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Insolvenzen: Krise zieht riesige Pleitewelle nach sich

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Krise zieht riesige Pleitewelle nach sich

25.06.2009, 15:38 Uhr | dpa

2009 könnte eine Pleitewelle noch mehr deutsche Firmen erfassen als im Vorjahr. (Foto: Imago)

2009 könnte eine Pleitewelle noch mehr deutsche Firmen erfassen als im Vorjahr. (Foto: Imago)

Die deutsche Wirtschaft steht nach Ansicht von Insolvenzverwaltern vor der größten Pleitewelle der Nachkriegszeit. Nach einer Umfrage der Kreditversicherung Euler Hermes und des Zentrums für Insolvenz und Sanierung an der Universität Mannheim (ZIS) erwarten fast zwei Drittel der Experten, dass die bisher höchste Anzahl von 39.320 Firmenpleiten im Jahr 2003 in der Krise überschritten wird.

Nicht allein die Krise ist schuld

Dabei sei rund ein Drittel der Insolvenzen auf die Finanzkrise zurückzuführen. Befragt wurden 107 der wichtigsten deutschen Insolvenzverwalter, die knapp 21.000 Verfahren betreuen.

"Das Schlimmste liegt noch vor uns"

"Das Schlimmste liegt noch vor uns", sagte der Vorstandschef von Euler Hermes, Gerd-Uwe Baden. Wichtigste Ursachen für die Insolvenzen seien ausbleibende und stornierte Aufträge. Bei den mittelständischen Unternehmen, die von den befragten Insolvenzverwaltern betreut werden, sind im Durchschnitt mehr als die Hälfte aller Aufträge weggebrochen. "Das sind Phänomene, die wir so noch nicht gesehen haben", sagte Baden. Ein Unternehmen könne noch so gut aufgestellt sein - ohne Aufträge drohe dennoch die Insolvenz. Betroffen seien vor allem Schlüsselbranchen wie Chemie, Maschinenbau, Elektrotechnik und Automobilbau nebst ihren Zulieferern.

Banken geben keine Unterstützung

Auch die zurückhaltende Kreditvergabe der Banken führt viele kleine und mittlere Unternehmen in die Pleite. Fast 80 Prozent der Insolvenzverwalter klagen darüber, dass Banken trotz langjähriger ungestörter Geschäftsbeziehungen beantragte Kredite verweigern. "Die Banken handeln nicht rational, sondern folgen einem Herdentrieb", sagte ZIS-Direktor Prof. Georg Bitter. "Sie verzichten auf Geschäftschancen und verschärfen die angespannte Lage, um kein Risiko einzugehen." Besonders betroffen von der Krise seien zudem Unternehmen, die von Finanzinvestoren übernommen und mit Schulden belastet wurden. Hier gebe es keine Reserven, um schlechte Zeiten zu überstehen.

Erweiterter Arbeitnehmerschutz gefordert

Um die Arbeit der Insolvenzverwalter zu erleichtern und mehr Unternehmen zu retten, sollten nach Ansicht der Experten die Schutzrechte der Arbeitnehmer im Insolvenzverfahren zeitweise ausgesetzt werden. Durch die gesetzliche Vorschrift, dass ein Investor alle Arbeitnehmer eines insolventen Betriebs übernehmen muss, werde oft der Verkauf vereitelt und alle Arbeitsplätze gingen verloren, sagte Bitter.

dpa  

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