16.04.2009, 14:23 Uhr | Verena Wolff, dpa
Bewerber sollten im Vorstellungsgespräch nicht zu übermütig werden. (Foto: Imago)
Kalte Hände, eine zittrige Stimme - das kennt jeder, der schon einmal in einem Vorstellungsgespräch gesessen hat. Eigentlich kein Grund zur Sorge. Zu viel Nervosität aber verdirbt den Auftritt des Bewerbers. Und kann nicht nur zu Peinlichkeiten führen, sondern auch die Wahrnehmung beeinträchtigen. Dabei ist das, was der zukünftige Chef zu sagen hat, äußerst wichtig für den neuen Job. So gewinnen Sie einen realistischen Eindruck des Unternehmens, bei dem Sie anheuern wollen.
Im Vorstellungsgespräch will der neue Arbeitgeber schließlich auch das Unternehmen und den vakanten Job vorstellen. Ein potenzieller neuer Mitarbeiter sollte genau darauf achten, wie der Chef die ausgeschriebene Stelle darstellt. "Man ist damit beschäftigt, sich selber gut zu präsentieren", sagt Karriereberaterin Helga Krausser-Raether aus Frankfurt am Main. Doch dabei dürften Bewerber nicht vergessen, dass sie selbst auch etwas in den Betrieb einbringen: Expertise und Arbeitskraft.
Die Stellenbeschreibung, auf die ein Bewerber seine Unterlagen einschickt, nennt die Anforderungen an den Kandidaten meist genau. Doch die Realität sieht manchmal ganz anders aus. "Viele achten zu wenig auf die Atmosphäre im Unternehmen", sagt Krausser-Raether. Wie gehen die Gesprächspartner miteinander um, sagen sie dasselbe über den Job? Zwar ist der Druck oft hoch. Doch wer keine Leichen im Keller habe, brauche auch keine Angst zu haben, dass welche zum Vorschein kommen, sagt Jürgen Smettan, Vorsitzender der Sektion Wirtschaftspsychologie im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP).
Bewerber müssen sich demnach selbst gut verkaufen und gleichzeitig versuchen, den Gesprächspartnern Konkretes zu entlocken. "Zunächst muss man selber klare Ideen haben, wie man sich einen Job vorstellt", betont Christine Öttl, Karrierecoach aus München. Dazu gehöre, gut vorbereitet in ein Gespräch zu gehen und die Stellenanzeige für sich selbst interpretiert zu haben. "Im Gespräch sollte man dann möglichst viel über die Aufgaben und den Ablauf erfragen." Dazu könne ein Bewerber direkte Fragen stellen, zum Beispiel "Wie sieht mein Tag aus?" oder "Wie setzt sich die Arbeit zusammen?".
Dabei sollten Jobkandidaten auch nachfragen, um das Gesagte zu rekapitulieren, erklärt Öttl - etwa so: "Wenn ich Sie richtig verstehe, dann..." Auch sollte ein Bewerber seine eigenen Vorstellungen im Gespräch artikulieren. "Wenn man selbst auf eine bestimmte Sache viel Wert legt - etwa auf Sprachkenntnisse -, dann sollte man sich versichern, dass sie auch wirklich wichtig für die Stelle sind", rät Öttl.
Ganz so genau wie in einem Gespräch sind die mündlichen Zusagen und Beschreibungen der Arbeitsinhalte nur selten im Arbeitsvertrag wiederzufinden. "Hier ist es wichtig, sich schon im Gespräch die wichtigen Punkte aufzuschreiben oder sich hinterher eine Notiz zu machen", empfiehlt Krausser-Raether. Dabei sei es oft gut, sich beim Gesprächspartner und potenziellen Vorgesetzten rückzuversichern. "Man kann durchaus eine E-Mail mit dem Betreff 'Mein Verständnis der Aufgaben' nochmal an die Gesprächspartner senden - damit es später nicht zu Missverständnissen kommt", so die Expertin. Allzu kleinkariert sollte sich im Interview niemand geben. "Das kann leicht unflexibel und pedantisch wirken", warnt Krausser-Raether.
Schon nach ein paar Tagen im neuen Job ist es Zeit für eine erste Bestandsaufnahme. "Wenn es vom ersten Tag anders läuft als abgesprochen, sollte man sich melden", sagt Öttl. Das sei etwa der Fall, wenn eine Einarbeitungszeit abgesprochen wurde - aber niemand zum Einarbeiten da ist. Guter Wille sei in einem solchen Fall wichtig. "Aber man muss offensiv Probleme ansprechen, damit sich etwas ändert", so die Beraterin. Gebe es in einem Unternehmen oder der Abteilung Veränderungen, von denen im Vorstellungsgespräch keine Rede war, gelte es ohnehin, neu zu verhandeln.
Auch auf die Rahmenbedingungen kommt es dabei laut Helga Krausser-Raether an: "Man muss die Spielregeln verstehen und die informellen Netzwerke herausarbeiten", sagt die Fachfrau. Wenn aber die Aufgaben sich klar als ganz andere entpuppen als die, für die der neue Mitarbeiter eingestellt wurde, sei ein klärendes Gespräch notwendig - so schnell wie möglich. "Man muss nicht direkt kündigen, aber auch nicht zu lange ausharren", erläutert die Beraterin. Hilfreich sei es, ein Tagebuch zu führen, um die eigene Arbeit besser darstellen zu können. Sind die Vorgesetzten nicht bereit, den Aufgabenbereich anzupassen und mit dem in Einklang zu bringen, was vorab verabredet wurde, bleibt manchmal nur die alte Weisheit: "Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende".
Verena Wolff, dpa
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