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Mittelstands-Barometer: Krise erreicht Mittelständler

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Krise erreicht Mittelständler

30.01.2009, 9:02 Uhr | dpa / t-online.de/business

Der Mittelstand will die Krise meistern.  (Foto: Imago)

Der Mittelstand will die Krise meistern. (Foto: Imago)

Die weltweite Finanzkrise hat jetzt auch den deutschen Mittelstand erreicht. Zwar macht die große Mehrheit der Unternehmen noch immer gute Geschäfte, doch hat sich der Blick in die Zukunft deutlich verdüstert, wie eine Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young zeigt.

Unternehmen erwarten Konjunkturabschwung

Demnach geht mittlerweile jeder dritte Mittelständler von einer Verschlechterung seiner Wirtschaftslage aus, nur jeder sechste erwartet eine Verbesserung. Für die deutsche Wirtschaft insgesamt erwarten sogar 82 Prozent der Befragten einen Konjunkturabschwung, nur vier Prozent sind optimistisch. Deshalb setzen laut Ernst & Young-Studie viele Unternehmen den Rotstift bei Investitionen und Personalkosten an.

Firmen spüren direkte Folgen der Krise

Jedes vierte der 3000 für das "Mittelstands-Barometer" befragten Unternehmen will weniger als im Vorjahr investieren und seine Beschäftigtenzahl reduzieren, nur jedes sechste will im kommenden Halbjahr neue Mitarbeiter einstellen. So ist nach der Studie unterm Strich auch bei mittelständischen Unternehmen ein Beschäftigungsrückgang zu erwarten. Rund die Hälfte der Firmen konnte bereits direkte Auswirkungen der Krise auf das eigene Geschäft erkennen. Doch trotz eingetrübter Geschäftslage überwogen positive Beurteilungen noch immer deutlich: Vier von fünf Mittelständlern beurteilten ihre derzeitige Lage als gut.

Mehr Beschäftigung in Hamburg und Sachsen

Für die Studie befragte das Institut Valid Research aus Bielefeld im Dezember vergangenen Jahres Mittelständler aus allen Bundesländern. Besonders pessimistisch zeigten sich Unternehmen in Baden-Württemberg und Berlin. Optimistischer waren die Unternehmen in Hamburg und Sachsen - hier ist der Umfrage zufolge sogar ein Beschäftigungswachstum zu erwarten. Dagegen sei vor allem in Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ein deutlicher Rückgang zu erwarten.

Trügerische Hoffnung?

"Noch stemmt sich der deutsche Mittelstand gegen die Krise", so der Mittelstandsexperte von Ernst & Young, Peter Englisch. "Viele Unternehmen erwarten einen Konjunktureinbruch, hoffen aber, dass sie selber verschont bleiben - diese Hoffnung wird sich allerdings oft als trügerisch erweisen". Die deutsche Wirtschaft habe jedoch in den vergangenen Jahren deutlich an Wettbewerbsfähigkeit gewonnen und gehe daher gut gerüstet in den Abschwung, zeigt sich Englisch überzeugt. Viele mittelständische Unternehmen seien auch international hervorragend aufgestellt. "Wer allerdings schon vor der Krise Probleme hatte, wird Schwierigkeiten haben, die kommenden Monate zu überleben."

Absturz wie noch nie

Der aktuelle Abschwung treffe vor allem Unternehmen, die bislang als relativ resistent gegen die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise galten, stellt Englisch fest. Die Krise habe besonders große, international tätige Industrieunternehmen getroffen. "Viele Unternehmer berichten von einem Absturz, wie sie ihn noch nie erlebt hätten."

Krise drückt vor allem Inlandsgeschäft

Knapp 40 Prozent der Mittelständler sind auch im Ausland tätig, größere Unternehmen deutlich stärker als kleine. Die Finanzmarktkrise wirkte sich dabei nach der Studie in erster Linie auf das Inlandsgeschäft aus. Hier beobachtete jedes dritte Unternehmen einen Rückgang, im Auslandsgeschäft nur etwa jedes sechste. Wichtigster Auslandsmarkt blieb trotz deutlicher Einbrüche Westeuropa. Mittel- und Osteuropa spielten eine fast ebenso große Rolle.

Firmen fordert weniger Bürokratie

Klare Wünsche hatte der Mittelstand an die Politik. Mehr als 90 Prozent der Befragten forderten einen Bürokratieabbau und die Steigerung öffentlicher Investitionen. Einen stärkeren Schutz vor ausländischer Konkurrenz verlangten 78 Prozent, fast doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Mittelstandsexperte Englisch warnt vor Protektionismus, kaum jemand habe so von einem freien Warenverkehr profitiert wie Deutschland.

Kaum Probleme mit Finanzierung

Deutlich leiser wurden die Rufe nach Lockerungen im Kündigungsschutz. Über eine erschwerte Finanzierung klagte nur jedes siebte Unternehmen. Auch gab es weniger Probleme, freiwerdende Stellen zu besetzen.

Investitionen und Einstellungen verschoben

Nur 18 Prozent der Unternehmen hatten bereits besondere Maßnahmen eingeleitet, um auf die Krise zu reagieren. Die meisten von ihnen stellten Programme zur Kostensenkung auf die Beine. Auch wurden geplante Investitionen und Einstellungen zum Teil verschoben. 22 Prozent der Befragten planen derartige Schritte in den nächsten Monaten.

dpa / t-online.de/business  

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