
aktualisiert am 19.02.2010, 14:08 Uhr | Financial Times Deutschland, Sebastian Theopold
Deutsche Mittelständler setzen sich auch international durch. (Foto: Archiv)
Eine Studie belegt: Viele Mittelständler trotzen der Krise und sichern sich weltweit die Marktführerschaft in ihren Branchen. Alle verfolgen ähnliche Managementmodelle.
Noch zu Beginn des letzten Jahres entwarfen manche Experten apokalyptischen Szenarien: Das Modell deutscher Mittelstand sei tot. Die Vorhersagen trafen nicht nur nicht ein - vielen Mittelständlern, insbesondere mittelgroßen Betrieben, geht es erstaunlich gut. Das belegt eine Untersuchung der Munich Strategy Group unter mehr als 1200 Mittelständlern über einen Zeitraum von vier Jahren. Darin wurden die 150 Unternehmen in Deutschland identifiziert, die am profitabelsten wirtschaften und am schnellsten wachsen.
Sebastian Theopold (Foto: Munich Strategy Group)
Dazu gehören etwa die in der Pfalz ansässige Mobotix AG, weltweit führender Systemanbieter von digitalen hochauflösenden netzwerkbasierten Video-Sicherheitssystemen. Mit einem durchschnittlichen Umsatzwachstum in den vergangenen vier Jahren von rund 40 Prozent jährlich und einer Ertragsstärke von zuletzt 23,6 Prozent zählt das 200-Mitarbeiter-Unternehmen zur Spitzengruppe des Rankings. Fast Zwei Drittel seiner Umsätze erzielt Motobix bereits im Ausland.
Unter den IT-Unternehmen ragt die Stuttgarter Softwareschmiede RIB AG heraus. Mit innovativen Lösungen für das Bauwesen, den Anlagenbau und das Infrastrukturmanagement steigerten die Schwaben weltweit ihren Umsatz über mehrere Jahre um durchschnittlich rund 25 Prozent auf nun etwa 38 Millionen Euro, die durchschnittliche Rendite liegt bei 20 Prozent.
Aber auch Unternehmen aus klassischen Mittelstandssegmenten können überproportional wachsen, wie der Maschinenbauer Arku aus Karlsruhe. Das Familienunternehmen ist Marktführer in der Präzisions-Richttechnik für den Blechbereich. Zuletzt lag der Umsatz bei 40 Millionen Euro, was einem jährlich Zuwachs in den vergangenen drei Jahren von 30 Prozent entspricht.
Auffällig bei allen untersuchten Unternehmen sind Gemeinsamkeiten im Management-Modell. Nahezu alle von ihnen streben nach der Marktführerschaft, richten ihre Strategie auf Wachstum aus und versuchen weltweit Nischenprodukte anzubieten. In fünf Feldern unterscheiden sie sich von weniger starken Unternehmen deutlich.
Sie handeln nach einem klaren strategischen Plan, verfolgen ambitionierte Ziele und haben dabei ihre Wettbewerber, das Marktumfeld und die Zielkunden im Blick.
Sie schaffen international wettbewerbsfähige Unternehmensstrukturen.
Sie stehen zu ihren Mitarbeitern - auch in der Krise. 67 Prozent wollen an ihrem Personalbestand festhalten.
Kostentransparenz, eindeutige Verantwortungsbereiche und Risikomanagement sorgen dafür, dass trotz überproportionalem Wachstums die Kosten nicht explodieren.
Um zu einem echten Problemlöser zu werden, investieren die Top-Unternehmen durchschnittlich sechs Prozent ihrer Ausgaben in Forschung und Entwicklung. Und sie beziehen ihre Schlüsselkunden von Beginn an in die Weiterentwicklung mit ein.
Autor dieses Kommentars ist Sebastian Theopold, Gründer der Unternehmensberatung Munich Strategy Group.
Financial Times Deutschland, Sebastian Theopold
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