
05.05.2009, 13:33 Uhr | Helmut Reich, manager-magazin.de
Gespräche mit der Bank bringen Unternehmern nicht immer etwas. (Foto: Archiv)
Die Liste der Krisenopfer ist lang. Auch Mitglieder der manager-lounge spüren die Misere deutlich. Mehr als 40 Prozent erhalten derzeit überhaupt kein Kapital von Banken oder nur unter erschwerten Bedingungen. Eine Kreditklemme mit zum Teil drastischen Folgen - vor allem Mittelständlern droht die Insolvenz.
Die Milliarden der Bundesregierung kommen bei vielen krisengeplagten Unternehmen nicht an, manager-magazin.de berichtete. Auch die Mitglieder der manager-lounge und ihre Unternehmen spüren die Kreditklemme: Für 14 Prozent der Umfrageteilnehmer ist es derzeit nicht möglich, Kredite zu erhalten, weitere 27 Prozent leiden stark unter den Auflagen der Banken, die Verpflichtungserklärungen fordern und Verträge bei Nichteinhaltung von Kennziffern sofort kündigen können. Die "Financial Covenants" der Banken erleben also vor allem im Mittelstand ein Comeback.
Lediglich 30 Prozent der manager-lounge-Mitglieder erhalten laut Umfrage noch problemlos Kredite, für weitere 28 Prozent ist dies nur durch mehr Überzeugungsarbeit bei den Banken möglich. "Betätigen Sie sich als Unternehmer und gehen Sie zu Ihrer Bank, um einen Kontokorrentkredit oder eine Wachstumsfinanzierung zu bekommen, dann werden Sie die Kreditklemme hautnah spüren", berichtet Christoph Graf von Stillfried. "Wenn Sie nicht mindestens 30 Prozent Eigenkapital darstellen können und erstklassige, dingliche Sicherheiten mitbringen, die den Kredit absichern, können Sie sich den Bankbesuch sparen".
Auch der Vorteil einer persönlichen Hausbankbeziehung, die Kreditgespräche durch langjähriges, gegenseitiges Vertrauen und die Entscheidungskompetenz des Bankmitarbeiters enorm erleichtert hatte, sei laut Graf von Stillfried verschwunden: "Die 'Kaufleute' bei den Banken, die gegenüber ihren Vorständen auch ein Risiko zu vertreten hatten, gibt es nicht mehr. Ein Kredit hing auch an der Persönlichkeit des Unternehmers. Heute sitzen bei den Banken 'Kreditsachbearbeiter', die nicht selber entscheiden können - dieses kleinkarierte Niveau tut sich kein Unternehmer mehr an."
"Die Banken und Finanzinstitute geben die finanzpolitische Vorgabe - die Zinssenkungen der EZB - in keinster Weise an den Markt weiter. Es zeigt sich, dass unter den Banken weiterhin hohes Misstrauen herrscht und daher weder gegenseitig noch anderen Marktteilnehmern günstige Darlehen in Aussicht gestellt werden", so Ulrich Rohde von der Management Akademie München: "Bei unseren Kunden - vor allem im Mittelstand - bringt dies erhebliche Probleme auch im Bereich der Liquidität."
Rohde kennt die Probleme der Mittelständler: "Gerade in schlechten wirtschaftlichen Zeiten werden von großen Unternehmen die Zahlungsziele gegenüber Lieferanten oft mit neuen Verträgen verdoppelt bis verdreifacht. Das bedeutet für Lieferanten natürlich auch, dass deren Kosten noch länger vorfinanziert werden müssen - dies halten auch gesunde Unternehmen im Mittelstand auf Dauer nicht durch." Dazu komme noch die - für Krisenzeiten typische - allgemein schlechter werdende Zahlungsmoral, die neben ohnehin einseitig verlängerten Zahlungszielen ein Unternehmen trotz guter Auftragslage endgültig in die Insolvenz treiben könne - wenn die Kreditlinie ausgeschöpft sei.
"Doch leider sind an dieser Situation teilweise auch die Unternehmen selbst schuld. Häufig wurde es in den vergangenen guten Jahren versäumt, die Firmen bezüglich der Geschäftsprozesse in den Bereichen Finanzen, Innovationsfähigkeit und Strategie zukunftsorientiert zu gestalten - nun werden bei der Kreditvergabe genau diese Themen zu Stolpersteinen für die Unternehmen", sagt Rohde. Warum solle eine Bank Geld an ein Unternehmen verleihen, welches keine nachvollziehbare Zukunftsstrategie vorzuweisen habe?
Auch Wolfgang Griepentrog von World Values sieht die Unternehmen durch die globale Wirtschafts- und Vertrauenskrise unterschiedlich berührt. Die Zahl der direkt Betroffenen sei zweifellos hoch, doch viele Unternehmen spürten die Kreditklemme weniger als sie diese nach außen darstellen: "Vorhandene Budgets und Finanzressourcen werden aus Vorsicht oder wettbewerbsstrategischen Gründen zurückgehalten."
In der Kreditklemmen-Problematik sind für Griepentrog vor allem die Konsequenzen wichtig: "Führt eine Kreditklemme zum Sparen, zum Zurückfahren der eigenen Wachstumsstrategie, zur Drosselung des Internationalisierungstempos oder nutze ich den Konsolidierungseffekt bewusst, indem ich mich durch gezielte Investitionen heute für die Zeit nach der Krise rüste?" Beides komme vor und sei nicht nur abhängig von den finanziellen Ressourcen, sondern von der Haltung des Managements.
Der Unternehmensberater weiß, wie zwischen Handel und Lieferanten Kreditrisiken abgesichert werden können. "In der Metro Group, in der ich viele Jahre tätig war, gibt es eine Gesellschaft, die sich speziell um die 'Supply Chain Finance' kümmert. Diese schlägt eine Brücke zwischen Lieferanten und Händler und nimmt quasi die Rolle von Banken und Kreditversicherern ein, wobei sie Sicherheit in die 'Financial Supply Chain' bringt. Das nützt den Lieferanten, deren Bonität und Liquidität die Gesellschaft stärkt, es nützt aber auch dem Händler, der den Ausfall von Lieferanten zum Beispiel durch Insolvenz vermeiden kann."
"In dieser Kooperation sind die Lieferanten nicht mehr direkt auf die Kreditvergabe von Banken angewiesen. Ein Modell, das gerade in Zeiten der Kreditklemme interessant ist. Es gibt übrigens auch private Anbieter, die diese Supply-Chain-Finanzierung übernehmen und damit die Kreditklemme umgehen." Für Griepentrog eine Win-Win-Situation: "Natürlich liegt es an den Unternehmen, über ihr operatives Kerngeschäft hinaus solche Strukturen zu entwickeln. Das bedeutet Zukunftsfähigkeit."
Auch aus Übersee berichten Mitglieder der manager-lounge von der Kreditklemme. Für Christoph Jan Sepp von dem kanadischen Unternehmen Imperial Parking - mit 40 Standorten in Nordamerika - ist aber nur das Geschäft in den USA betroffen: "Investitionskredite sind hier nur zu unattraktiven Konditionen verfügbar - wenn überhaupt. Dies hat zur Folge, dass wir unsere Investitionen primär über Kanada finanzieren." Die kanadische Bankenlandschaft sei eher konservativ und orientiere sich in Bezug auf Risikogeschäfte nicht so sehr an den USA. "Subprime Mortgages gibt es daher in Kanada nicht", berichtet Sepp.
Helmut Reich, manager-magazin.de
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