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Pfandhäuser: Der letzte Ausweg

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Der letzte Ausweg

10.09.2009, 10:50 Uhr | Spiegel-Online

Die Krise der anderen ist die Hochphase für Pfandleiher. (Foto: Imago)

Die Krise der anderen ist die Hochphase für Pfandleiher. (Foto: Imago)

Unternehmer verpfänden ihre Luxusautos, Mittelständler ihren Schmuck, Hartz-IV-Empfänger letzte Habseligkeiten: Die Finanzkrise beschert den Leihhäusern eine Hochkonjunktur, über eine Million Kunden versorgen sich dort mit Bargeld.

Er sieht sich mehrmals um

Zögernd betritt der gepflegt wirkende Mann im hellbraunen Anzug den grell ausgeleuchteten Laden. Das Geschäft ist gut besucht, er sieht sich mehrmals um. "Kommen Sie doch bitte hier hinein", ruft die junge Angestellte Michelle Jehn, die seine Unsicherheit bemerkt, winkt ihn in ein Nebenzimmer.

"Ich kann Ihnen nur 150 Euro geben"

Im sogenannten Diskretionsraum, vor neugierigen Blicken geschützt, legt Wolfgang Z. wortlos eine stählerne Uhr, Marke Festina, auf den Tresen, packt noch zwei glänzende Ringe dazu. "Das Goldgewicht ist leider nicht sehr hoch", bedauert die junge Frau nach kurzer Prüfung. "Ich kann Ihnen nur 150 Euro geben."

Alltag im Leihhaus

Wolfgang Z. guckt entsetzt. "Eigentlich hatte ich viel mehr erwartet", murmelt er, nickt dann aber resigniert. "Ist schon okay." Er steckt schnell das Geld ein und verlässt mit eiligen Schritten das Geschäft. Auf keinen Fall gesehen werden. Weg, bloß weg. Alltag im Leihhaus Exchange in der Frankfurter Kaiserstraße. Hier, im Schatten der nahe gelegenen Bankentürme, ist die Krise, die mit Fehlentscheidungen in den obersten Etagen solcher Türme begann, bei den Menschen unten angekommen.

"Der erste Gang kostet Überwindung"

Noch vor einem Jahr hätte ein Mann wie Wolfgang Z. ausgeschlossen, jemals ein Pfandhaus zu betreten. Der Vertriebsleiter im Außendienst, 47 Jahre alt, immer erfolgreich, kaufte ein Haus, legte sich einen Zweitwagen zu. Dass sich sein hohes Einkommen zu 50 Prozent aus Umsatzprovision errechnete - na und?

Was er jetzt noch verdient, reicht nicht

Inzwischen wird sein Sortiment, teure Software für Computersicherheit, immer seltener geordert, die Firmen sparen. Und Wolfgang Z. bangt nicht nur um seinen Arbeitsplatz. Was er jetzt noch verdient, reicht nicht, um Hypothekenzinsen, Lebensversicherung und den Unterhalt der Familie mit den drei Kindern zu bestreiten.

Ob das Auslösen klappt, ist mehr als fraglich

Dem Entschluss, alten Familienschmuck zu verpfänden, stimmte die Ehefrau nur nach seinem Schwur zu, zumindest die Ringe wieder auszulösen. Ob das wirklich klappt, ist mehr als fraglich. Das Bankkonto ist hoffnungslos überzogen, auf dem Schreibtisch zu Hause stapeln sich unbezahlte Rechnungen. Die 150 Euro aus dem Leihhaus werden für eine Tankfüllung und die Lebensmittel der nächsten Tage reichen. Und dann? Noch einmal hierher? Wolfgang Z. zuckt mit den Schultern. "Vielleicht."

"Mit jedem weiteren Besuch sinkt die Hemmschwelle"

"Der erste Gang zu uns kostet größte Überwindung", berichtet Exchange-Mitarbeiter Gerhard Bodensohn, "mit jedem weiteren Besuch sinkt die Hemmschwelle." Goldschmiedemeister Bodensohn, Mitte vierzig, graue Schläfen, dunkles Sakko, ist Fachmann für Edelmetall und für Menschen. Er erkennt schnell, ob Kunden mit echtem Schmuck ankommen oder mit Tand; ob es sich um Zocker handelt, die ihren nächsten Spielhallen-Trip finanzieren wollen, oder um in Not geratene Durchschnittsbürger, die keinen anderen Ausweg mehr wissen.

510 Millionen Euro verpfändet

Letztere werden immer mehr. Rund eine Million Deutsche trugen 2008 ihre Wertsachen ins Leihhaus. Sie verpfändeten Gegenstände im Wert von 510 Millionen Euro; für die rund 200 Pfandhäuser der Republik war es das erfolgreichste Jahr ihrer Geschichte.

"Viel mehr passt hier nicht mehr rein"

Und 2009 könnte noch besser werden. "Viel mehr passt hier nicht mehr rein", erklärt Bodensohn und zeigt auf zwei wuchtige Tresore im Ladeninnern, hinter deren 20 Zentimeter dicken Stahltüren Schmuck, Uhren und Münzen lagern, sorgsam verpackt, registriert und etikettiert. Vor ihm auf dem Tisch liegen ein überdimensionaler Gürtel aus reinem Gold, zweieinhalb Kilo schwer, und ein protziges Diadem, ebenfalls aus Gold. "Ist heute erst verpfändet worden", sagt Bodensohn.

Goldschmiedekunst zählt nicht, nur der Materialwert gilt

Goldschmiedekunst zählt nicht, als Beleihungsgrundlage gilt allein der Materialwert. Ausgezahlt werden nur etwa 25 Prozent des handelsüblichen Wiederverkaufswerts, für viele Kunden eine riesige Enttäuschung. "Mein Schmuck hier ist in mehreren Katalogen aufgeführt, sogar mit Fotos", beschwert sich eine ältere Adlige in Finanznot, die fein ziseliertes Geschmeide aus ihrer Handtasche kramt. "Das stammt noch aus dem Besitz des letzten russischen Zaren", behauptet sie - und kann kaum fassen, dass sie dafür nur ein Darlehen über 3000 Euro kriegt.

Gängige Vorwände für Antisemitismus

Das Gefühl mancher Kunden, übervorteilt zu werden, hat viel mit der Vergangenheit des Gewerbes zu tun. Geschichten über gierige Pfandleiher, die ihre Schuldner gnadenlos ruinieren, haben über Jahrhunderte das Bild geprägt. Und weil seit dem Mittelalter lange Zeit nur Juden solche Geschäfte ausüben durften, vom Handel und vom Handwerk ferngehalten wurden, lieferte das Metier auch gängige Vorwände für Antisemitismus. Shakespeare hat in seinem "Kaufmann von Venedig" eine literarische Vorlage für das Zerrbild vom blutsaugenden jüdischen Wucherer geliefert: Der alte Geldverleiher Shylock verlangt für ein Pfanddarlehen das Recht, dem Kaufmann Antonio, wenn das Geld nicht zurückgezahlt wird, ein Pfund Fleisch aus dem Leib zu schneiden.

"Wir haben kaum Spielraum"

Ein Rest des alten Ruchs hängt der Branche bis heute nach. "Zu uns zu kommen hat noch immer einen Hautgout", bedauert Goldschmied Bodensohn. Auch wenn es, wie in Deutschland, penible gesetzliche Bestimmungen gibt. "Wir haben kaum Spielraum", versichert Andreas Frühwirth, Leiter der Frankfurter Exchange-Filiale. Der studierte Soziologe zählt auf, an welche Vorschriften alle Leihhäuser gebunden sind: Die übliche Laufzeit beträgt drei Monate, Zinsen dürfen ein Prozent pro Monat nicht überschreiten, darüber hinaus fallen im Regelfall zweieinhalb Prozent Gebühren an. Die Kredite müssen auf Wunsch verlängert werden, die Pfänder dürfen nicht vor Ablauf von vier Monaten versteigert werden. Etwaige Überschüsse aus Versteigerungen stehen dem Eigentümer zu. Ist der unauffindbar oder tot, kassiert der Staat.

Verlustgeschäft droht

"Wir verdienen nur gut, wenn der Kram wieder ausgelöst wird", betont der Filialleiter. Bleibe die Firma auf dem Pfand sitzen, drohe dagegen ein Verlustgeschäft. Denn längst nicht immer decke der Versteigerungserlös die Darlehenssumme plus der entstandenen Kosten.

Anfangs haben 90 Prozent ihre Wertsachen wieder abgeholt

Noch zu Beginn der Wirtschaftskrise, berichtet Frühwirth, hätten 90 Prozent der Darlehensnehmer ihre Wertsachen wieder abgeholt - und meist auch kurzfristig. Inzwischen werde die Laufzeit häufig verlängert, gar verzweifelt versucht, das Einlösedatum weiter hinauszuzögern. Bei manchem, der prolongiere, beschleicht Frühwirth jetzt das Gefühl: "Der war zum letzten Mal hier. Den siehst du nie wieder."

Der Jungunternehmer, der keinen Kredit mehr bekommt

Dafür kommen nun neue Kunden. Der Jungunternehmer zum Beispiel, dem die Sparkasse trotz guter Geschäftsidee kein Geld leihen will; er wird von seinem Vater begleitet, der nach zehn Minuten Bedenkzeit einwilligt, seine Rolex-Uhr zu verpfänden. Die Lebensmittelverkäuferin, die vor ein paar Wochen entlassen worden ist, aus Rationalisierungsgründen. Weil sie ihre Raten nicht mehr bezahlen kann, fiel ihr die Kette wieder ein, die ihr vor 20 Jahren ein Verehrer schenkte - und die sie noch nie getragen hat. "Sie ist mehr wert, als ich dachte", sagt sie, "ich muss ihm viel bedeutet haben."

"Du wirst nicht dumm gefragt"

Und dann gibt es jene, die Geschmack gefunden haben an der unkomplizierten Kreditbeschaffung. Michael A. etwa, der mit Computern, Unterhaltungselektronik und Schmuck handelt. "Du wirst nicht dumm gefragt, musst kein Einkommen nachweisen, zeigst nur den Personalausweis und gibst den Plunder ab", schwärmt er, während er ein goldenes Armband zur Begutachtung vorlegt. "Wenig Zeitaufwand, no Rechenschaft, Bingo." Manchmal löst er sein Pfand schon nach drei, vier Tagen wieder ein, zahlt 10 oder 20 Euro an Zinsen und Gebühren, "billiger geht's nicht". Versuche dagegen, bei seiner Bank schnelles Geld zu kriegen, seien kläglich gescheitert. "Da hätte ich mich mit 20 Sachbearbeitern und 200 Formularen herumschlagen müssen, vergiss es."

Nur auf den ersten Blick günstig

Allerdings: Pfandkredite sind nur auf den ersten Blick günstig. Wird ein Darlehen mehrfach verlängert, kommt es teuer. Schon bei einer Laufzeit von einem halben Jahr summieren sich die Kosten auf 21 Prozent. "Viele unserer Kunden können schlecht rechnen, können ganz schlecht mit Geld umgehen", konstatiert Stephan Goebel, Besitzer eines Leihhauses im Berliner Stadtteil Wedding. In einer Krise wie jetzt, wo mit jedem Cent gerechnet werden müsse, sei das verheerend. Im Gegensatz zum Leihhaus Exchange akzeptiert Goebel neben Schmuck die unterschiedlichsten Pfänder. "Grundsätzlich alles, was man in die Hand nehmen kann", versichert der 46-Jährige, "deshalb der Begriff Faustpfand."

Pelzmäntel und seidene Unterwäsche

Sein Warenlager ähnelt auf den ersten Blick einem Fundbüro, in großen Regalen türmen sich Kisten und Kästen. Flachbildfernseher lagern neben filigranen Porzellanfiguren, gebrauchte Handys neben originalverpackten DVD-Playern, Besteckkästen neben übereinandergestapelten Computerspielen. In einer Ecke stehen verpfändete Mountainbikes. Der flugfähige Modellhubschrauber aus Leichtmetall, maßstabgerecht gebastelt von einem Tüftler, der plötzlich in Kalamitäten geraten ist, zählt zu den ungewöhnlichsten Pfändern. "Früher haben wir auch Pelzmäntel und seidene Unterwäsche genommen", erinnert sich Goebel, doch das sei längst vorbei. "Die Pfänder ändern sich, die finanzielle Not bleibt."

Überwachungskameras signalisieren Wachsamkeit

Auch deshalb existiert das "Leihhaus am Görlitzer Bahnhof", gelegen im tiefsten Kreuzberg, seit 134 Jahren. Wer die Treppe zum ersten Stock der ältesten Berliner Pfandleihe hinaufsteigt, wähnt sich auf einer Reise in die Vergangenheit: Eingangstür und Holzvertäfelung stammen noch aus den dreißiger Jahren, die Dielen knarren. Nur die moderne Überwachungskamera an der Decke signalisiert allgegenwärtige Wachsamkeit.

Höfliche Distanz

Der Chef hinter der gläsernen Trennwand, 65 Jahre alt, korrekt gekleidet und gescheitelt wie ein Buchhalter vom alten Schlag, führt den Laden in fünfter Generation. Klaus Grohmann, unterstützt von Ehefrau und Sohn, hält seine Kundschaft zwar meist auf höfliche Distanz. Doch ohne die klammen Kunden könnte er sein Geschäft dichtmachen. Und ohne die altmodische Pfandleihe ginge es manchem der kleinen Leute vom Kreuzberger Kiez noch dreckiger. Wer hierherkommt, gehört nicht zu den Gewinnern.

Tischler verpfändet seine Stichsäge

An diesem Dienstag herrscht Hochtrieb. Marco B., 27, klagt Kaugummi kauend über "uneingeplante Kosten". Heute verpfändet der Tischler auf Kurzarbeit seine Stichsäge, kassiert dafür 50 Euro. Seine Kreissäge liegt schon seit Monaten im Leihhaus. Für Gelegenheitsarbeiten, mit denen er sich sonst mal durchwurstelte, fehlt ihm jetzt das Werkzeug. Auch Didi R., Punkrocker in olivgrünen, zerschlissenen Militärklamotten, hat sein Arbeitsgerät dabei. 100 Euro bekommt er für seine elektrische Bassgitarre, auf das Instrument kann er in den nächsten Wochen leicht verzichten. Weil jetzt auch die Kneipenwirte sparen, fehlen Didis Band namens "Blitztraktor" die Engagements. Der Musiker lebt von Hartz IV, und den Alleinunterhalter auf der Straße, den will er bis auf weiteres nicht geben, "nee, so weit bin ich noch nicht".

Geld zum Kauf von Windeln und Lebensmitteln

Anja R., die mit ihrer einjährigen Tochter auf dem Arm aus Neukölln herübergekommen ist, bittet um weitere 50 Euro für ihren Computer, der schon seit Wochen für 200 Euro verpfändet ist. Sie braucht Geld zum Kauf von Windeln und Lebensmitteln, die Stütze ist aufgebraucht. Im Gegensatz zu anderen Leihhäusern, sagt sie, werde man hier "wirklich großzügig" behandelt. "Manchmal gibt man aus Mitleid schon mal fünf Euro mehr", bestätigt Pfandleiher Grohmann, "besonders, wenn man die Leute kennt."

Pfandleiher nehmen nicht alles

Andererseits, betont der Chef, könne er nicht alles nehmen. Grohmann zählt auf, wen er in den letzten Tagen wegschicken musste: die Hausfrau mit der Nudelmaschine. Den alten Handwerker mit dem Metallsuchgerät. Die beiden türkischen Jungs mit der Registriermaschine. Den Mann mit der riesigen aufblasbaren Gummihüpfburg.

"Er funktioniert wirklich einwandfrei"

Der junge Kerl, der kurz vor Feierabend seinen Laptop verpfänden will, das Gerät aber nicht in Gang bringt, wird immer wütender. "Er funktioniert wirklich einwandfrei", beteuert er, fummelt nervös auf der Tastatur herum, flucht. Als klar ist, dass sein Pfand nicht akzeptiert wird, dreht er durch. "Ihr Arschlöcher", zischt er auf der Treppe, ballt die Fäuste, zieht schimpfend ab. "Manche können mit einem Nein nicht umgehen", weiß der Pfandleiher, "da muss man ganz ruhig bleiben." Und manchmal tue ein Nein auch richtig weh - so wie bei Sarah S., der letzten Besucherin an diesem Dienstag.

"Das ist Technik von gestern"

Die alleinerziehende Mutter packt zwei ältere Fotoapparate, ein Kassetten-Diktiergerät und einen Walkman auf den Tresen, hofft auf einen guten Deal. Ihren Job als Erzieherin hat sie verloren, ihr geschiedener Ehemann zahlt keinen Unterhalt, das Pfandhaus ist ihr letzter Ausweg. Als Leihhauschef Grohmann den Kopf schüttelt, bricht sie in Tränen aus. "Ich habe keinen Cent mehr in der Tasche", schluchzt sie. "Das ist Technik von gestern", bedauert der Pfandleiher, "das kriegen wir im Ernstfall bei der Versteigerung nicht los."

Geld gibt es für nobles Blech

Die Fahrzeuge, die dicht an dicht in der Halle eines Wiesbadener Vororts stehen, sind von anderem Kaliber. "Wir haben hier nur Granaten stehen", versichert Andreas Betzelt, Mitinhaber der Firma Autopfand 24. Mit seinem Partner Jörg Echtermann betreibt er ein Leihhaus für Besserverdienende. Die durchschnittliche Darlehenshöhe beträgt 5000 Euro. Geld gibt es für Blech, vorzugsweise für nobles Blech der Marken Ferrari, Mercedes, Audi und BMW. Gegen Abgabe der Fahrzeugpapiere bekommen die Autobesitzer zwischen 30 und 40 Prozent des derzeitigen Wertes bar auf die Hand.

Stramme Konditionen

Allerdings zu strammen Konditionen: Neben den obligatorischen Zinsen von einem Prozent pro Monat berechnet die Firma dreieinhalb Prozent Gebühren und täglich 2,50 Euro Standmiete. Wer sein Auto nicht schnell wieder auslöst, zahlt einen Jahreszins von weit über 50 Prozent - für die Betreiber ein lukratives Geschäft. Die Chefs sind mächtig stolz auf ihre Idee, zählen gern auf, wer sein Fahrzeug bei Autopfand abgestellt hat: Stewardessen und Bauunternehmer, Anlageberater und Restaurantbesitzer, Immobilienmakler und Computerspezialisten. Neulich hat die Firma zusätzliche Räume anmieten müssen; in Zahlung genommen werden jetzt auch Oldtimer, Lastwagen und Boote.

"Wer zu uns kommt, steht mit dem Rücken zur Wand"

Über die Motive der Kunden macht sich Andreas Betzelt keine Illusionen. "Wer zu uns kommt, steht mit dem Rücken zur Wand", weiß er. "Dem gibt die Bank nix mehr, dem gibt der Schwiegervater nix mehr, dem gibt der beste Freund nix mehr."

"Auto weg, Geld weg, Erfahrung reicher"

Umso wichtiger, dass nur Wagen beliehen werden, die bei einer Versteigerung die Kosten decken. Doch Betzelt, der früher Gebrauchtwagen verkauft hat, bockt die Autos nicht mal hoch. "Ich gehe einmal drum herum, höre mir den Motor an, dann weiß ich Bescheid", sagt er. Erst einmal ist Betzelt so richtig reingefallen. Gerade hatte er für ein feudales Cabrio 25 000 Euro herausgerückt, da erschien die Kripo. Der Wagen war geklaut, der Kaufvertrag gefälscht, der Kunde auf und davon. Fazit: "Auto weg, Geld weg, Erfahrung reicher."

"Wenn's ein Pferd wär, würd ich es erschießen"

Kurz vor Feierabend fährt ein Wagen mit Heilbronner Kennzeichen und deutlichen Gebrauchsspuren vor, französisches Fabrikat. "Was geben Sie mir dafür?", fragt der Besitzer. Betzelt guckt erst das Auto an, dann den Besitzer, schüttelt den Kopf: "Wenn's ein Pferd wär, würd ich es erschießen."

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