24.02.2009, 10:39 Uhr | Andreas Heimann, dpa
Auch interne Bewerbungen laufen meist nach festen Regeln ab. (Foto: Imago)
Eine renommierte Firma, eine guter Arbeitsplatz - und trotzdem kann sich der Job als Sackgasse erweisen. Manchmal schafft schon eine interne Bewerbung auf eine andere Stelle Abhilfe. Wir erklären, worauf Unternehmen dabei Wert legen - und was gar nicht geht.
"Auch die interne Bewerbung folgt festen Regeln", sagt die Personalberaterin Christine Öttl aus München. "Man muss sie genauso ernst nehmen wie Bewerbungen in andere Unternehmen." Dies entpuppt sich aber oft ein Hindernis. "Mitarbeiter denken, eine interne Bewerbung sei nur eine Formsache", so Öttl. Das ist sie allerdings nur in den seltensten Fällen - etwa wenn das berühmte Vitamin B im Spiel ist. Oder die Firma so klein, dass der Chef seinem verdientesten Mitarbeiter eine Stelle zusagt und der sie dann auch bekommt.
Meistens ist es nicht so einfach. Unternehmen erwarten auch von internen Bewerbern meist eine schriftliche Bewerbung und führen Auswahlgespräche. "Heute kennt nicht mehr jeder jeden - und die Posten werden nicht stillschweigend vergeben", erklärt Öttl.
Bayer in Leverkusen etwa informiert die Beschäftigten über alle offene Stellen des Unternehmens im Intranet und durch Aushang, sagt Dirk Pfenning vom Center of Expertise People Development. "Die Bewerbungen werden dann online abgewickelt", sagt der Experte. Die internen Bewerbungen werden laut Pfenning zentral von einem internen Personaldienstleister bearbeitet. Der Ablauf entspreche dem Vorgehen bei externen Bewerbungen. Einen Vorteil haben die Bayer-Bewerber dennoch: "Mit dem Betriebsrat ist abgestimmt, dass vor einer externen Veröffentlichung jede offene Stelle zunächst zwei Wochen intern angeboten wird", sagt Pfenning.
Wie bei externen Bewerbungen habe Vertraulichkeit auch bei internen Priorität. "Dies gilt vor allem gegenüber dem Bereich, aus dem sich der Bewerber auf eine neue Stelle gemeldet hat", so Pfenning. Auch sei ein wenig taktisches Geschick beim internen Bewerbungsvorgang gefragt. "Generell sollten Bewerber die Suche nach einer neuen Aufgabe nicht zu früh kommunizieren", rät der Fachmann. Wie Bayer bevorzugen auch andere Unternehmen inzwischen Online-Bewerbungen. Wichtig ist, das abzuliefern, was die Firmen verlangen. Ist die Online-Bewerbung gewünscht, will kein Personaler eine dicke schriftliche Bewerbungsmappe auf seinem Schreibtisch finden.
"Die Online-Bewerbung sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Man liefert etwas von sich selbst ab - ob das schriftliche Unterlagen sind oder ausgefüllte Formulare in vorgegebenen Feldern: Da sollte man sich reinhängen und Mühe geben", betont Öttl. Die Zugehörigkeit zum Unternehmen reiche den Personalverantwortlichen nicht immer aus, warnt auch Karriereberaterin Helga Krausser-Raether aus Frankfurt.
Doch nicht nur an der Form der Bewerbung erkennen Chefs und Personaler, ob der Bewerber wirklich an der neuen Stelle interessiert ist. Da wird auch geschaut, wie gut sich der Kandidat auf der aktuellen Position bewährt hat. "Eine gute Präsenz im eigenen Job hinterlässt über längere Zeit einen guten Eindruck", sagt Öttl. "Je angesehener ich bin und je mehr Leute mich kennen, umso größer ist die Chance, einen anderen Job zu bekommen, den ich haben will."
Noch einen weiteren Vorteil hat die interne Bewerbung für Firmen und Bewerber: Der Betreffende kenne die Strukturen im Unternehmen schon und müsse sich nicht lange eingewöhnen, sagt Krausser-Raether.
Dennoch sollten interne Bewerbungen gut überlegt werden. "Wenn ein Bewerber etwa nicht wirklich strategisch überlegt, ob eine neue Position auch die richtige ist, kann es zu einem bösen Erwachen kommen", erläutert die Beraterin. Als groben Fehler schätzen Chefs es beispielsweise ein, wenn nicht an den Nachfolger in der alten Position gedacht und ein ungeordneter Arbeitsplatz hinterlassen wird. Das werfe auf jeden Fall schlechtes Licht auf den Wechsler.
Im Übrigen bewerten Unternehmens Krausser-Raether zufolge auch interne Initiativbewerbungen positiv. Dem folgt in der Regel ein ganz normaler Bewerbungsprozess. Dazu gehören laut der Expertin "ein Anschreiben, ein Motivationsschreiben, ein Interview, eventuell das Assessment Center". Dabei gelte eine einfache Grundregel, betont Krausser-Raether. Bewerber sollten über den eigenen Vorgesetzten gehen - anfragen und sehen, ob es Möglichkeiten zur Weiterentwicklung gebe.
Andreas Heimann, dpa
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