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Umgang mit Niederländern

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"Die ticken anders"

Erschienen am 31. Oktober 2008 | dpa, Christoph Driessen
Flagge von den Niederlanden (Foto: Archiv)
Flagge von den Niederlanden (Foto: Archiv)
Jörg Rose hielt sich für ziemlich anpassungsfähig. Sieben Jahre Ägypten waren kein Problem. Aber dann ging er als Geschäftsführer nach Holland, und seitdem kommt er sich vor wie im falschen Film. Deshalb sitzt er jetzt mit anderen Unternehmern bei der deutsch- niederländischen Handelskammer in Düsseldorf und absolviert einen Schnellkurs in niederländischer Mentalität. Eins hat er schon gelernt: Er ist kein Einzelfall. Etwa 200 Deutsche machen sich im Jahr auf diese Art schlau.

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Trügerische Vertrautheit

Beide Länder sind sich auf den ersten Blick ähnlich, und die Geschäfte florieren: In diesem Jahr könnten die Niederlande sogar Frankreich als wichtigsten Importpartner Deutschlands verdrängen. Doch das Gefühl der Vertrautheit ist trügerisch, wie der Manager Nanno Fauth aus Hamburg feststellte: Ich dachte zuerst: "Die sprechen alle deutsch - das läuft wie bei uns." Ein folgenschwerer Irrtum. Er galt schnell als Kontroll-Freak, der sich überall einmischte. "Jedes Mal wenn ich komme, verdrehen die die Augen", sagt er. An seiner Bürotür klebte eines Tages ein Schild mit der Aufschrift: 007 - Lizenz zum Ändern.

Sekretärinnen dürfen mit entscheiden

Jörg Rose merkte bald, dass in einem niederländischen Unternehmen ungleich mehr Beschäftigte als in Deutschland in Entscheidungen eingebunden werden müssen. Am Anfang saßen da selbst die Sekretärinnen am Tisch und besprachen das neue Projekt. "Da fasst du dich als Deutscher an den Kopf." Ein anderer Geschäftsführer klagt: "Ich hörte fast jeden Tag. Nee, so geht das bei uns nicht".

Nennung von Doktortiteln ist unerwünscht

Seminarleiterin Ursula Brinkmann, Spezialistin für intercultural business, kennt solche Schilderungen zur Genüge: "Es bleibt faszinierend, dass ein Land, das gleich um die Ecke liegt, dennoch solche Unterschiede aufweist." Zum Einstieg verweist sie auf eine Leinwand, auf der einfach nur der Titel des Seminars und ihr Name stehen: Führung im deutsch-niederländischen Kontext - Dr. Ursula Brinkmann. "Schon das würde ich in den Niederlanden anders machen. Weiß jemand, was ich meine?", fragt die Seminarleiterin in die Runde. Ja, so versiert sind die Teilnehmer mittlerweile: Der Doktortitel müsste weg. Für Niederländer wird dadurch sofort eine unangenehme Distanz geschaffen. Aus dem gleichen Grund wechseln sie gern schnell vom Sie zum Du.

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"Deutsch" kommt nicht gut an

Brinkmann spricht viel über die feminine Unternehmenskultur der Niederlande: Als Manager muss man sympathisch gefunden werden. Wenn man den Boss raushängen lässt, dann klappt es einfach nicht. Der schwerste Fehler überhaupt: Man darf nie sagen, "wir machen es jetzt deutscher". Dann gehen die Niederländer kollektiv in den Widerstand.

Viel Freiraum geben

"Ist es ein gutes Zeichen, wenn die Leute private Sachen mit einem besprechen?", will ein Kursteilnehmer wissen. "Auf jeden Fall", antwortet Brinkmann. Die Trennung zwischen Beruf und Privatsphäre sei bei den Nachbarn einfach viel fließender. Man müsse den Kollegen die ganze Zeit Signale geben, dass die Beziehung noch in Ordnung ist. Und die Niederländer schätzen möglichst viel Freiraum. Dafür arbeiteten sie selbstständiger und passten sich schneller an neue oder unerwartete Situationen an.

Ungewohnt und mühsam

Am Abend fällt die Bilanz der Kursteilnehmer gemischt aus. Vieles ist ihnen jetzt klarer geworden, aber die Zauberformel, die sich manche wohl erhofft haben, die nehmen sie nicht mit. "Ich bin darin bestärkt worden, dass ich mit Druck nicht weiterkomme", sagt ein fränkischer Direktor, der sich jetzt in Utrecht durchschlagen muss.





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