-Schlafburgen längs der Autobahn, mit Plastikduschkapsel, abgewohnten Möbeln und brummender Klimaanlage.

Gratis W-Lan im "aCasa"

Warum nicht stattdessen zum Beispiel in Frankfurt im liebevoll eingerichteten "aCasa" einchecken? Das Bed and Breakfast liegt fünf Gehminuten von der Messe entfernt, es gibt gratis W-Lan, und das Frühstück wird morgens zur gewünschten Zeit auf einem Klapptisch vor der Zimmertür serviert. Sehr schick ist auch das "Berliner Bed and Breakfast" in Schöneberg, wo die Gäste nach persönlichem Geschmack unter sechs Zimmern auswählen können - eingerichtet zum Beispiel im Retrolook oder in kühler Asia-Schlichtheit.

Hannover macht es vor

Während solche Unterkünfte für Businessreisende deutschlandweit eher die Ausnahme sind, fährt die Stadt Hannover mit dem Modell bereits seit Jahrzehnten gut. Zu Messezeiten wohnen dort Tausende Geschäftsleute in privat vermieteten Zimmern. "Das hat hier eine jahrzehntelange Tradition", sagt Petra Boerger, Geschäftsführerin des Vereins Tourismus Region Hannover.

Die persönliche Atmosphäre kommt gut an

"Viele schätzen die persönlichere Atmosphäre gegenüber einem Hotel, sie freuen sich über die Möglichkeit, mit dem Gastgeber ein Gespräch zu führen. Aber das muss man natürlich mögen." Die Wahl der Unterkunft sei auch eine Frage des Preises. "Während der Messen werden die Hotelbetten teurer." Die Preise für eine Nacht im Bed and Breakfast schwanken je nach Ausstattung und Lage zwischen 20 und 90 Euro.

Keine festgelegten Standards

Während man sonst üblicherweise einfach eine Hotelbuchungsplattform wie Hrs.de aufruft und schaut, was am gewünschten Tag so alles frei ist, bleibt die Auswahl der richtigen Privatunterkunft eine Herausforderung. Adressen findet man über die örtlichen Tourismusbüros; in vielen Städten arbeiten auch spezialisierte Bed-and-Breakfast-Agenturen. Auf deren Internetseiten bieten die Gastgeber ihre Zimmer oft mit Fotos und Beschreibung an. Gefahr, einen Missgriff zu landen, läuft man natürlich trotzdem: Bei Privatunterkünften gibt es keine festgelegten Standards und keine Qualitätsgarantie. Neben professionellen Anbietern stellt der eine oder andere Gastgeber auch einfach das Jugendzimmer des ausgezogenen Sprösslings zur Verfügung - nebst der alten Kindermöbel.

Persönliche Kontaktaufnahme ist unvermeidlich

Auch ein eigenes Bad ist nicht selbstverständlich. Solche Fragen sollte man vorher klären. Um eine persönliche Kontaktaufnahme mit dem Gastgeber kommt man ohnehin nicht herum: Ankunftszeit und Schlüsselübergabe müssen abgesprochen werden, weil es keine Rezeption gibt. Walburga Mussner vom "To Be" in Hamburg hat dafür ihre eigene Lösung gefunden: Auf Wunsch deponiert sie den Zimmerschlüssel in der Tankstelle um die Ecke. Deren Mitarbeiter stehen rund um die Uhr für Übernachtungsgäste bereit.

Alles wie zu Hause

To Be: Preise inklusive Frühstück: EZ ab 60 Euro, DZ ab 85 Euro, Klosterallee 67, 20.144 Hamburg, www.bedandbreakfasttobe.de

aCasa: EZ ab 59 Euro inklusive Frühstück, DZ ab 68 Euro, Preiserhöhung zu Messezeiten. Varrentrappstraße 49, 60.486 Frankfurt, www.hotel-acasa.de

Berliner Bed and Breakfast: EZ 35 Euro, DZ 55 Euro inklusive Frühstück, Langenscheidtstraße 5a, 10.827 Berlin, www.berliner-bed-and-breakfast.de


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Quelle: FTD, Christina Schneider
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