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Plagiate: Messe-Jagd auf Designfälscher

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Messe-Jagd auf Designfälscher

19.01.2009, 9:43 Uhr | FTD, Kathrin Rezac

Adidas-Schuhe werden oft gefälscht. (Foto: dpa)

Adidas-Schuhe werden oft gefälscht. (Foto: dpa)

Eine "Original"-Markentasche für billiges Geld, "echte" Sportschuhe ganz günstig: Am Beginn der Herstellung von Plagiaten steht oft das Foto das Originals auf einer Messe in Europa. FTD.de zeigt, wie Hersteller und Messebetreiber das verhindern wollen.

Märkte werden mit Plagiaten überschwemmt

Auf der Schuhlasche prangt nicht der Name des bekannten Sportschuhherstellers aus Herzogenaurach, sondern - Abibas. Und damit ist klar: So verblüffend die Ähnlichkeit mit den Originalen ist, sie bleiben eine billige Kopie. Seit Jahren werden die Märkte mit Plagiaten von Markenprodukten überschwemmt. Von der gefälschten Nivea-Dose bis zu falschen Prada-Täschchen wird alles angeboten. Jährlich entsteht den Produzenten der Originale dadurch ein Schaden von rund 500 Milliarden Euro.

Auf de Suche nach heimlichen Fotografen

Bei der Verbreitung gefälschter Produkte spielen Messen eine zentrale Rolle, denn hier versuchen gewiefte Fotografen, Aufnahmen von Neuheiten zu machen um diese gewinnbringend an Fälscher zu verkaufen. Zwar ist Fotografieren auf den meisten Messen verboten, dennoch gelingt es ihnen immer wieder, die sogenannten Foto-Sheriffs auszutricksen. Seit zwei Jahren beauftragt der Messeveranstalter Igedo in Düsseldorf solche Aufpasser, die Produktpiraten daran hindern sollen, auf den Messen heimlich Fotos zu schießen.

Asiaten fälschen gerne Italiener

"Es sind überwiegend asiatische Fotografen die insbesondere bei den Italienern fotografieren, weil die in Punkto Schuhen doch sehr weit vorne sind", sagt Dirk von der Gathen, Foto-Sheriff auf der Global Shoes in Düsseldorf. Fotografieren darf nur, wer einen offiziellen Presseausweis hat und auch dann nur von der Pressetribüne aus. Zudem werden die Aussteller vorab in drei Schritten über Rechte und Markenschutz informiert, danach liege es in ihrer Verantwortung, sich um Patente zu kümmern, sagt Igedo-Sprecher Thomas Kötter.

Die Tricks sind bekannt

Am ersten Messetag suchen Anwälte und Experten der großen Firmen wie Nike, Adidas und Reebok nach Plagiaten, am zweiten Tag ist es dann Aufgabe der Zollfahndung zu kontrollieren, ob es sich um Fälschungen handelt. "Wir kennen schon die Tricks der Fälscher", sagt Thomas Kötter weiter. "Viele haben ihre Ausweise nicht dabei oder verstehen kein Englisch. Darauf sind wir vorbereitet und fahren mit den Leuten ins Hotel um Ausweis und Papiere zu holen und sind auf den Messen mit Dolmetschern unterwegs". Foto-Sheriff von der Gathen kennt noch mehr Tricks: "Viele versuchen mit einem Stapel Akten in der Hand so zu tun, als ob sie schrieben und dabei fotografieren sie mit dem Handy darunter hervor. Professionelle Leute benutzen oft Stiftkameras.

Sofort-Anwaltdienst nutzen

Die Heimtextilienmesse in Frankfurt bietet den Ausstellern einen anwaltlichen Notdienst, bei dem der erste Rat kostenlos ist. Auf der Premiere Vision in Paris können die Aussteller sogar einen mehrsprachigen Sofort-Anwaltdienst in Anspruch nehmen. Wenig Sorgen machen sich die Bertreiber der Messen in Köln und Hamburg. In Köln darf fotografiert werden, es reicht die Erlaubnis des Standbetreibers mittels Blickkontakt und kurzem Zunicken zu bekommen. Das Hamburg Messe Center sieht derzeit auch keinen Bedarf an besonderen Schutzmaßnahmen für Aussteller. "Wir haben ein bis zwei Plagiatsfälle pro Jahr und darum auch keinen Bedarf an speziellen Services. Auf manchen Messen bieten wir Informationsstände mit Anwälten und Leuten vom Patentamt, die den Ausstellern vor Ort zur Verfügung stehen", sagt Karsten Broockmann, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit vom HMC.

EU-Verordnung für den Schutz der Hersteller

Um die Hersteller zu schützen, gilt schon seit 2002 die EU-Verordnung des "Gemeinschaftsgeschmacksmuster". Sie erlaubt den Herstellern ihre neuen Produkte zu schützen, indem sie sie eintragen lassen. Eine Eintragung kostet 82 Euro und gewährt ihnen bis zu 25 Jahre Designschutz. Seit 2003 nimmt das hierfür eingerichtete Harmonisierungsamt für den Binnenmarkt in Alicante in Spanien erste Anmeldungen entgegen. Dieser Schutz ist immer wichtiger geworden, vor allem im Mode- und Textilbereich, denn die Anzahl der Produktfälscher steigt. Allerdings hat Christoph Schäfer vom Gesamtverband Textil und Mode Zweifel daran, ob dies auch wirklich für alle sinnvoll ist. "Gerade für klein und mittelständische Unternehmen ist es zu aufwendig und zu teuer, alle Entwürfe beim Patentamt anzumelden", sagt er.

Den Markt beobachten

Schäfer rät allen Unternehmen, den Markt daraufhin zu beobachten, ob Plagiate um Umlauf sind. Auf Messen sollten sie zudem sämtliche Unterlagen zur Hand haben, sowie besondere Designs und Produkte vorab schützen zu lassen. "Die drei Schlagwörter sind: schützen, beobachten und den Marktverlauf verfolgen".

FTD, Kathrin Rezac  

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