04.09.2008, 8:47 Uhr | dpa, Andreas Heimann / t-online.de/business
Humor kann auch der Karriere auf die Sprünge helfen. (Foto: Imago)
"Lachen verboten" scheinen sich viele Firmen auf die Fahne geschrieben zu haben. Denn nicht selten glauben Chefs: Wo zu viel Spaß herrscht, wird nicht ernsthaft gearbeitet. Auch im Gespräch mit Kunden oder Kollegen ist Seriosität oft oberstes Gebot. Schade - denn mit Humor läuft der Geschäftsalltag besser, sagen Experten. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Humor im Job richtig einsetzen - und davon profitieren.
Effektive Bewältigungsstrategie
Humor funktioniere als "kommunikatives Schmiermittel", sagt etwa Bärbel Hinz-Käfer. "Selbst in festgefahrenen Verhandlungen kann er hilfreich sein", so die Unternehmensberaterin aus Freiburg, die Humorseminare anbietet. Humor sei sogar eine Bewältigungsstrategie bei Belastungen im Beruf, meint auch Birgit Rißland. Die Diplom-Psychologin aus Stendorf schränkt aber ein: "Für abwertenden, zynischen Humor gilt das allerdings nicht." Wer Stressfaktoren mit heiter und gelassen begegne, könne davon nur profitieren. Chronisch schlechte Stimmung erhöhe dagegen zum Beispiel das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Zu selten genutzt
Humor habe viele positive Wirkungen - auf den anderen und auf einen selbst. "Lachen ist gesund" hält Hinz-Käfer deshalb für ganz richtig. "Im Beruf geht es allerdings tendenziell humorlos zu", ist Albrecht Kresses Erfahrung. "Wir verlagern Humor auf den Donnerstagabend, gehen dann ins Kabarett und zahlen auch noch Geld dafür, lachen zu dürfen", sagt der Autor und Trainer aus Berlin. Ansonsten gelte "Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps". Kresse ist überzeugt, dass dadurch viele Chancen verschenkt werden: "Wir nutzen Humor viel zu selten."
Sich selbst auf die Schippe nehmen
Allerdings ist der humorvolle Umgang mit kniffligen Themen am Arbeitsplatz kein Kinderspiel: "Man muss dafür schon etwas Fingerspitzengefühl entwickeln und sich auf sein Gegenüber einlassen", sagt Eva Ullmann. Die Expertin coacht Unternehmen zum Thema Humor und hat zusammen mit Albrecht Kresse ein Buch darüber geschrieben. "Es reicht nicht, wenn der Chef einen Scherz nach dem anderen produziert." Dröhnendes Lachen ist eben noch kein Zeichen für ein entspanntes Betriebsklima - solange in erster Linie immer nur einer lacht. "Gerade Vorgesetzte sollten die Fähigkeit haben, sich auch selbst auf die Schippe zu nehmen", rät Ullmann.
Schwierige Situationen retten
Dann kann Ironie in vielen Situationen helfen, so die Fachfrau. "Man kann kritische Botschaften auf ironische Art vermitteln", ergänzt Albrecht Kresse. Gerade in der Kommunikation bieten sich dafür gute Chancen: Wer humorvoll Feedback gibt, klingt weniger hart und kommt sympathischer rüber. "Man kann mit Humor auch mal eine schwierige Situation überspielen", erklärt Kresse. "Oder man macht einen Witz, wenn etwas nicht geklappt hat, und schon ist es nicht mehr so frustrierend, dass ein Kunde abgesagt hat oder ein Projekt geplatzt ist."
Humor verbessert Betriebsklima
Auch in Verhandlungen kann man davon profitieren, humorvoll zu übertreiben und zu karikieren. "Das schließt ja nicht aus, dass man logisch und strukturiert argumentiert", betont Eva Ullmann. Wer die Lacher auf seiner Seite hat, hat damit vielleicht noch nicht gewonnen, aber mit Sicherheit gepunktet. Führungskräfte könnten Humor in vielen Situationen einsetzen: Den humorvollen Umgang miteinander zu fördern, steigere letztendlich sogar die Motivation: "Humor kann das Betriebsklima verbessern", ist Kresse überzeugt.
"Auch Kunden haben gut gelaunte, lachende Menschen lieber"
Wenn es am Arbeitsplatz etwas zu lachen gibt, sei das grundsätzlich positiv, bestätigt Unternehmensberaterin Bärbel Hinz-Käfer. Das gelte gerade dann, wenn es auf Teamarbeit ankommt. "Aber auch Kunden haben gut gelaunte, lachende Menschen lieber."
Bei Vorträgen Aufmerksamkeit wecken
"Auch Lernen fällt mit Humor leichter", sagt Eva Ullmann. Das stecke hinter der Idee des "Edutainment" - dem Lernen mit Spaß. Den Umgang mit Humor kann man ihrer Überzeugung nach trainieren - und zum Beispiel in Verhandlungssituationen oder Präsentationen nutzen. Wer etwa Vorträge mit Cartoons oder Filmausschnitten unterfüttert, mache sie dadurch anschaulicher, betont Birgit Rißland. "Humor hilft außerdem, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen." Das darf zwar nicht überstrapaziert werden, aber grundsätzlich gilt: Hin und wieder eine Pointe ist gut für jeden Vortrag.
dpa, Andreas Heimann / t-online.de/business
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