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Unternehmen und Twitter

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"Die Meute verzeiht keine Fehler"

Erschienen am 10. August 2009 | manager-magazin.de, Anja Tiedge
Immer mehr Firmen entdecken Twitter für sich. (Foto: dpa)
Immer mehr Firmen entdecken Twitter für sich. (Foto: dpa)
Der breiten Öffentlichkeit ist Twitter vor allem durch Medienereignisse wie die Notlandung eines Flugzeugs im Hudson River bekannt. Doch auch Unternehmen entdecken die Vorzüge des Mikroblog-Dienstes. Social-Media-Expertin Nicole Simon sagt im Gespräch mit "manager-magazin.de", wie Firmen Twitter für sich nutzen können.

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mm.de: Frau Simon, welches Unternehmen twittert am besten?

Simon: Da kann ich mich nicht auf eine Firma festlegen. Manche Unternehmen twittern Pressemitteilungen, manche tauschen sich intensiver mit anderen Twitterern aus - je nachdem, was man bezwecken will. Mich begeistern generell Twitter-Accounts, die verstanden haben, wie dieses Medium funktioniert und wie man es sinnvoll nutzt. Es gibt momentan aber kein Unternehmen, dessen Tweets ich unbedingt jeden Tag lesen muss.

Gibt es denn überhaupt schon Firmen, die verstanden haben, Twitter sinnvoll zu nutzen? Ein Großteil steht dem Phänomen ja noch recht ratlos gegenüber.

Twitter ist unter Social-Media-Angeboten wie Blogs oder Foren ein Medium von vielen. Auch wenn Unternehmen solchen Dingen gegenüber skeptisch sind, sollten sie sich zumindest einmal fragen, ob Twitter für sie sinnvoll wäre - und ob sie überhaupt in der Lage dazu wären. Ich finde es darum völlig legitim, wenn sie sich erst einmal bei Twitter anmelden, um sich zumindest ihren Firmennamen zu sichern. Auch wenn man dort zunächst mal nur Pressemitteilungen einstellt. Das muss man dem Nutzer aber auch klar so mitteilen.

Wenn sie sich den Namen gesichert haben, dürfen Firmen also erst mal mit Twitter herumexperimentieren?

Jein. Unternehmen müssen und sollen experimentieren, ja. Aber von der Öffentlichkeit wird ihnen diese Zeit nicht zugestanden. Wenn dabei Fehler passieren, gibt es genügend Medien und Menschen, die das Ganze ins Lächerliche ziehen. Die Meute verzeiht keine Fehler. Deshalb ist mein Rat: Gehen Sie in die Twitter-Fahrschule.

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Was meinen Sie damit?

Man sollte erst einmal ohne Öffentlichkeit üben, um ein Gefühl dafür zu bekommen. Theorie und Praxis sind verschiedene Dinge, man muss zunächst ausprobieren, was passiert, wenn man die Funktionen nutzt.

Unternehmer sollten also am Anfang unter einer anderen Identität twittern?

Genau. Bevor man mit dem richtigen Account loslegt, kann man zum Beispiel unter einem anderen Namen twittern oder privat mit Freunden. Dazu gehört aber auch, die Profile von anderen zu abonnieren und regelmäßig zu lesen, also ihr Follower zu werden. Daraus ergeben sich die Fragen dann von ganz alleine: Wie finde ich Wettbewerber bei Twitter? Was twittern die eigentlich? Es ist wichtig, ein Bauchgefühl dafür zu entwickeln, was mir gefällt und was mich stört.

Das Motto von Twitter lautet "What are you doing?". Heißt das, man sollte ausschließlich twittern, was man gerade so macht?

Man erkennt Twitter-Neulinge daran, dass sie brav die "What are you doing?"-Frage beantworten. Wer schon länger twittert, hält sich nicht mehr daran. Es gibt kein Patentrezept, aber Unternehmen sollten zielgerichteter an die Sache herangehen. Zum Beispiel Otto, der Versandhändler. Der Konzern hat einen Twitter-Account "Otto Jobs". Da schreibt eine Mitarbeiterin, auf welchen Messen Otto sich vorstellt oder welche neuen Stellenausschreibungen es gibt. Otto ist aber auch das Beispiel für die Schnelligkeit von Twitter - als neulich aus Versehen Apple-Laptops für 50 Euro angeboten wurden, wurden innerhalb eines Tages mehrere Tausend Exemplare bestellt. Die Nachricht hatte sich eben via Twitter so schnell verbreitet.

Worüber können Unternehmen noch twittern, außer über Jobs?

Dell zum Beispiel nutzt Twitter über seinen Account "DellOutlet" als Verkaufskanal und hat mittlerweile knapp eine Million Follower. Die Dell-Leute selbst verbreiten, dass sie damit schon mehr als drei Millionen Dollar Umsatz gemacht hätten.

Macht es Sinn, sich mehrere Profile anzulegen?

Ja, mehrere Accounts für verschiedene Bereiche und Stakeholder sind durchaus sinnvoll. Zum Beispiel für Jobs, Aktieninfos oder die Presse. Wenn man alle in einen Topf schmeißt, kommen dabei jede Menge Tweets heraus, die viele Leser nicht interessieren.

Ist Werbung erlaubt?

In geringen Dosen ja. Wenn man zum Beispiel pro Woche zwei werbende Tweets einstellt, sollte man mindestens 20 Tweets schreiben, die nichts mit Reklame zu tun haben. Um dann keinen Blödsinn zu produzieren, braucht man genügend andere Inhalte. Man kann zum Beispiel auch Links zu interessanten Texten twittern, die in das Themenumfeld des Unternehmens passen. Auch das muss man ausprobieren und beobachten, wie die Leser darauf reagieren.

Das momentane Interesse an Twitter erinnert an den Rummel um Blogs, der vor etwa drei Jahren aufkam und mittlerweile wieder abgeflaut ist. Könnte Twitter ein ähnliches Schicksal ereilen?

Der Medienhype um Blogs mag vorbei sein. Die Frage ist doch aber, warum Unternehmen solche Kommunikationskanäle nicht bespielen sollten, wenn sie die Wahrscheinlichkeit erhöhen, von der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Zumal sie nebenbei das Google-Ranking verbessern und die technische Hürde beim Twittern viel geringer ist, weil ich mich in kürzester Zeit anmelden kann und mir keine Gedanken etwa um Grafik machen muss, wie es bei Blogs der Fall war. Es gibt einen Grund, warum Konzerne wie Daimler , die schon bei Blogs Vorreiter waren, nun auch mit ihrem Twitter-Account erfolgreich sind: Im Laufe der Zeit haben sie das entsprechende Know-how gesammelt und sind nun früh dabei.

Benötigt man dafür eine Vollzeitstelle, oder geht Twittern nebenbei?

Wenn man Erfahrung mit Twitter hat, geht das nebenbei. Dann ist es ein kleiner Bestandteil des Arbeitstages: neue Sachen einzustellen, zu checken, welche Antworten ich bekommen habe, darauf zu reagieren. Bei einer guten Planung braucht man dafür höchstens eine Stunde am Tag. Wenn man keine Ahnung vom Twittern hat, ist es allerdings ein Vollzeitjob. Intern stellt sich aber die Frage, wer überhaupt twittert, also im Namen des Unternehmens sprechen darf. Das sollte klar geregelt sein, denn dass Mitarbeiter über Twitter unbedacht sensible Informationen veröffentlichen, sehe ich als große Gefahr. Das ist ein großer Balanceakt.

Raten Sie Unternehmen dazu, Richtlinien fürs Twittern einzuführen?

Ja, ich denke, es sollte schriftliche Guidelines geben. Viele Mitarbeiter sind sich nämlich nicht im Klaren darüber, welche Auswirkungen manche Details haben können: Dass dieser oder jener Auftrag geplatzt ist, kann durchaus eine börsenrelevante Information sein. Ich würde mir als Unternehmer einfach mal die Guidelines großer Firmen anschauen, etwa von IBM . Natürlich kann man Mitarbeitern nicht verbieten, auch privat über ihren Arbeitgeber zu twittern. Sie sollten sich allerdings der Grenzen bewusst sein. Das gilt übrigens nicht nur für Twitter, sondern auch für Blogs, Foren, Chats und so weiter. Man sollte allerdings auch so viel Vertrauen in die Belegschaft haben, nicht jedes Detail festzulegen. Dann kommt doch nur Werbung heraus - und das vergrätzt am Ende die Leser.

Mehr zum Thema:
Start-ups - Das Gründeruniversum um Twitter
Arbeitsrecht - Twittern kann Job kosten


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Quelle: manager-magazin.de, Anja Tiedge
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