15.03.2010, 12:48 Uhr | t-online.de/business
Diese "stummen Verkäufer" haben die STI-Experten für Nivea entworfen. (Foto: STI)
Wissen Sie, was "stumme Verkäufer" sind? Nein? Aber ohne sie kommt kein Geschäft aus - jene bunten Verkaufsständer und Pappfiguren mit Produkten, die den Kunden zuzurufen scheinen "Greif zu und kauf mich!". Die Idee, Waren aller Art ohne großen technischen Aufwand verführerisch zu präsentieren, hat sich ein cleverer Hesse in den USA abgeschaut. Und damit in seiner Firma die Weichen für den Sprung vom Handwerksbetrieb zum europäischen Marktführer STI für Pappaufsteller gestellt.
In diesem Jahr feiern die "stummen Verkäufer" - im Fachjargon Displays genannt - ihren 50. Geburtstag. Ohne die farbenfrohen Hingucker würden Supermärkte "nackt und steril" wirken, erklärte STI-Geschäftsführer Tom Giessler gegenüber dem Hessischen Rundfunk. Auch wenn den Mittelständler außerhalb der Branche kaum jemand kennt: "Es gibt keine Branche, in der wir nicht präsent sind", sagt Firmensprecherin Claudia Rivinius im Gespräch mit t-online.de/business. Und kaum ein Markenunternehmen, das nicht zur Kundschaft zähle. Die technisch und optisch immer anspruchsvolleren Verkaufsständer, die STI für Kunden wie Unilever und Procter & Gamble entwickelt, haben die Hessen zum europäischen Spezialisten ihres Fachs gemacht.
Die Erfolgsgeschichte der mittelständischen STI Gruppe mit Sitz in Lauterbach begann mit Gustav Emil Stabernack, der seine Unternehmerkarriere 1879 mit einer Buchbinderei in Offenbach startete. Um die Jahrhundertwende stellte Stabernack die Produktion auf "Cartonnagen" um und fertigte als erster in Deutschland Faltkartons in Serie für die hessischen Schuhmacher, Leder- und Metallwarenfabrikanten an.
Mit einer Maschine, die eine einseitige Wellpappe mit einer feinen Außenhaut aus bedrucktem Karton überzieht, revolutionierte Stabernack in den 50er-Jahren den Markt. Erste Kartonagen wurden ins Ausland verkauft. Es war schließlich der Enkel des Gründers, Wilhelm Stabernack, der die Idee der "stummen Verkäufer" von einer USA-Reise mitbrachte: Pappaufsteller zur Präsentation von Markenwaren aller Art vom Keks bis zum Rasendünger, die bunt und auffällig zum Kauf verführen sollen.
Inzwischen ist das Unternehmen seit vier Generationen in Familienhand, Inhaberin Kristina Stabernack ist die Urenkelin des Firmengründers. Sie übernahm die Firma 1998, nachdem ihr Vater schwer erkrankt war. Das operative Geschäft hat die studierte Betriebswirtschafterin und promovierte Medizinerin in die Hände der jetzigen Geschäftsführer Frank Ohle und Tom Giessler gelegt.
Um seine Position am Markt musste allerdings auch STI zeitweise kämpfen. Mitte der 2000er-Jahre stagnierte das Geschäft. Um die Situation zu meistern, zogen Unternehmensführung und Mitarbeiter an einem Strang: Die Belegschaft akzeptierte eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit von 35 auf 40 Stunden ohne Lohnausgleich, im Gegenzug sprach STI den damals 1500 Angestellten eine Beschäftigungsgarantie bis Ende 2007 aus, berichtete welt.de.
Die Rechnung ging auf, der Stillstand ist überwunden: Insgesamt tragen heute knapp 2000 Mitarbeiter an acht Produktionsstätten zum Firmenerfolg bei, eine jeweils in Tschechien und Ungarn. Das ehrgeizige Ziel für 2010: stattliche 300 Millionen Jahresumsatz. Damit das klappt, kümmern sich etwa 100 Produktdesigner und -entwickler darum, sämtliche Kundenwünsche zu erfüllen - mit immer neuen Ideen. Das Unternehmen investiert drei Prozent im Jahr in die Entwicklung neuer Verpackungskreationen und richtet sich dabei genau nach den Bedürfnissen der Kundschaft.
Um auf dem Markt zu bestehen, müsse STI "als Marke auffallen", betonte Tom Giessler dem Hessischen Rundfunk. So viel Engagement zahlt sich aus: 2007 gab es den iF Design Award in Gold für ein Waschpulver mit Kindersicherung. Vertreten ist STI außerdem unter den 100 innovativsten Mittelstandsunternehmen und den "Marken des Jahrhunderts". 2006 war Kristina Stabernack zudem für die "Goldene Falte" nominiert, ein Ehrenpreis des Büros gegen Altersdiskriminierung für Projekte, Aktivitäten oder Werbungen, die ein klischeefreies Altersbild unterstützen. Der Hintergrund war eine Verschlusstechnologie, bei der die Bedürfnisse der älteren Generation berücksichtigt wurden.
Sich auf den Lorbeeren ausruhen - danach sieht es bei STI aber nicht aus: Zum Jahreswechsel 2008 startete STI ein Joint Venture mit der Ritzi GmbH, um der steigenden Nachfrage nach Langzeitdisplays und Shop-in-Shop-Systemen nachzukommen. Darüber hinaus ist das Unternehmen dabei, sich als Dienstleister zu etablieren. Der Service reicht von der Konzeption und grafischen Gestaltung bis hin zum Aufstellen, Packen und Nachbestücken der Displays in den Läden.
Heute mischt STI auch auf dem Weltmarkt mit - durch eine Partnerschaft mit dem amerikanischen Display- und Verpackungsspezialisten Alliance sowie dem Moskauer Displayexperten Vitrina A. Im August letzten Jahres übernahm STI außerdem die Lilyfield Group im australischen Sydney mit Schwerpunkt Druckdienstleistungen und Werbeverpackungen, um internationale Kundschaft quasi vor Ort mit maßgeschneiderten Displays beliefern zu können.
t-online.de/business
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