
15.09.2009, 13:14 Uhr | FTD, Elmar Jung
Das dänische Tourismusamt hat mit diesem Film geworben. (Foto: youtube.com)
Mit einem Video auf YouTube sucht eine Dänin nach dem Vater ihres Babys. Traurig? Nein, der Clip ist eine Werbung des Tourismusamts. Die Dänen sind peinlich berührt. "FTD.de" zeigt das Video.
Dänemark kann ein bisschen Werbung in eigener Sache gut gebrauchen. Im Dezember findet der Klimagipfel in Kopenhagen statt, und wenn die ganze Welt auf das kleine Land schaut, soll es gut dastehen. Das dachte sich jedenfalls die offizielle Tourismusbehörde Visit Denmark und versuchte, mit einem Video auf der Internetplattform Youtube Besucher anzulocken. Ein durchschlagender Publikumserfolg - der in einem PR-Desaster endete.
Visit Denmark ließ von der Werbeagentur Grey einen Clip produzieren, in dem eine hübsche, blonde Frau mit ihrem Baby August auf dem Arm nach dem Vater des Kindes sucht. Die Dame erzählt, der Wonneproppen sei während eines One-Night-Stands vor anderthalb Jahren in Dänemarks Hauptstadt entstanden. Der Erzeuger habe sich leider aus dem Staub gemacht, beklagt die junge Mutter, während August in ihren Armen brav an der Flasche nuckelt. "Ich kann mich nicht mehr an deinen Namen erinnern, aber wir hatten Sex", berichtet Karen. Sie wisse noch, dass die Zufallsbekanntschaft im Urlaub in Dänemark weilte, aber auch leider nicht mehr, aus welchem Land der Kurzzeitliebhaber eigentlich stamme. Vorwürfe, so stellt Karen klar, mache sie dem entschwundenen Vater nicht. Nur: "Wenn es dich dort draußen gibt, dann melde dich." August ist ja wirklich auch ein süßes Baby.
900 000 Internetnutzer klickten das Video an und viele nahmen Anteil am Schicksal von Karen und ihrem vaterlosen Baby. Voreilig, denn nur fünf Tage, nachdem das Video im Netz aufgetaucht war, fand die Zeitung "Ekstra Bladet" heraus, dass es sich dabei um eine Inszenierung von Visit Denmark handelt.
"Wir wollten Dänemark als freies Land zeigen, wo Frauen selbstständig sind und ihre eigene Wahl treffen", rechtfertigt Dorte Kiilerich, Geschäftsführerin von Visit Denmark, die zweifelhafte Marketingstrategie. Ein Land, das man gerne besuche. Mit dieser Meinung steht sie in Dänemark recht alleine da. Die Medien zumindest sind sich in ihrem Urteil einig: Das einzige Bild, das das Video vermittle, sei, dass man in Dänemark mit blonden Frauen schnellen Sex haben könne.
Denn die Dame in dem Video heißt im echten Leben nicht Karen, sondern Ditte Arnth Jörgensen. Eine gelernte Schauspielerin, die auch schon in anderen Werbefilmen zu sehen war. Als "unklug" bezeichnet denn auch Dänemarks Wirtschaftsministerin Lene Espersen den Spot, der unter anderem mit Steuergeldern bezahlt wurde. Visit Denmark wird vom Staat finanziell unterstützt.
Inzwischen hat die Tourismusbehörde das Video aus dem Netz genommen. Zu spät, schon zirkulieren Tausende Kopien im Internet. Darunter auch Parodien. So hat sich schon der Vater des kleinen August gemeldet. Mit einem Plüschtier auf dem Arm sucht ein angeblich schwedischer Singlevater nach der Mutter seines kleinen Kindes.
FTD, Elmar Jung
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