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Kaffee-StreitWie Melitta für die Würde der Filtertüte kämpftErschienen am 10. Dezember 2009 | Spiegel Online, Laura Himmelreich
Melitta & Co. - Die besten deutschen Erfindungen Foto-Show - Das sind echte Kultprodukte Foto-Show - Die Superbrands 2009/2010 Markenlexikon - Woher haben Marken ihre Namen? (A-D) E-L M-Z Rangliste - Die wertvollsten Marken 2009 Voll daneben - Die größten Markenflops Download - eBook Marke, Marke, Market-online.de Shop Kaffeemaschinen t-online.de Shop Kaffeevollautomaten t-online.de Shop Kaffeepadmaschinen t-online.de Shop Alles rund um das Thema Espresso und Kaffee
Spot wirbt für KaffeevollautomatenDie Comedy-Darstellerin Mirja Boes hält einen gebrauchten, tropfenden Kaffeefilter zwischen den Fingern. Sie verzieht angeekelt ihr Gesicht und lässt den Filter in den Mülleimer plumpsen. Umständlich sucht sie nach einer frischen Filtertüte. Dann ist auch noch das Kaffeepulver aus. Am Bildrand läuft ein "Lohnkostenzähler" mit. Die Botschaft des Werbespots ist klar: Mit Kaffeevollautomaten wären Sekretärinnen weniger genervt, der Chef könnte seine Arbeitskräfte schonen und würde so auch noch Geld sparen.Das ist der Spot, den Melitta beanstandet: 80-Seiten-Schreiben gegen 18-Sekunden-SpotGerade mal 18 Sekunden dauert der Werbespot des Automaten-Herstellers "Kaffee Partner" - aber fast 80 Seiten füllt das Schreiben mit dem der Filterproduzent Melitta gegen den Film angeht. Denn das Unternehmen sieht die Filtertüte durch den Spot "verunglimpft": Der Film reduziere die Zubereitung von Filterkaffee auf einen "ekelerregenden", "dreckigen", "langwierigen", "mühsamen" und "teuren" Vorgang, heißt es in dem Antrag. Gleich neun verschiedene Anwälte vertreten Melitta bei dem Verfahren. Sie sorgen sich um das Image des Filterkaffees - doch es geht auch um die Frage, was denn nun lustig ist.Download - eBook Was Marken erfolgreich macht Download - eBook Wie Werbung wirkt Melitta droht mit Geld- oder HaftstrafeKlar ist nur: Die Juristen verstehen bei dem Film keinen Spaß. "Abgesehen davon, dass der Spot nicht wirklich komisch ist", schreiben sie, "zieht er in pauschal-herabsetzender Weise Kaffeepapierfiltereinsätze und die betreffenden Maschinen 'durch den Kakao'." Melitta fordert den Automaten-Produzenten auf, den Film umgehend von der Website zu nehmen. Bei Zuwiderhandlung droht der Konzern mit einem Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro oder sechs Monate Ordnungshaft.Stopp per einstweiliger Verfügung"Wir sind nicht obrigkeitshörig. Wir lassen uns nicht von so einem großen Konzern einschüchtern", sagt Michael Wiese, Sprecher von Kaffee Partner. Allerdings erwirkte Melitta vor Gericht eine einstweilige Verfügung. Kaffee Partner musste den Film daraufhin von seiner Seite nehmen, allerdings kursiert das Video mittlerweile ohnehin im Internet. Jetzt legt der Mittelständler Widerspruch ein. Zwischen Filter-Marktführer Melitta (1,23 Milliarden Umsatz, 3.385 Mitarbeiter) und dem Mittelständler aus Wallenhorst bei Osnabrück (100 Millionen Euro Umsatz, 500 Beschäftigte) tobt der Kampf um Humor und Filtertüte."Uns geht es darum, unsere Marke zu schützen"Für Kaffee Partner ist der Spot eine Parodie. Außerdem seien die gezeigten Filter überhaupt nicht von Melitta, sondern von einem Discount-Händler, sagt Unternehmenssprecher Wiese. Annette Kahre von Melitta kontert: "Uns geht es darum, unsere Marke zu schützen." Immerhin habe sich das Unternehmen den Begriff "Filtertüten" sogar markenrechtlich schützen lassen.Ähnlicher Streit zwischen "taz" und "Bild"Tatsächlich ist die Debatte um die Grenzen von Humor nicht ganz neu: Die Zeitungen "taz" und "Bild" lieferten sich in den vergangenen Jahren einen ähnlichen Streit. Ein "taz"-Kinospot stellte einen "Bild"-Leser als einfach gestrickten Menschen in Jogginghose und Unterhemd dar. Das Oberlandesgericht Hamburg untersagte den Film als unzulässig herabsetzende Werbung, doch der Bundesgerichtshof hob das Urteil wieder auf: Das Boulevardblatt werde nicht herabgewürdigt und der Spot werde von der Meinungsfreiheit gedeckt.
Quelle: Spiegel Online, Laura Himmelreich |
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