30.11.2009, 9:37 Uhr | AP / dpa-AFX
Unterwäsche der Marke Schiesser (Foto: dpa)
Das insolvente Textilunternehmen Schiesser verdient nach einem Bericht der "Welt am Sonntag" wieder Geld. Der Zeitung zufolge hat die Marke gute Chancen, einen Käufer zu finden: Schiesser schreibe wieder schwarze Zahlen.
Leichte Verluste im Großhandelsgeschäft würden durch Zuwächse im Einzelhandel mehr als ausgeglichen, sagte Insolvenzverwalter Volker Grube dem Blatt. Mögliche Investoren zeigten reges Interesse an einer Übernahme. Zu der Gruppe gehört neben dem bisherigen Eigentümer, der Schweizer Familie Bechtler, auch ein Konsortium um den Potsdamer Modedesigner Wolfgang Joop. Schiesser hatte im Februar 2009 Insolvenz angemeldet.
Am 2. Dezember 2009 soll der Gläubigerausschuss entscheiden, mit welchen der Interessenten Verhandlungen für den Verkauf aufgenommen werden. Grube betonte gegenüber der "Welt am Sonntag", der Investor müsse nicht nur einen angemessenen Kaufpreis zahlen, sondern auch die Basis für ein dauerhaftes Überleben sichern. "Glücksritter haben keine Chance", so der Insolvenzverwalter. Mit einem schnellen Verkauf sei aber nicht zu rechnen. "Der 1. April scheint mir der früheste Zeitpunkt zu sein", erklärte Grube.
Grube kündigte dem Blatt zufolge in den vergangenen Monaten den Großteil der Lizenzverträge für Marken wie Puma, Tommy Hilfiger oder Levi's, mit denen Schiesser hohe Verluste eingefahren hatte. Zudem habe er das Unternehmen mit der Eröffnung eines Fabrikverkaufs auf dem Firmengelände wieder in die schwarzen Zahlen gebracht.
Die Sparmaßnahmen wurden schon 2008 eingeleitet. Schiesser ist auf hochwertige Tag- und Nachtwäsche und Bademoden sowie Sportwäsche spezialisiert und erwirtschaftete 2008 nach eigenen Angaben einen Umsatz von rund 130 Millionen Euro. Die Firmengeschichte reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück: 1875 begann der Schweizer Unternehmen Jacques Schiesser die Produktion in einem angemieteten Tanzsaal in einem Radolfzeller Gasthaus. Im 20. Jahrhundert wuchs das Unternehmen trotz Rückschlägen und beschäftigte 1960 die Rekordzahl von 3500 Mitarbeitern. Heute sind es noch rund 2300.
AP / dpa-AFX
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