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Wie viel soziale Kompetenz wirklich guttut

Erschienen am 26. Januar 2009 | dpa-tmn / t-online.de/business
Für Teamleiter ist soziale Kompetenz ein Muss.  (Foto: Imago)
Für Teamleiter ist soziale Kompetenz ein Muss. (Foto: Imago)
Wenn Chefs ihren Wunschmitarbeiter beschreiben, dann ist oft von Teamfähigkeit und sozialer Kompetenz die Rede. Von den sogenannten Softskills also, die in fast jeder Stellenanzeige gefordert werden. Tatsächlich sind solche Qualifikationen unverzichtbar: Nur Fachwissen reicht für den Erfolg im Job nicht mehr aus. Softskills allein aber auch nicht. Experten verraten, wie Arbeitgeber und Beschäftigte den goldenen Mittelweg finden.

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Soziale Kompetenz bringt Vorteile

Zu den sogenannten Softskills gehören Kommunikations- und Teamfähigkeit sowie Einfühlungsvermögen. Außerdem zählen interkulturelle Kompetenz, Kritik- und Konfliktfähigkeit zu den "sanften" Qualitäten. Wer über sie verfügt, ist im Job unzweifelhaft im Vorteil. "Kollegen mit sozialer Kompetenz sind diejenigen, bei denen es Spaß macht, mit ihnen zusammenzuarbeiten", sagt Judith Bergner, Diplom-Psychologin aus München. Sozial kompetent sei, wer seine Meinung und Ziele nicht an erste Stelle setze. Das gelte auch für Menschen, die die eigene Position vertreten, aber auch die Ansichten anderer gelten lassen können.

Bedeutung wächst

Die Bedeutung von Softskills hat laut der Expertin durch veränderte Arbeitsprozesse in den Unternehmen sogar noch zugenommen. In vielen Firmen werde beispielsweise oft in Projekten gearbeitet. "Der Projektleiter braucht soziale Kompetenz", sagt Bergner. Anders als der traditionelle autoritäre Chef könne er das Team nicht einfach mit "disziplinarischer Macht" dirigieren.

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Personalern fehlt genaue Vorstellungen

Allerdings versteht unter Softskills oder sozialer Kompetenz nicht jeder das gleiche. "Das ist ähnlich wie bei vielen Modewörtern: Was es genau meint, ist schwer zu definieren", erklärt Anja Kriesch, Wirtschaftspsychologin aus Darlingerode. Die Suche nach neuen Mitarbeitern erschwert ihrer Erfahrung nach, dass viele Personaler in Stellenanzeigen Softskills fordern - ohne genau zu wissen, was sie sich darunter vorstellen. Und obwohl es für die zu besetzende Stelle manchmal gar nicht wichtig ist. "Da wäre eine rechtzeitige Arbeitsplatzanalyse besser, bei der geklärt wird, welche Fähigkeiten und Qualifikationen dafür tatsächlich gebraucht werden", rät Kriesch.

Anforderungen besser auf Job ausrichten

Stellen Chefs bei der Personalauswahl alle möglichen Anforderungen an die soziale Kompetenz der Bewerber, kann das nach hinten losgehen. "Wenn zum Beispiel ausdrücklich Teamfähigkeit verlangt wird, der Mitarbeiter dann aber allein im Labor sitzt. Oder wenn der neue Kollege kommunikativ sein soll, das in seinem Job aber gar nicht einbringen kann, wirkt das schnell demotivierend", sagt Kriesch

Weitere Kompetenzen sind notwendig

Soziale Kompetenz katapultiert auch niemanden auf der Karriereleiter nach oben. "Man braucht sie, aber sie reicht nicht aus", sagt Thordis Bethlehem, Vizepräsidentin des Berufsverbandes der Psychologinnen und Psychologen. Um im Job voran zu kommen, brauche man außerdem Eigeninitiative, Arbeitsdisziplin, kognitive Kompetenz und Motivation. "Es gibt sogar Wissenschaftler, die davon ausgehen, dass Motivation der entscheidende Faktor ist.", so Bethlehem.

Soziale Verträglichkeit in Maßen

Für den beruflichen Erfolg sei darüber hinaus wichtig, die eigene Position gegenüber anderen durchsetzen zu können, so die Psychologin aus Stuttgart. Wer zu wenig Dominanz und zu viel soziale Verträglichkeit zeigt, kann sich sogar schaden. "Es kann auch ein Zuviel an Toleranz oder ein Zuviel an Einfühlungsvermögen geben", sagt Thordis Bethlehem. Ständig bei den Äußerungen anderer zwischen den Zeilen zu lesen und deren Gefühle und Empfindungen verstehen zu wollen, binde Zeit und Energie.

"Nein" sagen lernen

Und nie "Nein" sagen zu können, berge das Risiko, sich immer mehr Arbeit aufzuhalsen, die eigentlich andere übernehmen sollten. "Das kann zur Überlastung führen", warnt Judith Bergner. Keiner merke, dass der Betreffende nicht mehr könne, bis er zusammenbreche. Selbst wenn es nicht so schlimm kommt, mache der eine die Arbeit, ein anderer die Karriere, ergänzt Anja Kriesch. Wer sich ständig so behandeln lasse wie der Schuhabtreter für alle anderen, werde auf diese Rolle schließlich festgelegt.

"Everybody's Darling is everybody's Depp"

Das sieht Judith Bergner ähnlich. Anderen regelmäßig die Wünsche von den Lippen abzulesen, in der Hoffnung, deren Sympathien zu gewinnen, berge zwar die Chance, "Everybody's Darling" zu werden. Aber man gelte auch schnell als nützlicher Idiot: Schließlich heißt es nicht zufällig "Everybody's Darling is everybody's Depp". Die gute Nachricht der Expertin: Einsicht sei der erste Schritt zur Besserung. "Wenn einem klar wird, dass die anderen einen ausnutzen, kann man anfangen dagegenzuarbeiten", sagt Bethlehem. Das zu schaffen, sei dann durchaus ein Zeichen von sozialer Kompetenz.

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Quelle: dpa-tmn / t-online.de/business
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