07.08.2009, 14:32 Uhr | dpa-AFX
Die deutschen Exporte haben die Talsohle hinter sich gelassen.l (Foto: Imago)
Die deutschen Exporte sind im Juni so stark geklettert wie seit drei Jahren nicht mehr. Wegen der weltweit auslaufenden Rezession stiegen die Ausfuhren im Vergleich zum Vormonat Mai überraschend kräftig um saisonbereinigt sieben Prozent, berichtete das Statistische Bundesamt in Wiesbaden. Im ersten Halbjahr verkauften deutsche Unternehmen zwar fast ein Viertel weniger Waren ins Ausland als ein Jahr zuvor. Die Nachfrage nach Waren "Made in Germany" zog zuletzt aber deutlich an.
Die Aussichten sind gut, weil die exportorientierte Industrie zuletzt wieder mehr Aufträge erhalten hat. Da sich der Export erholt, dürfte die Wirtschaft im zweiten Quartal wohl nur noch minimal geschrumpft sein. Die Exportkrise hat Deutschland allerdings um drei Jahre zurückgeworfen, die Ausfuhren liegen jetzt auf dem Niveau von 2005. Das Geschäft läuft bei weitem noch nicht so rund wie vor einem Jahr. Im ersten Halbjahr 2009 verkauften deutsche Unternehmen laut Statistik Waren für 392 Milliarden Euro ins Ausland - das waren 23,2 Prozent weniger als vor einem Jahr.
Auch im Juni betrug das Minus gegenüber dem Vorjahresmonat noch 22,3 Prozent. Die Importe lagen im ersten Halbjahr um 17,6 Prozent niedriger als vor einem Jahr. Doch die jüngste Entwicklung gibt aber Anlass zur Hoffnung. Solch ein großes Plus von 7,0 Prozent verglichen mit dem Vormonat hatte die Exportwirtschaft zuletzt im September 2006 erzielt.
Manche Experten sehen Deutschland bereits auf dem Weg zu alter Exportstärke. "Das Ende der Talsohle dürfte erreicht sein", erklärte der Präsident des Außenhandelsverbandes BGA, Anton Börner. Allerdings würden die Exporte im Gesamtjahr wohl um 18 Prozent niedriger liegen als 2008. Nach Einschätzung der Commerzbank hat die deutsche Wirtschaft, die auf den Export von Investitionsgütern spezialisiert ist, besonders unter der Finanzkrise gelitten und wird nun von dem Abklingen des Schocks auch besonders profitieren. Die Statistiker wollten noch nicht von einer Trendwende sprechen: "Da sollten wir erst einmal zwei bis drei Monate abwarten."
Der Einbruch zeigte sich auch beim Überschuss in der Außenhandelsbilanz - dem Saldo von Exporten und Importen. Dort halbierte sich im ersten Halbjahr der Überschuss nahezu von knapp 105 auf 57,8 Milliarden Euro. Wichtigster Abnehmer für Waren aus Deutschland sind nach wie vor die europäischen Nachbarländer. Im ersten Halbjahr brach die Nachfrage aus den EU-Ländern um fast 24 Prozent ein. Fast genauso stark gingen die Exporte in Länder außerhalb der EU zurück.
dpa-AFX
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