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Der große Herausforderer unter den Browsern

Erschienen am 04. Dezember 2009 | Dirk Averesch, dpa
Der Browser Firefox gilt als härtester Konkurrent des Internet Explorers. (Foto: ddp)
Der Browser Firefox gilt als härtester Konkurrent des Internet Explorers. (Foto: ddp)
Wahlfreiheit bei Computer-Browsern war in den späten 90er Jahren kein Thema. Nachdem Microsofts Internet Explorer (IE) den Netscape Navigator verdrängt hatte und auf fast jedem Rechner vorinstalliert war, blieb Konkurrenten kaum noch eine Chance. Schließlich legte Netscape den Quellcode des Navigators offen. Daraus schuf eine emsige Entwickler-Gemeinde jenen Open-Source-Browser, der 2004 als Firefox das Licht des World Wide Web erblickte. Auch weil Microsoft sich mit einem inzwischen veralteten IE auf dem Erfolg ausgeruht hatte, eroberte der alternative Firefox die Herzen der Surfer - nicht im Sturm, aber Stück für Stück mit Funktionalität und guten Ideen.

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Firefox ist Markführer in Deutschland

Inzwischen ist die Software mit einem um die Weltkugel düsenden Fuchs als Logo Marktführer in Deutschland und hat den Browser-Wettbewerb auch international wieder anstoßen können. Gut 44 Prozent der Nutzer hierzulande setzen auf den jüngsten Firefox, haben die Marktforscher von Fittkau & Maaß ermittelt. Microsoft kommt mit seinen beiden aktuellsten IE-Versionen auf einen Nutzungsgrad von gut 37 Prozent in Deutschland.

Erste Gehversuche im Jahr 2002

Seine ersten Sporen sammelte der Browser, dessen Geschicke seit 2003 die gemeinnützige Mozilla Foundation lenkt, noch inkognito: Als Feuervogel Phoenix fand er 2002 nur den Weg auf ganz wenige Rechner. Nach einem kurzen Intermezzo als Firebird hoben die Mozillianer am 9. November 2004 die erste Firefox-Version 1.0 aus der Taufe. Gleich von Anfang an dabei waren Funktionen, die den IE alt aussehen ließen: Es gab nicht nur einen Pop-up-Blocker und dynamische Lesezeichen für Newsfeeds.

Eigene Add-ons sind möglich

Auch mit der praktischen Darstellung und Steuerung mehrerer Seiten in einem Programmfenster über Registerkarten (Tabs) sowie der Möglichkeit, kleine Erweiterungsprogramme (Add-ons) zu installieren, konnte der Firefox aufwarten. Mit einer universellen Programmiersprache für die Benutzeroberfläche machte es Mozilla Entwicklern leicht, eigene Add-ons zu programmieren. Ob Mausgesten- oder Screenshot-Tool, Werbebanner-Blocker oder Twitter-Integration: Abertausende Add-ons sind inzwischen verfügbar.

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Persönliche Einstellungen speichern

Mit der Erweiterung Weave Sync können Firefox-Nutzer auch ihre persönlichen Einstellungen - also Lesezeichen, Cookies, Passwörter, Seitenverläufe oder auch geöffnete Tabs - auf Mozilla-Servern speichern und mit Firefox-Browsern auf beliebigen Rechnern synchronisieren. Eine Verschlüsselung der transferierten Daten soll die notwendige Sicherheit garantieren. Wer "seinen" Firefox mit allen sensiblen Daten lieber auf einem USB-Stick mit sich herumträgt, kann auf eine Portable Application des Browsers zurückgreifen.

Firefox wird mobil mit Fennec

Im Zusammenspiel mit dem mobilen Bruder des Firefox, dem Fennec, soll die Weave-Erweiterung auch in Verbindung mit Smartphones nutzbar sein. Den Fennec mit Touchscreen-Unterstützung will Mozilla bis Ende des Jahres herausbringen. Zuerst für das Linux-basierte Maemo-Betriebssystem, später auch für Windows Mobile und Android.

"Ein verrücktes Unterfangen"

"Mit einer kleinen Non-Profit-Community gegen Microsoft anzutreten, war rückblickend betrachtet natürlich ein verrücktes Unterfangen", sagte der Europa-Präsident der Mozilla Foundation, Tristan Nitot, zum fünfjährigen Firefox-Jubiläum im November. Nun schätze sich die Stiftung glücklich, zwei Hauptziele schon erreicht zu haben: "Die Wahlmöglichkeit und Innovationen im Web zu fördern."

Neues Tool für individuelle Skins

Mit dem nächsten Firefox-Release 3.6 soll das Add-on Personas fester Bestandteil der Software werden. Mit diesem Tool können Nutzer ihren Browser Skins, also ein individuelles Aussehen verpassen. Die langweiligen einfarbigen Leisten verwandeln sich mit Personas in einen Herbstwald, in Kinofilm-Szenen, in abstrakte Muster oder auch in einen E-Gitarren-Korpus. 35.000 Skins stehen bereit. Kreative können ihrem Firefox aber auch selbst neue Kleider schneidern.

Öffentliches Brainstorming

Längst beschäftigt sich die Community mit der nächsten Firefox-Generation. Zum Brainstorming haben die Entwickler sogenannte Mock-ups, also Screenshots von Design-Attrappen für die Generation 4.0 ins Mozilla-Wiki gestellt. Dort wird beispielsweise über Buttons mit Mehrfachbelegung diskutiert, oder darüber, ob es sinnvoll wäre, die Tab-Zeile nach ganz oben in die Titel-Zeile zu verlegen.

Alternativen beim Tab-Konzept

Bereits im Sommer hatte Mozilla einen Wettbewerb gestartet, der nach Alternativen und Weiterentwicklungen des Tab-Konzepts sucht, weil bei mehr als acht geöffneten Tabs die angestrebte Übersichtlichkeit verloren geht. Ein Dutzend geöffneter Tabs und mehr sind heute bei vielen Nutzern schließlich keine Seltenheit mehr. Erste Abhilfe sollen hier Add-Ons wie Tree Style Tab schaffen, die die Tabs vertikal an der Seite des Browserfensters anordnen können.

Interessante Firefox-Ableger

Basierend auf dem Mozilla-Quelltext, der sogenannten Gecko Rendering Engine, gibt es noch ein knappes Dutzend Firefox-Derivate. Darunter ist beispielsweise Flock - zu Deutsch Herde. Er versteht sich mit eingebundenen sozialen Netzwerken und Blog-Werkzeug an Bord als "sozialer Browser". Der Mac-Browser Camino ist ein weiteres Spaltprodukt mit Firefox-Seele. Er bietet eine für das Betriebssystem OS X optimierte grafische Benutzeroberfläche. Mit dem abgespeckten Prism hat Mozilla eine Möglichkeit geschaffen, Webanwendungen die Anmutung lokaler Anwendungen zu geben - ganz ohne störende Browser-Bedienelemente.

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Quelle: Dirk Averesch, dpa
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