31.12.2009, 10:51 Uhr | Tobias Schormann, dpa / t-online.de/business
"Weniger ist mehr" - das gilt auch für gute Vorsätze im Job. (Foto: DAK/dpa-tmn)
"Im nächsten Jahr muss alles anders werden" - gute Vorsätze gehören für viele Menschen einfach mit zum Jahreswechsel. Neben Klassikern wie "mit dem Rauchen aufhören" und "mehr Sport treiben" nimmt sich mancher Mitarbeiter außerdem vor, den Job mehr nach eigenen Vorstellungen zu gestalten und weiter nach vorn zu kommen. Ohne realistische Planung ist das natürlich nichts als heiße Luft. Experten verraten, wie die Erfolgsoffensive auch gelingt.
Ein Grund dafür, dass Vorsätze so selten umgesetzt werden, sind übersteigerte Erwartungen. Denn wer sich zu viel vornimmt, übernimmt sich leicht. "Weniger ist mehr", rät Rudolf Stroß, Psychologe aus Bergisch Gladbach. Das Motto sollte also nicht sein, alles anders machen zu wollen, sondern einige Dinge konkret zu ändern. "Lieber ein Ziel als zwei. Und lieber eins nach dem anderen als alles auf einmal", empfiehlt Stroß. Laut dem Experten haben Beschäftigte die besten Aussichten, ihre Vorsätze richtig umzusetzen, wenn sie den folgenden Regeln folgen.
Der Schreibtisch quillt regelmäßig über? Zum Aufräumen ist einfach nie Zeit? Ein typischer Fall von Aufschieberitis. Da hilft nur eins: Anfangen, sich einmal die Zeit nehmen und konsequent Ordnung schaffen. Das klappt am besten, indem man sich einen festen Termin vornimmt, sagt Stroß. Statt "nächstes Jahr" sollten Mitarbeiter sich also lieber "am 1. Februar fällt der Hammer" sagen. "Sonst verschiebt man das bloß auf den Sankt-Nimmerleinstag", warnt der Psychologe.
Der Jahreswechsel ist auch eine gute Gelegenheit, um Ablagen und Schubladen zu entrümpeln. Dabei helfe es, den Inhalt in drei Kisten zu sortieren, rät die Organisationsberaterin Sophie Babendererde aus Wohltorf, Schleswig-Holstein. Sie tragen die Aufschrift "brauche ich noch", "kann weg" und "brauche ich vielleicht noch". Die dritte Kiste kommt verschlossen in den Büroschrank. Bleibt sie dort ungeöffnet, wird sie spätestens nach sechs Monaten komplett entsorgt.
Pünktlich gehen ist oft einfacher gesagt als getan. Am besten klappt es, wenn man für den Feierabend etwas einplant - zum Beispiel Sport. So bekommt das Kürzertreten im Job eine positive Wendung. Beschäftigte sollten sich also vor Augen halten, wofür sie sich mehr Zeit nehmen, erklärt die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) in Hamburg. Das motiviere am ehesten dazu, rechtzeitig das Büro zu verlassen. Termine sind außerdem ein guter Anlass, um pünktlich zu gehen: Wer zu einem Vortrag um 18.30 Uhr wolle, müsse eben um 18 Uhr weg aus der Firma.
Stress im Job ist nicht selten hausgemacht. Der Grund: Manche Arbeitnehmer können einfach nicht Nein sagen. Die sind dann immer der Dumme, an dem alle Arbeiten hängenbleiben. Beschäftigte sollten Kollegen daher auch mal einen Korb geben, wenn diese ihnen eine Aufgabe aufs Auge drücken wollen. Dabei spielen sie laut VBG am besten mit offenen Karten. Sie sollten also erklären, warum sie keine Zeit haben, die Aufgabe zu übernehmen. So stoßen sie die anderen nicht gleich vor den Kopf. Außerdem entlaste es, Alternativen aufzuzeigen - etwa indem sie anbieten, sich am nächsten Tag um die Sache zu kümmern.
Allen, die etwas für die Gesundheit tun möchten, empfiehlt Rudolf Stroß das Bonmot von Erich Kästner: "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es." Das heißt: Nicht lange planen und über Diätpläne oder passende Sportarten grübeln, sondern machen. Und mit kleinen Dingen anfangen: Morgens Tee statt Kaffee trinken, mittags in der Kantine einen Salat nehmen, mit dem Rad zur Arbeit fahren. Der Vorsatz "Mehr Sport machen" ist nach Ansicht der VBG-Experten nicht konkret genug: Erfolg versprechender sei es, sich zum Beispiel immer montags um 19 Uhr zum Joggen zu verabreden.
Sinnvoll kann es auch sein, Kollegen bei solchen Vorhaben mit ins Boot zu holen. "Beistand ist sehr wichtig", so Stroß. Wer sich in der Kantine mit einem Salatfan verabredet, hat es beim Abnehmen leichter, als wenn der Kollege immer Currywurst mit Pommes isst. Es kommt aber auf die eigene Haltung an: Verzichtsdenken ist kontraproduktiv. Stattdessen sollte der Gewinn durch eine geplante Veränderung im Vordergrund stehen, rät Stroß. Statt "Ich muss mich unbedingt besser organisieren", hilft also eher der Gedanke "Ich habe mehr Freiräume, wenn ich gut organisiert bin". Und das darf durchaus Spaß machen - eiserne Härte gegen sich selbst sei die falsche Herangehensweise, betont der Fachmann.
Endlich die Weiterbildung anfangen oder Zehn-Finger-Schreiben lernen? Dabei hilft es, sich zu "committen", wie es auf Neudeutsch heißt: Als Erstes erzählen Beschäftigte ihren Kollegen von ihren Plänen. Dadurch verpflichten sie sich ihnen gegenüber, sie auch in die Tat umzusetzen. "Das erhöht den sozialen Druck", meint Stroß dazu. Und wenn der Mitarbeiter den Plan zwischendurch aus den Augen verlieren, werden die Kollegen ihn daran erinnern - spätestens bei der nächsten Silvesterfeier.
Manche Ziele scheinen allerdings unerreichbar weit. Dann führen kleine Schritte zum Erfolg. Gut sei es daher, Ziele in Etappen einzuteilen, rät der Psychologe Rudolf Stroß. Auf diese Weise stellen sich schneller Erfolge ein: Ist der erste Schritt auf dem Weg geschafft, motiviert das zum Weitermachen. Beim Hinarbeiten auf eine Beförderung oder eine Gehaltserhöhung kann es sich zum Beispiel um das erste Gespräch mit dem Chef handeln. Dann dürfen Mitarbeiter sich zumindest schon dafür auf die Schulter klopfen, die Sache ins Rollen gebracht zu haben.
Tobias Schormann, dpa / t-online.de/business
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