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Unterschätzte Werte mit Patent

Erschienen am 22. August 2008 | FTD/Nicola Schuldt-Baumgart
Patente lassen sich lukrativ verwerten.  (Foto: Imago)
Patente lassen sich lukrativ verwerten. (Foto: Imago)
Patente schützen Erfindungen, das ist bekannt. Weniger geläufig: Wenn man sie weitergibt, lassen sie sich zu Geld machen. Das könnte jedes dritte Unternehmen in Deutschland tun.






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Einnahmen durch Lizenzen

Als Karlheinz Brandenburg an dieser neuen Technologie herumtüftelte, hatte er nicht die geringste Ahnung, dass er gerade dabei war, einer gesamten Branche den Todesstoß zu versetzen. Die Musikindustrie hat sich bis heute nicht erholt von der Erfindung des MP3-Formats. Freuen kann sich hingegen Brandenburgs Arbeitgeber, die Fraunhofer-Gesellschaft: Sie hat die MP3-Technologie als Patent angemeldet und streicht nun jährlich Lizenzgebühren in Millionenhöhe ein. Über solche zusätzlichen Einnahmen würden sich alle Unternehmen mit attraktiven Patenten freuen. Doch nur wenige suchen aktiv nach Lizenznehmern, die von dem Patent - gegen Gebühr - profitieren können. Und verschenken damit Geld.

Chance für viele Firmen

Gleich drei Vorteile der Patentverwertung zählt Peter Köhler vom Finanzdienstleister Comprendium Structured Financing auf: "Liquiditätssteigerung, Hebung von stillen Reserven und eine geringere Kapitalbindung." Davon könnte laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) jedes dritte Unternehmen profitieren, denn mehr als 30 Prozent der deutschen Firmen halten mindestens ein Patent.

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Erfindungen verstauben

Das aber verstaubt meist in der Ablage oder kommt über den Status Prototyp nie hinaus. Die deutsche Wirtschaft sitzt damit auf nichtrealisierten Vermögenswerten von mindestens acht Milliarden Euro, errechneten die IW-Forscher. Warum machen die Firmen nicht mehr draus? Große Unternehmen verweisen auf die mangelnde Marktreife ihrer Patente, kleinere auf das mangelnde Kleingeld, um die eigenen Forschungen weiterzutreiben.

Kapital aus Patentverwertungsfonds

Das notwendige Kapital kann neuerdings aus einer unerwarteten Ecke kommen: Patentverwertungsfonds, die die Deutsche Bank und die Credit Suisse auflegen, helfen bei der Forschung. Häufig stellen die Fondsexperten fest, was noch fehlt, bis sich ein Patent gut vermarkten lässt - und bezahlen den Unternehmen den zusätzlichen Forschungsaufwand.

Erfinder profitieren doppelt

Die Experten in den Fonds untersuchen besonders Hightech-Gründer, Mittelständler und Hochschulen darauf, ob sie attraktive Patente im Portfolio haben. Sie greifen zu, wenn sie sehen, dass es für die Forschungsergebnisse einen Markt gibt. Davon profitieren die Fondsinvestoren ebenso wie die Erfinder, denn die bekommen nicht nur Geld, sondern auch Anteile der Erlöse aus dem Lizenzierungsgeschäft.

Versteigerung von Schutzrechten

"Daraus ergeben sich für die Unternehmen neue Wege der Technologiefinanzierung", sagt Stephan Lipfert von der IP Bewertungs AG. Die Kasse füllen lässt sich auch durch Patentauktionen, bei denen Schutzrechte versteigert werden. Als wegweisend gilt die erste europäische Patentauktion vom Mai 2007 in München. Unternehmen, Erfinder und Forschungsinstitute meldeten zu dieser Auktion insgesamt 411 Patente aus den Bereichen Informationstechnologie, Medizin, Verfahrenstechnik, Nanotechnologie, Automotive und Chemie an. Am Ende des Tages waren Patente im Wert von mehr als eine Millionen Euro versteigert.

Patente als Sicherheiten

Unternehmen müssen ihr geistiges Eigentum nicht einmal mehr verkaufen, um davon zu profitieren. Patente können mittlerweile auch als Sicherheiten für Leasingverträge eingesetzt werden. Dabei wird ein Patent an eine Leasinggesellschaft verkauft und anschließend zurücklizenziert, um es weiterhin nutzen zu können.

Patentleasing

"Das Leasing von Autos, Maschinen und IT ist heutzutage bereits eine Selbstverständlichkeit. Dass auch für Patente Leasingverträge abgeschlossen werden können, wissen viele Unternehmen hingegen noch nicht", sagt Comprendium-Experte Peter Köhler. Allerdings lohnt sich Patentleasing wegen der anfallenden Kosten erst ab einem Wert von etwa 500.000 Euro.

Bonität wird geschont

Die Bonität wird dadurch geschont, dass das Eigentum im Patentregister nicht umgeschrieben werden muss - von der Leasingfinanzierung braucht also niemand zu wissen. Überdies können nach den Bilanzregeln der internationalen IFRS-Vorschriften erstmals Kosten auch für eigene Patente aktiviert werden. Das lohnt sich nach Ansicht von Leasingexperte Köhler erst, wenn es um Millionenwerte geht: "Daher sind Saleand-Leaseback-Verfahren keinesfalls ein letzter Rettungsanker für in Not geratene Unternehmen, sondern vielmehr eine moderne Alternative der Unternehmensfinanzierung."

Wie viel ist eine Erfindung wert?

Wer Patente verkaufen oder lizenzieren will, steht vor einem grundsätzlichen Problem: Wie viel ist so ein Patent wert? Da klaffen die Meinungen von Unternehmen und Geldgebern oft weit auseinander. Michael Brandkamp hat es da noch vergleichsweise einfach. Dem Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds geht es nicht um den Wert, sondern um die schiere Existenz von Patenten.

Keine Garantie für Erfolg

"Aus Sicht der Investoren üben Patente eine wichtige Signalfunktion aus, weil sie die Beurteilung der Technologie erleichtern", sagt Brandkamp. Gerade im Life-Science- oder Biotechnologiebereich signalisierten sie, wie innovativ die Gründer sind. Die Sicherheit, ob ein Investment in ein Start-up von Erfolg gekrönt sein wird, könnten aber auch deren Patente nicht geben.

Marktwert kann niemand absehen

Welchen Marktwert Patente haben, kann niemand im Voraus absehen. Deshalb kommt der Handel mit den Patenten nur langsam in Schwung. Die möglichen "Effekte in der Breite" sucht Klaus Mark, Experte für das Thema Intellectual Property bei der KfW Bankengruppe, bisher vergeblich. Also greifen Unternehmen, Banken und Patenthändler auf Ersatzverfahren zurück.

Die Bewertungsmethoden

Alexander Wurzer, Geschäftsführer des Patentbewertungsinstituts Patev, arbeitet sich daran ab, dass "die Bewertungsmethoden transparent und nachvollziehbar sein sollten". Da das Patentamt über das Register keine rechtsverbindliche Auskunft über Eigentümer gibt, könnten Banken nicht einmal sicher sein, ob Unternehmen und Patent wirklich zusammengehören.

Einzigartigkeit gefährdet?

Wurzer ist nicht der Einzige, der sich in Sachen Patentbewertung Gedanken macht. Derzeit arbeitet eine Expertengruppe im Rahmen der Initiative Finanzstandort Deutschland an einheitlichen Standards. Kerstin Kiehl, als KfW-Mittelstandsexpertin ein Mitglied der Expertengruppe, sagt: "Bewertungen beruhen auf Vergleichen, Patente basieren aber auf der Einzigartigkeit einer Erfindung." Mit der Einzigartigkeit kann es schnell vorbei sein, wenn größere Konkurrenten davon Wind bekommen.

Langwierige Streitigkeiten

Und nachziehen, indem sie das bestehende Patent ignorieren. Karin Schütze, Gründerin von P.A.L.M. Microlaser Technologies, hat sich mit einem Konzern angelegt. Die gerichtliche Auseinandersetzung zog sich hin. "Patentstreitigkeiten sind oft langwierige Verfahren", sagt Schütze. Sie verlor Zeit, Geld - und Kunden. Nach fünf Jahren einigte sie sich mit ihrem Konkurrenten auf einen Vergleich.

Aus für kleine Unternehmen

Die meisten kleinen, noch jungen Unternehmen halten so eine lange Zeit nicht durch. Genau darauf, sagt Karin Schütze, würden die Konzerne setzen. Auch P.A.L.M. hielt nicht durch. Schütze musste ihr Unternehmen verkaufen an den Konzern Carl Zeiss, mit dem es eine jahrelang Vertriebspartnerschaft verbunden hatte. Der Konzern freute sich über die "ideale Ergänzung".

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Quelle: FTD/Nicola Schuldt-Baumgart
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