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Knigge für den Job

Duzen oder Siezen?

Erschienen am 01. Dezember 2009 | t-online.de/business
Knigge für den Job: Duzen oder lieber siezen? (Foto: Imago)
Duzen oder lieber siezen? (Foto: Imago)
Im Job per "Du" - oder doch lieber siezen? Gar nicht so einfach: Keine Woche im Unternehmen, schon duzt der neue Mitarbeiter lässig die ganze Firma. Ganz anders dagegen Müller aus der Verwaltung: Der hat das formelle "Sie" sogar gegenüber langjährigen Bürogenossen nie aufgegeben. Die finden ihn deshalb ziemlich steif. Aber welche Anrede ist in welcher Situation wirklich korrekt? Experten des Karriereportals monster.de erklären, wie Sie Fettnäpfchen vermeiden.


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In der Produktion häufig per "Du"

Zunächst kommt es darauf an, in welcher Branche Sie arbeiten, betonen die Fachleute. In der Produktion werde häufiger geduzt als in der Verwaltung. Dort, wo Anzug und Krawatte Pflicht sind, sei das "Du" unter Kollegen also seltener. Gerade in Banken und Versicherungen stehe das förmliche "Sie" für Seriosität. "Das 'Sie' ist eine bei uns übliche und förmliche Anrede, die ich nur wärmstens empfehlen kann", meint Margot Behrend gegenüber monster.de. Für Berufseinsteiger gelte der Rat allemal, so die Pädagogin und freiberuflichen Trainerin für Persönlichkeit, Kommunikation und Rhetorik.

Produkt und Zielgruppe spielen Rolle

Allerdings spielen auch Produkt und Zielgruppe des Unternehmens eine Rolle, ob geduzt oder gesiezt wird. "Wir haben uns lange darüber Gedanken gemacht, wie wir unsere Kunden ansprechen sollen", sagt Uwe Otto, Vorstand Vertrieb in der Custom Cash AG in Karlsruhe, im Gespräch mit monster.de. Das Unternehmen finanziert neue oder gebrauchte Motorräder der amerikanischen Kultmarke Harley Davidson. Weil das 'Du' in der Bikerszene üblich sei, habe das Unternehmen sich schließlich dafür entschieden, so Otto. Deshalb ist auf der Homepage auch zu lesen: "Egal wo Du Dein Traumbike findest - wir finanzieren es!"

Nach außen Respekt zeigen

"In der Außenwirkung ist das 'Du' unter Kollegen ein kompliziertes Konstrukt, weil es auf Kunden kumpelhaft wirken kann", betont Behrend. Deshalb haben ihrer Ansicht nach manche Unternehmen einen Kompromiss gefunden: Die Kollegen duzen sich im Unternehmen, vor Kunden sind sie dann aber wieder per 'Sie'. Damit wird Behrend zufolge der Respekt untereinander nach Außen hin deutlich.

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Was tun, wenn ein Kollege Karriere macht?

Wer glaubt, das "Sie" unter Kollegen schaffe grundsätzlich Distanz, irrt. Das "Du" im Unternehmen allein schafft nach Ansicht von Experten auch kein besseres Arbeitsklima. Vor allem Kollegen, die etwa die Ausbildung zusammen absolviert haben, häufig in Projekten oder in derselben Abteilung zusammenarbeiten, gingen zum Du über, beschreibt Trainerin Behrend auf monster.de ihre Erfahrung. Mache dann einer der Kollegen Karriere, so könne das zu Problemen führen. Was tun also beim Aufstieg in die Führungsriege?

Plötzliches Siezen ist unmöglich

"Wenn der Chef nicht alle duzt, sondern nur bestimmte Kollegen, schafft er eine Zweiklassengesellschaft und die kommt bei den Mitarbeitern nicht so gut an", erklärt Behrend. Allerdings sei es fast unmöglich, dass sich Mitarbeiter mit einer gemeinsamen Vergangenheit plötzlich siezen sollen, weil einer der Vorgesetzte des anderen geworden ist.

Anrede hängt von Unternehmenskultur ab

Respekt verschafft sich der Chef also nicht allein mit dem förmlichen "Sie". Das aber unterstütze ein höfliches und freundlich-distanziertes Miteinander im Job, weil es Emotionen erschwere, heißt es bei monster.de. "Du Pfeife" gehe nun mal leichter über die Lippen als "Sie Pfeife". Das heißt: Duzen verhindert auch keine Konflikte im Betrieb. Grundsätzlich hänge die Ansprache im Kollegenkreis von der Unternehmenskultur ab. "Deutsche Unternehmen bevorzugen das 'Sie', amerikanische das 'Du'", so Behrend.

Praktische Mischform

Eine praktische Mischform hat sich zum Beispiel bei SAP durchgesetzt. Innerhalb einer Abteilung duzen sich die Mitarbeiter des Softwarekonzerns generell. Im Umgang mit dem höheren Management wird daraus allerdings wieder ein 'Sie'. Weil SAP ein globales Unternehmen sei und die Konzernsprache Englisch, vereinfache die Regel "Vorname" und "Sie" die weltweite Kommunikation untereinander, heißt es von Unternehmensseite.

"You" ist kein intimes "Du"

Das englische "you" scheint die Sache einfach zu machen. Werner Besch, Germanistik-Professor an der Universität Bonn und Autor des Buches "Duzen, Siezen, Titulieren", räumt mit diesem weit verbreiteten Irrtum auf: "Das Wörtchen 'you' im Englischen ist kein intimes 'Du', sondern eine Respekt zeugende Pluralform, die dem deutschen 'Ihr' entspricht", erläutert Besch gegenüber monster.de. In England habe sich zwar die Anrede mit dem Wandel vereinfacht, indem das früher vertraute "Du", das "thou", abgeschafft wurde - mit der Folge, dass sich nun alle siezen - und nicht duzen. Auch im Englischen gebe es durchaus unterschiedliche Anreden, die sich aber auf den Titel verlagert haben. "Das Deutsche hat im Vergleich zu anderen Sprachen ein sehr schwankendes, unsicheres System der Anrede", räumt Besch dennoch ein.

Wer bietet wem das "Du" an?

Besch plädiert daher für einen Kompromiss aus "Du" und "Sie" - wie bei SAP. "Die Kombination aus Vorname und Sie drückt zwar Vertrautheit aus, wahrt aber immer noch höfliche Distanz", betont der Experte auf monster.de. Und wenn es zum "Du" kommen soll? Wichtig ist, dass ein Unternehmen klare Regeln vorgibt. "Der Vorgesetzte offeriert es dem Mitarbeiter, unter gleichberechtigten Kollegen ist es derjenige, der am längsten in der Firma arbeitet", erläutert Besch. Ein wichtiger Tipp: Das vom Chef angebotene "Du" sollte auf keinen Fall abgelehnt werden, denn der könnte das Affront verstehen - und nachhaltig verstimmt sein.

Vorsicht beim "Schnaps-Du"

Vorsicht auch vor einer Falle, in die viele tappen: Auf einer feucht-fröhlichen Betriebsfeier zum "Du" zu wechseln, kann problematisch werden. Soll dann der Azubi die legere Anrede gegenüber dem Chef beibehalten und der neue Mitarbeiter den altgedienten Kollegen weiterhin duzen? "Das 'Schnaps-Du' ist die heikelste Situation, aber sie kommt vor", so Besch gegenüber dem Karriereportal. In der Situation ist es besser, das förmliche "Sie" zu verwenden. "Wer auf ein solches 'Du' beharrt, wirkt höchst peinlich", warnt der Fachautor.


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Quelle: t-online.de/business
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