
08.01.2010, 9:44 Uhr | FTD, Gregor Kessler
Der Zuckerwarenhersteller Katjes möchte den Abstand zu Haribo verkleinern. (Foto: dpa)
Katjes, Deutschlands drittgrößter Zuckerwarenhersteller, greift erneut zu - diesmal in den Niederlanden. Der Familienfirma ist es ernst mit der Expansion: Der Abstand zu Haribo wird geringer.
Ein bisschen ist dieser Zukauf eine Rückkehr. Zurück nach Holland, zurück zu den Wurzeln. Dorthin, wo Xaver Fassin 1910 mit der Produktion von Mottenkugeln, Ostereierfarbe und Fliegenfängern begann. Dorthin, wo bald darauf das erste schwarze Lakritzkätzchen entstand. Nun rückt die inzwischen in Emmerich auf der deutschen Rheinseite ansässige Katjes Fassin GmbH + Co. KG also ein Stück zurück in die Niederlande. 50 Prozent an Festivaldi habe man zum 1. Januar übernommen, teilte das Unternehmen mit. Die neue Tochter ist Hersteller der meistverkauften holländischen Lakritzen.
Eben deshalb ist der Zukauf auch ein wichtiger Schritt in die Zukunft von Katjes Fassin. " Diese strategische Beteiligung bringt uns Zugriff auf eine schnell wachsende Marke mit einem großen Potenzial für Deutschland und weitere europäische Märkte", jubiliert das Katjes-Geschäftsführerduo Tobias Bachmüller und Bastian Fassin.
Die Vorfreude ist verständlich. Seit Festivaldi 2005 durch ein Management-Buyout unabhängig wurde, hat sich der Umsatz laut Fassin verdreifacht. Was das in absoluten Zahlen heißt, darüber schweigt sich der Enkel des Katjes-Gründers aus. Auch über Geschäftszahlen seiner Familienfirma lässt er sich nichts entlocken. 200 Millionen Euro, heißt es in der Branche, erlöse Katjes. Jedoch mache Festivaldi bislang gut 90 Prozent seines Umsatzes in den Niederlanden. Und genau das will Katjes schnell ändern.
So könnte sich der bislang große Abstand zwischen Katjes und der Nummer eins Haribo (geschätzter Umsatz: 1,7 Milliarden Euro) sowie der Nummer zwei Storck(1,4 Milliarden Euro) im deutschen Markt bald deutlich verringern. Das Ziel bei Festivaldi, teilt Fassin selbstbewusst mit, sei die Mehrheit der Anteile. Das Gleiche gelte für den französischen Zuckerwarenhersteller Lamy Lutti, bei dem Katjes erst im vergangenen September seine Beteiligung von 10 auf 34 Prozent erhöht hatte. "In den kommenden drei Jahren streben wir hier eine Mehrheitsbeteiligung an", so Fassin. Mit den dann konsolidierten Umsätzen dürfte Katjes seine Erlöse vermutlich leicht verdoppeln.
Wachstum im Ausland ist auch das erklärte Ziel der Geschäftsführer-Doppelspitze. 2004, als der heute 37-jährige Bastian Fassin an die Seite des früheren Milka-Managers Bachmüller trat, war Katjes gerade mal in vier Auslandsmärkten unterwegs. Heute sind es mehr als 20 Länder. Im gleichen Zeitraum stieg der Umsatzanteil des Auslandsgeschäfts von 20 auf über 30 Prozent. Sobald die Erlöse von Lutti und Festivaldi bei Katjes auf der Habenseite stehen, schnellt die Auslandsquote auf gut die Hälfte hoch.
"Wir wollen in den an Deutschland grenzenden Märkten wachsen", sagt Bastian Fassin. Schon heute habe man in nahezu allen Nachbarstaaten eine Position unter den ersten drei. Schließlich gilt der deutsche Zuckerwarenmarkt als schwierig. Der enorme Preisdruck der Discounter macht den Markenherstellern zu schaffen. Auch wenn Katjes selbst Handelsmarken etwa für Aldi produziert: Verdienen lässt sich hier wenig.
Umso wichtiger werden Synergien. Und die hat Katjes bei jedem Zukauf im Blick. "Wir sind kein Konzern, der Wachstumsziele vorgibt. Wir kaufen, wenn Unternehmen zu uns passen", predigt Fassin. Das war bei Lamy Lutti so, das in Frankreich und Belgien stark ist, wo Katjes zuvor kaum vertreten war. Und das ist auch bei Festivaldi so. Wenngleich umgekehrt, denn Katjes war sehr wohl schon zuvor in den Niederlanden vertreten, Festivaldi jedoch nicht in Deutschland. Und so freut sich auch Peter van der Meulen, Festivaldis geschäftsführender Gesellschafter: "Dieser Abschluss bietet uns eine exzellente Gelegenheit, auf dem deutschen Markt zu wachsen und von den Größenvorteilen von Katjes zu profitieren, dabei aber als eigenständiges Unternehmen weiter zu bestehen." Die ersten zwei Drittel des Satzes klingen plausibel.
Tobias Bachmüller, wird 1996 vom scheidenden Firmengründer Klaus Fassin angeheuert. Er soll die Firma leiten, bis Fassins Sohn Bastian alt genug ist. Doch Bachmüller bewährt sich und führt Katjes heute gemeinsam mit dem Junior.
Bastian Fassin, 37, ist seit 2004 als Geschäftsführer für Produktentwicklung und Auslandsvertrieb verantwortlich.
FTD, Gregor Kessler
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