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Management: Theorien unter der Lupe - Von Tieren für die Karriere lernen

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Tierische Manager-Vorbilder

22.01.2010, 11:12 Uhr | FTD, Sabine Meinert 

Manager können sich so manche Erfolgsstrategie aus dem Tierreich abschauen.  (Foto: Imago)

Manager können sich so manche Erfolgsstrategie aus dem Tierreich abschauen. (Foto: Imago)

Kühe, Affen oder Elefanten müssen nicht nur in der Werbung herhalten, um menschliche Verhaltensweisen zu verdeutlichen. Auch manche Managementmethode greift auf animalische Vorbilder zurück. Eine kleine Rundreise durch die Tierwelt.

Vom Mäuschen bis zum Tiger

Zahlreiche "Tschaka-Trainer", die Berufseinsteigern weismachen wollen, sie müssten sich für eine strahlende Karriere vom Mäuschen zum Tiger entwickeln, machen es vor: Die besten Beispiele für gutes Management findet man in heimischer und exotischer Fauna. Manche Spezies schaffte es mit ihren Eigenheiten sogar zum Namensgeber einer Managementlehre. Was die gefiederten, gehörnten oder schuppigen Helfer Führungskräften verdeutlichen sollen, ist allerdings sehr unterschiedlich.

Tiere als Problemlöser

Pinguinprinzip, Delphinmodell, Fischkonzept - welches Problem auch immer in einem Unternehmen gelöst werden muss, es gibt "tierische" Hilfe. Kein Wunder, hat doch der Mensch im Verlauf der Evolution so manche Verhaltensweise nicht ablegen können. Andere dagegen hat er vergessen und muss sie wieder erlernen.

Im Team gewinnen wie die Delfine

So hilft beispielsweise die Delfinstrategie bei der Teamentwicklung. Delfine bewegen sich sehr gern in Gruppen, jagen und spielen gemeinsam. Sie achten dabei auf Stärken und Schwächen des anderen. Wenn sie ihr Ziel nicht erreichen, ändern sie Verhaltensweise und Strategie. Sie passen sich den Gegebenheiten an und lernen aus Fehlern.

Managementmethode abgeleitet

Die beiden Coachs Dudley Lynch und Paul Kordis leiteten daraus eine Managementmethode ab, die auf emotionale Intelligenz, flexibles Arbeiten und Kooperation fokussiert. Sie wird herangezogen, um Arbeitsgruppen und Teams in ihrem Zusammenhalt zu stärken und den Umgang mit Veränderungen zu erleichtern. Sie preist die Vernetzung unter Kollegen an und setzt auf Individualität ebenso wie auf Gemeinschaft.

Reagieren nach dem Pinguinprinzip

Das Pinguinprinzip beruht dagegen auf der Erfahrung, dass es stets Veränderungen gibt, auf die reagiert werden muss. Das Festhalten an Althergebrachtem und Bewährtem kann kurzfristig stabilisieren, ist jedoch auf Dauer keine Lösung, so das Leitmotiv. Diese Methode plädiert dafür, auch ungewöhnliche Wege auszuprobieren, um schwierige Situationen zu bewältigen.

Gemeinsame Suche nach dem neuen Eisberg

Um die Intentionen zu verdeutlichen, erfanden die Pinguin-Väter John Kotter und Holger Rathgeber eine Geschichte: Pinguin Fred will wissen, warum der heimische Eisberg schmilzt. Er informiert die anderen Pinguine, die das Problem jedoch noch nicht erkennen oder unterschätzen. Fred sucht sich Verbündete und übernimmt Verantwortung. Er sammelt Fakten und überzeugt die Pinguin-Gemeinde, gemeinsam suchen alle einen neuen Eisberg.

Strategie von Mäusen abgeschaut

Die Mäusestrategie geht sogar noch weiter. Sie macht deutlich: Veränderungen sind nicht schicksalsgegeben, man kann sie gestalten. Das "Wie" ist allerdings abhängig von der Einstellung. Jeder muss deshalb bereit sein, seine vorgefasste Meinung und bisherige Verhaltensmuster zu ändern.

Veränderung selbst anstoßen

Die Suche nach der richtigen Reaktion auf Veränderungen, Motivation und Flexibilität stehen im Mittelpunkt des Modells von Managementexperte Spencer Johnson - plastisch gemacht am Bild von Mäusen, denen der Käse weggenommen wird. Für die Nager ist es nötig, etwas zu unternehmen, um nicht zu verhungern. Auch im Berufsleben zählt Eigenverantwortung zu den wichtigsten Skills, so Johnson. Mit seinem Konzept will er verdeutlichen: Lieber selbst aktiv werden, als das Opfer von Veränderungen werden.

Vom Fisch Spaß am Job lernen

Auch das Fish-Konzept zielt auf Motivation und Einstellung. Es geht der Frage nach, was man tun kann, um nach Phasen zunehmender Demotivation und sinkender Leistung wieder Spaß am Job zu bekommen. Wie kann der Einzelne sein Berufsleben so gestalten, dass jeder Arbeitstag eine Freude wird? Gefragt sind Offenheit, Anpassungsfähigkeit sowie Konzentration auf das augenblickliche Tun und das jeweilige Gegenüber, lehren die drei Autoren Stephen C. Lundin, Harry Paul und John Christensen.

Die Faszination der Fischverkäufer

Für die Story hinter der Philosophie ließen sie sich auf dem Fischmarkt von Seattle inspirieren: Fische - gerade tote Fische - sind kalt und glitschig, manchmal riechen sie auch. Eigentlich ist das ein unangenehmes Arbeitsumfeld für Fischverkäufer. Doch die scheinen immer fröhlich, kreativ und mit dem Herzen dabei. Sie faszinieren ihr Gegenüber durch Offenheit und Humor, durch motiviertes Handeln und Energie. Denn: Sie haben ihre Gestaltungsmöglichkeiten genutzt und an ihrer Einstellung gefeilt. Täglich kalte, schleimige Fische schrecken sie daher nicht mehr.

Blick in Tierwelt öffnet "psychologische Tür"

Reinhard Krüger, Kooperationspartner des Beratungsunternehmens Machwürth Team International, sieht in den Tier-Theorien wichtige Instrumente für das Change Management: "Metaphern sind die älteste Form, in den Köpfen der Menschen Bilder zu erzeugen und Reflexionen auszulösen. Schon in der Bibel wird mancher Rat, manche Erwartung in Gleichnissen dargestellt. Durch den Blick in die Tierwelt wird eine 'psychologische Tür' geöffnet, die es ermöglicht, sich einer schwierigen Situation zu stellen, über Probleme zu reden und Lösungen zu suchen." Über diesen Weg lasse sich auch Kritik besser annehmen. "Die Menschen reagieren konstruktiver. Gewissermaßen hält uns der Trick mit dem tierischen Vergleich ein passendes Kleidungsstück hin, in das wir bereitwillig schlüpfen, um ein Problem zu bewältigen."

Jeder Mensch ist auch Täter

Krüger selbst setzt in seinen Beratungsprojekten gern auf das Fish-Konzept. "Es zeigt, dass jeder entscheidend zum eigenen Umfeld und zur aktuellen Situation beiträgt - im Positiven wie im Negativen. Man ist eben nicht nur Opfer, sondern auch Täter. Und als solcher kann man auch Veränderungen auslösen".

Nur stimmige Theorien wirken

Machwürth Team International ist ein Beratungsspezialist für die Begleitung von Veränderungsprozessen und nutzt deshalb auch andere Konzepte. Mit Blick auf die Tiertheorien warnt Krüger daher: "Sie entwickeln ihre Wirkung nur dann, wenn sie zu den unterschiedlichen Kontexten und Situationen stimmig und passend sind, wenn sie als Analogien Reflexionsprozesse auslösen und zukunftsfähige Lösungen unterstützen."

Irreführende Gleichsetzung

Darauf verweisen auch Kritiker. Selbst wenn manche Theorie durch eigene Erfahrungen bestätigt wird - was ist gesichert? Viele Wissenschaftler meinen, Hund, Katze, Maus oder ähnliches Getier hätten in Managementtheorien nichts zu suchen. Denn bei allen Ähnlichkeiten: Nicht jedes "tierische" Managementkonzept beruht auf seriöser Verhaltensforschung oder Managementanalysen. Häufig wird scheinbar gleiches Verhalten von Tier und Mensch geradezu irreführend gleichgesetzt, warnen Experten. Tiere seien immerhin weitgehend instinktgetrieben.

Tierische Vorbilder, um Managern Schwächen vorzuhalten

Das trifft auf viele Manager auch zu, wenden dagegen Unternehmensberater ein. Und bleiben deshalb gern bei tierischen Vorbildern, um Führungskräften ihre Schwächen vorzuführen. Als Stichworte seien hier nur häufig bemühte Alphatier-Vergleiche mit Löwen, Leitwölfen oder Platzhirschen genannt. Als Ideengeber taugen Tiere mit ihren sehr typischen Eigenarten allemal, so die einhellige Meinung.

"Management by Nilpferd"

Mancher Personal Coach nutzt die Tiere sogar humoristisch. So tauchen im Internet immer mal wieder Typisierungen von Führungskräften wie "Management by Nilpferd" - Auftauchen, Maul aufreißen, wieder untertauchen! - oder "Management by Kangaroo" - Mit leerem Beutel große Sprünge machen! - auf. Mit markigen Sprüchen wird dabei den Führungskräften tierisch der Spiegel vorgehalten.

Parallelen finden Eingang in Forschung

Die Parallelen zwischen Arbeitswelt und der Natur finden jedoch auch ernsthaft Eingang in die Forschung: Der österreichische Taucher und Haiforscher Hans Hass leitete aus seinen Unterwasser-Erkenntnissen Management-Grundsätze ab wie: Willst Du Gewinn, dann denke an den Vorteil anderer. Oder: Sei der bestmögliche Schlüssel für das richtige Schloss.

Wissenschaft untersucht Ähnlichenkeiten

Die Wissenschaftler der Universität Oxford und der Northwestern University forschen derzeit an Ähnlichkeiten zwischen Natur und Unternehmen bezogen auf Kooperationsmuster. Sie stellten fest, dass die Symbiose von Pflanzen mit den sie bestäubenden Insekten ebenso funktioniert wie die zwischen Produzenten und Auftraggebern. Mit Simulationsmodellen können sie nicht nur Netzwerke der Bekleidungsbranche, sondern auch komplexe Wettbewerbsmechanismen erklären. Und sowohl in der Natur als auch in einer Firma spielen Hierarchieaufbau, wechselseitige Ergänzung und Umweltfaktoren eine entscheidende Rolle, so ihr Fazit.

Tierische Coachings

Wirklich tierisch wird es derzeit häufig in Coachings. Zahlreiche neue Angebote zum Thema Führungsstärke ziehen inzwischen Tiere als Helfer hinzu. Manager sollen mit ihnen lernen, wie man klar kommuniziert und führt, ohne die Gemeinsamkeit zu ruinieren. Denn, so die Experten, Tiere reagieren unmittelbar und sehr eindeutig.

Tiere erkennen gute Führung

Wo keine adäquate Kommunikation erfolgt, pariert kein Pferd und folgt kein Hund - egal, ob ein Bettler, ein CEO oder der König von China vor ihnen steht. Tiere, so Managementtrainer, erkennen gute Führungspersonen. Allerdings verzeihen sie auch keine Nachlässigkeiten oder Fehler. Und Druck lehnen sie ab. Gerade in letzterem sind sie Kollegen und Mitarbeitern in einem Unternehmen sehr ähnlich, so eine der Lehren für Führungskräfte.

Schweinehund-Modell

Reinhard Krüger von Machwürth verweist zusätzlich auf das Schweinehund-Modell: "Den inneren Schweinhund kennt, glaube ich, jeder. Der taucht immer dann auf, wenn man trotz innerer Überzeugung und fester Vorsätze, seine Verhaltensweisen ändern zu wollen, doch wieder der Bequemlichkeit und der Gewohnheit frönt. Damit verbleibt man in seiner Komfortzone - und nichts ändert sich." Es gelte daher, Prozesse so zu gestalten, dass der Schweinehund bei allen Beteiligten nicht zu sehr sein Unwesen treibe, zumindest aber durch geeignete Instrumente erkannt werde. Frei nach dem Motto 'Gefahr erkannt, Gefahr gebannt'." Und dann kann es auch tierisch vorwärts gehen.

FTD, Sabine Meinert   

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