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Wie Mittelständler an günstige Kredite kommen

Erschienen am 20. August 2008 | Financial Times Deutschland/Jörn Petring
Drehen die Banken auch dem Mittelstand bald den Geldhahn zu?   (Foto: Imago)
Drehen die Banken auch dem Mittelstand bald den Geldhahn zu? (Foto: Imago)
Je besser das Rating bei den Banken, desto billiger der Kredit. Coaches helfen Unternehmern, den Finanzinstituten auf Augenhöhe gegenüberzutreten. Und zu wissen, mit welchen Kriterien die Banken arbeiten.






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Der erste Eindruck entscheidet

Mister Abagnale gibt nicht auf. Im Film "Catch Me If You Can" will der hoch verschuldete Schreibwarenhändler seinem Sohn Frank zeigen, wie er bisher noch jeder Bank einen Kredit abgeschwatzt hat. Der erste Eindruck entscheide, bläut er seinem Sohn ein. Frank, gespielt von Leonardo DiCaprio, chauffiert eine geliehene Luxuskarosse vor den Haupteingang der Bank. Der Senior beginnt ein entflammtes Gespräch mit einem düster dreinschauenden Bankberater. Doch schnell zeichnet sich ab, dass es keinen Kredit geben wird. Die Zeiten haben sich geändert, sagt der Banker. Was zähle, seien keine Versprechungen, sondern einzig die nackten Zahlen.

Schlechtes Rating - schlechte Konditionen

Deutsche Mittelständler werden bei dieser Szene ein Déjà-vu verspüren. Geht es ums Geld, gelten Esprit und langjährige Geschäftsbeziehungen zur Hausbank wenig. Über die Kreditwürdigkeit entscheidet nur noch ein nüchternes Rating. Fällt das schlecht aus, gibt es schlechte Konditionen. Oder gar kein Geld. Dagegen ließe sich oft etwas tun - wenn die Unternehmen wüssten, worauf die Banken achten. Daran aber hapert es, wie die KfW Bankengruppe vor zwei Jahren herausfand.

Unterstützung vom Rating-Coach

Jedes zweite Unternehmen kennt die Ratingkriterien nicht. Daran habe sich bis heute wenig geändert, sagen Experten. So geht das nicht weiter, haben viele Banken erkannt und steuern gegen. Sie bieten umfassende Beratungen an, die verunsicherten Kunden die Bewertungsverfahren offenlegen sollen. Sogenannte Rating-Coaches schwärmen aus, beraten bei der Umsetzung eines Kreditantrags und geben gegen Aufgeld konkrete Handlungsanweisungen, wie ein Unternehmen in eine bessere Ratingstufe rutschen kann.

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Deal zwischen Unternehmer und Bank

Potenzial nach oben gibt es auf jeden Fall. Joachim Scholz von der HypoVereinsbank schätzt, dass die meisten mittelständischen Firmen ein mittleres Rating erreichen. "Eine wirkliche Topnote haben nur die wenigsten", sagt Scholz. Die Beratungsoffensive der Banken soll Abhilfe schaffen. Der Deal, so wie die Banken ihn vorschlagen, ist einfach: Je mehr Einblick in die Bücher der Unternehmer der Bank gewährt, desto besser wird das Rating und desto billiger wird folgerichtig der Kredit. "Entscheidend für ein Rating sind in erster Linie die letzten Jahresabschlüsse", sagt Roland Miller, Coach bei der Commerzbank.

Kein einheitliches Rating-System

AA:
Es gibt kein einheitliches System für das Rating von Unternehmen. Einige Banken übernehmen das System von Moody‘s und Standard & Poor‘s, das mit AA (Top) beginnt und bis D (Flop) reicht.

I-VI: Andere Banken vergeben Schulnoten oder Bewertungen einer Skala von 1 bis 15. In Deutschland setzt sich allmählich eine Skala mit römischen Zahlen von I (Top) bis VI (Flop) durch.

Verfahren und Geheimnisse entschlüsseln

Miller entschlüsselt, didaktisch versiert, gemeinsam mit seinen Kunden das Verfahren und seine Geheimnisse. Bei der Commerzbank geht es in drei Stufen über den "ersten Einblick" des Rating-Basisreports über den umfangreicheren Rating-Vollreport bis hin zur intensiven Beratungsleistung einschließlich konkreter Handlungsempfehlungen. Andere Banken haben ähnliche Instrumente eingeführt, die Unternehmern helfen, sich in die komplexe Thematik einzudenken.

Am Ende steht die Ausfallwahrscheinlichkeit

Mit etwas Hilfe fällt vielen die Orientierung im dichten Rating-Dschungel dann auch gar nicht mehr so schwer. Am Ende steht immer eine einzige Zahl: die Ausfallwahrscheinlichkeit. Sie ist ausschlaggebend für das Rating. Die maximale Ausfallwahrscheinlichkeit, um noch einen Kredit zu erhalten, liegt bei der Commerzbank bei zwei Prozent. Viele Banken haben sich auf eine sechsstufige Ratingskala verständigt, die sich nach der Ausfallwahrscheinlichkeit berechnet.

Sechsstufige Skala

Die Topstufe I gilt für ein Ausfallrisiko von weniger als 0,3 Prozent. Stufe II umfasst den Bereich von 0,3 bis 0,7 Prozent, Stufe III 0,7 bis 1,5 Prozent. Wer darüber liegt, gilt als Unternehmen mit "überdurchschnittlichem bis erhöhtem Risiko", jenseits der Drei-Prozent- beziehungsweise Acht-Prozent-Grenze wird das Risiko "hoch" und "sehr hoch".

Berechnung aus Zahlen des Jahresabschlusses

Um die Ausfallwahrscheinlichkeit zu berechnen, werden verschiedene Informationen aus den Unternehmensbüchern eingespeist, etwa zur Finanzlage, zu Produkten und Märkten, zur Zukunftsplanung sowie zu Organisations- und Managementqualität. Zu rund 85 Prozent berechnet sich die Ausfallwahrscheinlichkeit aus festen Finanzdaten, die dem Jahresabschluss eines Unternehmens entnommen werden. Die acht ausschlaggebenden Variablen sind bei den meisten Bankhäusern identisch.

Harte und weiche Faktoren

Hierzu gehören die Eigenmittelquote, die Kapitalbindung, die kurzfristige Fremdkapitalquote, die Brutto-Cashflowquote und das Umsatzwachstum. "Das sind die Hardfacts, an denen nicht gerüttelt werden kann", sagt Commerzbank-Coach Miller. Zusätzlich werden weiche Faktoren einbezogen, die per Fragebogen ermittelt werden. Hier geht es um die Positionierung der Firma und um Aussichten. "Mit der richtigen Vorbereitung kann man hier Punkte sammeln", sagt Miller. Unter anderem wird im Katalog der Commerzbank abgefragt, ob es eine Nachfolgeregelung gibt.

Offenheit zahlt sich aus

Ein Nein, sagt Miller, falle besonders negativ ins Gewicht. Offenheit zahle sich auf jeden Fall aus, sagt der Coach. "Eine nicht gelieferte Information ist eine schlechte Information." Habe etwa ein außergewöhnliches Ereignis die Bilanz verhagelt, helfe es nicht, die Posten zu vertuschen. Lieber solle man verdeutlichen, dass es sich tatsächlich um ein einmaliges Ereignis handelt.

Neue Angebote

Auch solche Sondereffekte könnten dann im Rating berücksichtigt werden. Die gründliche Beratung liegt den Banken wohl nicht zuletzt deshalb am Herzen, weil sie damit zukünftig Geld verdienen wollen. Der neueste Schrei sind Investitionskredite mit dynamischem Bonitätsfaktor. Soll heißen: Die Zinshöhe eines laufenden Kredits wird immer wieder an die Bonität des Unternehmens angepasst.

Zinshöhe des Kredits an Bonität angepasst

In regelmäßigen Abständen soll der Kunde also künftig überprüft werden. Dabei gilt der Grundsatz: Verbesserte Bonität macht den laufenden Kredit günstiger, eine verschlechterte Einschätzung verteuert ihn. Als erste deutsche Bank führt die Commerzbank ein solches Produkt ein. "Erstmals zahlt es sich jetzt für ein Unternehmen aus, aktiv an der Verbesserung seiner Bonität mitzuwirken mit dem Ziel, die Kreditkosten zu senken", wirbt das Geldhaus.

Lösung im Hollywood-Stil

Und wenn der Geldhahn trotz eingehender Beratung zugedreht bleibt? "Catch Me If You Can" zeigt, dass es Alternativen gibt. Frank Abagnale entwickelt sich nach der Pleite seines Vaters zu einem der meistgesuchten Trickbetrüger Amerikas. Er heuert ohne Ausbildung als Pilot bei der PanAm an und gibt sich schließlich als Arzt aus. Aber so etwas geht wohl nur in Hollywood.

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Quelle: Financial Times Deutschland/Jörn Petring
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