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Vom Sport für den Beruf lernen

Erschienen am 12. Januar 2010 | Andreas Heimann, dpa
Top im Sport  - spitze im Beruf?  (Foto: Imago)
Top im Sport - spitze im Beruf? (Foto: Imago)
"Dabei sein ist alles" gilt als olympisches Motto. Für viele Sportler lautet die Devise allerdings "schneller, höher, weiter!" Erfolge entscheiden, dabei sein ist eben nicht alles. So ist es im Berufsleben auch. Vorgesetzte verlangen mehr Leistung, mehr Produktivität, mehr Umsatz. Da klingt es einleuchtend, sich an erfolgreichen Sportlern zu orientieren, um die Karriere voranzutreiben. Das geht, sagen Experten. Aber Techniken und Trainingsstrategien lassen sich nicht einfach aus dem Leistungssport auf die Arbeitswelt übertragen.


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Schuld daran war der Ironman

Slatco Sterzenbach hat Sport studiert, ist Triathlet und zeigt anderen, wie das geht. Alles drei ist für ihn alles andere als selbstverständlich: "In der Schule war ich der Unsportlichste der Klasse", erinnert er sich. "Ich konnte keinen einzigen Klimmzug, beim Laufen war ich nach 100 Metern fertig." Nach dem Abi träumte er davon, Arzt zu werden. Es kam anders. Schuld daran war der Ironman, der legendäre Triathlon auf Hawaii: "Ich habe im Fernsehen einen Bericht darüber gesehen und mir gesagt, das möchte ich auch."

Vom Triathleten zum Berater von Führungskräften

Diese Vision gab ihm den nötigen Schub: "Rad fahren und schwimmen war nicht so schwierig, das Laufen schon eher." Aber Sterzenbach trainierte. "Und ich habe gemerkt, welche Veränderung das bewirken kann." Inzwischen kam der Triathlet sechsmal beim Ironman über die Ziellinie und schaffte auch den Weltrekord im Indoor-Cycling. Sterzenbach arbeitet heute als Ausbilder von Trainern und berät Führungskräfte.

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Viele Ähnlichkeiten zwischen Sport und Beruf

"Es ist immer schon so gewesen, dass man im Management geguckt hat, wie Sportler zum Beispiel mit Leistungsdruck umgehen", sagt Prof. Jens Kleinert. "Auch beim Thema Teambuilding liegt das nahe. Das ist schon eine plausible Analogie." Zwischen Sport und Beruf gebe es viele "strukturelle Ähnlichkeiten", erklärt der Wissenschaftler von der Sporthochschule Köln. "Aber man kann nicht einfach Techniken aus einem Feld ins andere übertragen." Manager wissen nach seiner Erfahrung genau, dass es zu simpel sei, sich Olympiasiegern einfach etwas abgucken zu wollen. Dennoch sei es ein richtiger Ansatz, sich mit der Frage zu beschäftigen, wie Sportler zu ihren Erfolgen kommen.

Vision, Methode und Zwischenziele

Dass Sport und Karriere manche Ähnlichkeit haben, liegt auch für Slatco Sterzenbach auf der Hand: "In beiden Fällen muss ich eine Vision haben. Ich muss mich fragen, was meine Methode ist und was meine Zwischenziele sind", erklärt er. Und dann zählt Hartnäckigkeit auf dem Weg, sie zu erreichen. Ganz wichtig sei in beiden Fällen die Einsicht, dass schneller Erfolg kein vernünftiges Ziel ist: "Klar kann man sagen: Ich will in vier Wochen Marathon laufen. Aber das geht nicht in Balance mit den eigenen Ressourcen." Genau das ist nach Sterzenbachs Einschätzung für sportliche Leistungen ebenso wichtig wie für solche im Beruf: "Man muss schonend mit seinen Ressourcen umgehen, sich genügend Zeit lassen, aber dranbleiben."

"Zielfoto im Kopf" wirke wie ein Erfolgsmagnet

Jörg Löhr war ebenfalls Spitzensportler: 94 Mal spielte er in der Handball-Nationalmannschaft. Inzwischen ist er Unternehmensberater und Management-Trainer in Augsburg. Für Erfolg im Sport und in der Wirtschaft gibt es nach seiner Überzeugung vergleichbare Grundlagen: Talent, gute Vorbereitung, Teamgeist, gute Führung und Leidenschaft. Sich selbst zu motivieren, ist in beiden Bereichen unverzichtbar: Ein klares "Zielfoto im Kopf" wirke wie ein Erfolgsmagnet, argumentiert Löhr. Für den Erfolg sei es notwendig, sich ein Ziel zu stecken, das positiv formuliert werden sollte und in überschaubarem Zeitrahmen aus eigener Kraft erreichbar ist.

Planung ist die Voraussetzung für Erfolg

Aber auch langfristige Planung ist nach Löhrs Einschätzung in beiden Fällen eine Voraussetzung für Erfolg. Dabei hilft, nicht nur an die kommenden Wochen zu denken, sondern das ganze Jahr in den Blick zu nehmen. Dazu gehören die Phasen, in denen Hochleistung gefragt ist, aber auch die, in denen Entspannung großgeschrieben wird. Genau das empfiehlt auch Slatco Sterzenbach: "Ich werde nicht während des Trainings gut, sondern hinterher, wenn ich entspanne."

Tiefergehende Motive erforschen

Und anhaltende Erfolge sind nur durch eine langfristige Perspektive möglich. Hilfreich könne eine Ziel- und Motivationsanalyse sein, erklärt Prof. Kleinert: "Was will ich in den kommenden Wochen und Monaten erreichen, und was bedeutet es mir?" Ähnlich ist es auch bei der Karriereplanung: Für nachhaltigen Erfolg zählt, sich über die eigenen tiefer gehenden Motive klarzuwerden, sagt Kleinert: "Was erfüllt mich im Job?" Im Sport und im Berufsleben spiele Sinngebung eine große Rolle. Wer beantworten kann, welchen Sinn bestimmte Ziele für ihn haben, hat einen entscheidenden Schritt getan, sie zu erreichen.

Das tun, was einen mit Leidenschaft erfüllt

Slatco Sterzenbach sieht das ähnlich: Wenn man es schafft, das zu tun, was einen wirklich mit Leidenschaft erfüllt, ist das nach seiner Erfahrung die beste Voraussetzung für Erfolg. Und dann kommt es darauf an, die eigene Leistung an einzelnen Stellen immer wieder zu optimieren: "Ich muss meine Trainingspläne analysieren, gucken, was schief gelaufen und was mir gelungen ist", erklärt Sterzenbach. "Das gilt im Sport wie im Beruf." Und auch das gehört dazu: zu akzeptieren, dass es nicht immer super läuft. "Es ist ganz normal, nicht nur perfekte Tage zu haben."



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Quelle: Andreas Heimann, dpa
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