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Verhandeln in AustralienBusiness Down Under (1)Erschienen am 01. September 2008 | manager-magazin.de/Michael Gatermann
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Das Persönliche zähltDamals in Hamburg hat es eineinhalb Jahre gedauert, ehe ich das erste Mal mit meinen Kollegen ein Bier trinken war", erinnert sich Volker Latus, "hier in Australien hat mich mein Chef schon in der ersten Woche nach Hause zum Grillen mit seiner Familie eingeladen." Das Persönliche zählt im Business Down Under, wo der Lebensstil entspannt ist und in manchem Unternehmen die Meetings im nahen Pub ebenso wichtig sind wie die in den Konferenzräumen - politisch unkorrekt, aber gesellig.Eigene Riten und MarottenWer sich das Geschäftsleben in Australien und in Neuseeland schlicht als Verlängerung der Sitten und Gebräuche im einstigen Mutterland England vorstellt, irrt. Beide Ex-Kolonien haben längst ihre eigenen Riten und Marotten entwickelt - bis hin zur eigenen Variante der Muttersprache Englisch.Stark beziehungsorientiertAnders als Briten und US-Amerikaner sind Australier bei der Arbeit stark beziehungsorientiert. "Die besten Geschäfte macht man mit denen, die man gut kennt", sagt Latus, dessen Managementtrainings-Firma Involve International die in Deutschland bewährte Moderationsmethoden australischen Unternehmen vermittelt.Top-Thema: Sport"Wir Deutschen tendieren dazu, uns sehr auf die Sache zu orientieren und streng faktisch zu denken", beobachtet Latus, "die Australier wollen zunächst eine persönliche Beziehung herstellen, eröffnen jedes Meeting mit mindestens zehn Minuten Smalltalk." Business-Themen sind dann tabu, es geht um Essen, Urlaub, Familie - und vor allem um Sport. Spannend finden Australier Kricket und Schwimmen, über Fußball urteilen sie oft harsch als "sports for wankers", was besser unübersetzt bleibt.Nichts für "Weicheier"Nicht erst seit die Italiener bei der Weltmeisterschaft 2006 mit einer Schwalbe in letzter Minute gegen die Aussies einen Elfmeter herausgeschunden haben und so gewannen, gilt unser Lieblingsspiel als unmännlich: Richtige Kerle spielen Rugby, sie stehen nach einem Tackling wieder auf und machen weiter, statt schmollend Hilfe beim Schiedsrichter zu suchen. Und am liebsten sehen die Einheimischen beim Australian Football zu, einer verschärften Variante des Rugby. Dabei geht es ebenso hart zur Sache wie im American Football - nur verzichten die Aussies dabei komplett auf die Schutzkleidung.Kunden beim Bier kennen lernenEin echter Volkssport ist Surfen, und auch auf den Dienstwagen des Managements sind häufig Surfboards zu sehen. Nach der Arbeit geht es dann eilig an den Strand und in die Wellen - Badewetter herrscht schließlich fast immer. Ebenfalls populär und gänzlich unprätentiös ist Golf: Auf den zahlreichen öffentlichen Plätzen kostet die Runde - inklusive Schlägermiete - selten mehr als 25 Dollar. Zum festen Ritual in den Büros gehört der Wochenausklang im nächsten Pub. "Meine größten Kunden hab' ich beim Bier kennengelernt", sagt Latus. So sind die rund 400 Kneipen in Sydneys Innenstadt freitagnachmittags berstend voll.Lieber klotzen statt kleckernWenn Besucher nicht als unangenehm geizig und ungesellig auffallen wollen, holen sie sich nicht etwa am Tresen ein Bier, sondern bestellen - mit der kurzen Ankündigung "My shout" - eine Runde für alle, die aus dem Büro mitgekommen sind. Deutsche, die sich bei solcher Gelegenheit mit einem kleinen Half Pint begnügen, enttäuschen australische Erwartungen: Von den Teutonen glaubt man hier zu wissen, dass sie stets zügig große Biere trinken.Schräges Bild vom Deutschen"Viele Australier haben ein recht schräges Bild vom Deutschen", beobachtet Jutta Dierks, Managing Director der Volkswagen Group Australia, "die sind dann enttäuscht, dass wir nicht in Lederhosen und Tirolerhut herumlaufen." Immerhin: Deutschland steht für Spitzentechnik. Wer es sich leisten kann, rüstet seinen Haushalt mit Miele, Grohe und Bulthaup auf. Und auf der Straße zählen natürlich nur Audi, Mercedes und BMW als echte "executive cars".
Australier erwarten humorlosen DeutschenPünktlichkeit und totale Seriosität werden vom Deutschen erwartet, verbunden mit Humorlosigkeit. "Wenn sich dann erweist, dass man mit uns doch Spaß haben kann, ist die Freude umso größer", sagt Jutta Dierks, die am recht derben Aussie-Humor schätzt, dass er niemals bösartig wird.Australische Sprache eine echte HerausforderungEine Herausforderung für Besucher stellt die Sprache dar. Das in England und den USA erprobte Schulenglisch reicht da nicht. Australier sprechen unglaublich schnell, nuscheln gern, verschlucken Silben, lassen Buchstaben weg und schöpfen ganz neue Vokabeln. Ein "G'day" zur Begrüßung versteht noch jeder, bei der Frage "Owsidgoin mate orright?" kommen nur Menschen mit Fantasie auf "How is it going, mate? Alright?" - Wie geht's dir, mein Lieber? Alles gut?Ungewöhnliche Abkürzungen an TagesordnungAlberne Abkürzungen sind allgegenwärtig, aus "a couple of" - ein Paar - wird "cuppla", aus "barbecue" nur "barbie" und aus "afternoon" machen die Australier "arvo". Wer aufgefordert wird "Toss another snag on the barbie" soll noch eine Wurst auf den Grill legen, wer hört "Hot cack, mate" wird für einen Spitzenwitz gelobt, und wenn es von jemandem heißt, er sei "cactus", spricht man von einem frisch Verstorbenen.Download - eBook: Small Talk English (inkl. CD-Inhalte) Download - eBook: Die besten Bewerbungsmuster Englisch Tipps von A bis Z - Reiseführer Australien Konservative Sitten im GeschäftslebenUnter der lockeren Oberfläche sind die Sitten im Geschäftsleben konservativ. Jeans, und stammten sie auch vom edelsten Designer, sind verpönt, ebenso wie kurzärmelige Hemden. Im Büro tragen Australier Anzüge, in Grau oder Dunkelblau, das Jackett wird üblicherweise bald ausgezogen. Dann sollten an den Ärmeln Manschettenknöpfe zum Vorschein kommen, das gilt in Managerkreisen als einzig angemessen.Direktheit ist verpöntZwar herrschen bei Verhandlungen stets harmonische Töne, Verbindlichkeit und Freundlichkeit bestimmen die Atmosphäre. Deutsche Direktheit ist verpönt. Der Haken: In Verhandlungen gibt es selten ein aufrichtiges und offenes Feedback, deutsche Geschäftsleute müssen lernen, zwischen den Zeilen zu lesen.Knallharte Business-LeuteDer entspannte Ton, der private Smalltalk im Geschäft führen manchen Besucher in die Irre: "Viele lassen sich von dieser relaxten Atmosphäre täuschen", sagt Dierks, "dabei sind die Australier knallharte Business-Leute." Im Geschäft kennt man auch in Down Under keine Freunde. "Wie man in Sachdingen behandelt wird, ist manchmal beinahe unverschämt", urteilt Thomas Mechtersheimer, Executive Chairman von Fresenius Medical Care Australia. Auch nach jahrelangen und allseits befriedigenden Geschäftsbeziehungen finden sich dann oft rüde Klauseln wie "Zahlbar innerhalb von sieben Tagen" auf den Rechnungen.Klare Hierarchie in UnternehmenIn den Unternehmen geht es hierarchischer zu als in Deutschland. "Man stellt den Boss nicht infrage, was er sagt, gilt", beobachtet Volker Latus. Wer hartnäckig dagegen argumentiert, gilt schnell als schwierig. Die Chefrolle wird über Statussymbole, vom Corner Office bis zum großen Dienstwagen, eindeutig kommuniziert. An solchen schönen Dingen erfreuen sich die meisten Australier unbefangen, sie zeigen gern, was sie haben - achten aber darauf, alles mit einem Augenzwinkern zu präsentieren. Angeber mögen die Aussies nicht; wer protzt, muss sich anhören, er sei "all fart and no shit". Weiter zu Teil 2/2: Auf der richtigen Ebene ansetzen
Quelle: manager-magazin.de/Michael Gatermann |
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