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Fünf Unternehmer im GesprächAuf die harte TourErschienen am 08. Januar 2010 | FTD, Gregor Kessler
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Enable: Glaubt man den jüngsten Statistiken, geht der Mittelstand optimistischer ins neue Jahr als der Rest der deutschen Wirtschaft.Dieter Ammer: Das hat auch etwas mit einem psychologischen Phänomen zu tun: Control of Destiny. Viele Inhaber sagen: "Das ist mein Unternehmen, ich bin nah dran am Geschäft." Sie haben das Gefühl, das meiste unter Kontrolle zu haben. Und das macht sie zuversichtlich.Harald Christ: Wobei sich die Frage stellt, ob der Optimismus berechtigt ist. Die Stimmung ist in vielen Branchen besser als die tatsächliche Lage. Wir sollten nicht in Euphorie verfallen. 2010 werden wir - was Unternehmenspleiten angeht - das Schlimmste noch vor uns haben. Die Banken agieren zurückhaltender, die Gespräche sind destruktiver. Und 2009 hatten viele Unternehmen noch einen Puffer.Einige in dieser Runde sind ganz gut durch das abgelaufene Jahr gekommen. Teilen Sie diese trübe Prognose?Andreas Land: Für uns hat die Krise zwar unmittelbar nur wenig Auswirkung, mittelbar aber sehr wohl. Als exportabhängiges Unternehmen merken wir zum Beispiel Verwerfungen bei den Währungen. Das kommt bei uns durch die Hintertür. Bislang hatten wir für Pessimismus wenig Anlass, aber wir sind nicht besonders optimistisch für 2010.Download - eBook Hidden Champions des 21. Jahrhunderts Download - eBook Die großen Strategien für den Mittelstand
Bei vielen Unternehmen läuft es zwar zurzeit nicht gut, aber immer noch besser als beim Wettbewerber. Gelingt es deutschen Firmen, in der Krise Marktanteile zu gewinnen?Patrick Adenauer: Absolut. Gerade für Familienunternehmen bieten Krisenzeiten auch Chancen. Wir haben selbst mit unserem Immobilienentwicklungsunternehmen zwei, drei Projekte ergattert, weil andere keine Finanzierung bekommen haben.Ammer: Global betrachtet sieht die Lage anders aus. In einer Reihe von Branchen haben asiatische Unternehmen enorm Marktanteile hinzugewonnen. Dem können die deutschen nur mit starken Marken und höchster Qualität begegnen - und natürlich straffen Kostenstrukturen. Die Krise hat das Gottvertrauen der Deutschen in die Exporte erschüttert. Werden sich Familienunternehmen künftig wieder verstärkt dem Heimatmarkt zuwenden?Schrader: Das ist keine Alternative. Dafür ist der Heimatmarkt in den meisten Branchen einfach viel zu klein.Ammer: Was ist denn überhaupt Export? Ein großer Teil der deutschen Unternehmen produziert bereits im Ausland. Als was werte ich das? Die Krise hat uns eher gelehrt, dass es gut ist, auch woanders Standbeine zu haben, um flexibel reagieren zu können - asiatische Märkte zum Beispiel von China aus zu beliefern und nicht von Europa.
Viele Unternehmer scheuen sich in Deutschland, in letzter Konsequenz den Weg in die Planinsolvenz zu gehen. Warum?Schrader: Weil es in der öffentlichen Meinung immer noch negativ belegt ist. Das zeigt schon die Begrifflichkeit, wenn man vom "Bankrotteur" spricht. Wenn jemand in den USA durch Chapter 11 gegangen ist und das gut gemacht hat, verdient das Anerkennung. Dort finden Sie immer wieder bekannte Unternehmen, die schon mal Chapter 11 durchgelaufen haben, teilweise sogar mehrfach. Und die gibt es immer noch.Christ: Eine kontrollierte Planinsolvenz bedeutet nicht immer das Scheitern eines Unternehmers. Und sie hat den großen Vorteil, zu sichern, was von der Substanz eines Unternehmen übrig ist.Land: Die Planinsolvenz ist aber doch nur das letzte aller Mittel, und davor kommt noch eine ganze Menge. Und das wird ja heute auch angewandt: Geschäftsmodelle werden neu definiert; Nettigkeiten, die nicht überlebenswichtig sind, zurückgefahren ... In einem Konzern lässt sich leicht beschließen: Die Kosten müssen um 20 Prozent runter. Tun sich mittelständische Firmen hier schwerer, weil sie sich etwa vor Entlassungen scheuen?Ammer: Es gibt sicher diese Fälle. Aber ich kenne auch Beispiele, bei denen durch die Nähe des Inhabers zu den Mitarbeitern ganz besondere Opfer gefordert werden können. Da stellt sich der Unternehmer vor seinen Mitarbeiter und sagt: "Du bist 20 Jahre bei mir. Ich erwarte jetzt von dir, dass du wieder 42 Stunden arbeitest." Das geht, wenn der Chef authentisch ist und die Mitarbeiter kennt. Und das geht sogar noch schneller als bei einem großen Unternehmen, bei dem der Betriebsrat erst angehört werden muss. So eine Anhörung ist ja nicht immer schlecht, sie verlangsamt aber die Prozesse ganz erheblich. Jeder hat in der Krise überlegt, wo er sparen kann. Was ist die effektivste Methode?Ammer: Für uns war Working Capital Management die wichtigste Maßnahme. Wir waren im ersten Vierteljahr mit einem Umsatzrückgang von 70 Prozent konfrontiert. Da können Sie alle betriebswirtschaftlichen Lehrbücher, die Sie je gelesen haben, vergessen. Sie sitzen da und fragen sich: "Warum ruft heute keiner an?" Da entsteht eine gewisse Panik in der Belegschaft, die zu managen Ihnen im Hörsaal niemand beigebracht hat.Das heißt: Entscheidungen nach oben delegieren?Ammer: Genau. Denn Krise heißt auch wieder mehr Kontrolle erlangen: Jeder größere Einkauf bedarf der Unterschrift eines Vorstandsmitglieds. Die Auszahlung des Bonus wird erneut im Vorstand diskutiert. Das sind die großen Summen. Manches können Sie gleich tun, manches sollten Sie mit den Mitarbeitern besprechen, um sie ins Boot zu holen. Denn oft müssen Sie einfach an liebgewonnenen Gewohnheiten rütteln: Sei es der traditionell freie halbe Tag an Heiligabend oder die Bonuszahlung für alle Mitarbeiter gleich zu Jahresbeginn.Land: Das ist ein wesentlicher Einflussfaktor, den man auch eigenständig beherrscht. Natürlich kann man auch die Aufwendungen für Werbung und Vertrieb kürzen, aber das ist nicht klug.Schrader: Die Amerikaner sagen: Never stop feeding your brand. Diejenigen, die über gute Cashpositionen verfügen, verstärken die Werbung sogar in der Krise. Weil Sie mit einer geringfügigen Steigerung ihres Budgets eine ganz andere Aufmerksamkeit erfahren. Und zudem kaufen Sie billiger ein. Was ist mit Businessclass-Flügen, Hotelspesen, Weihnachtsfeiern?Schrader: Bei Reise- und Transportkosten haben einige Unternehmen enorm was getan. Ob das eine kluge Entscheidung war, vor allem wenn es um Kundenkontakte geht, ist jedoch die Frage. Wir waren da vergleichsweise sehr verhalten.Ammer: Kürzungen in dem Bereich bringen meist nicht viel. Ein bisschen Essensgeld hier, ein paar Bahntickets da - diese Kosten dauerhaft zu reduzieren ist sinnvoll, taugt aber nicht als Soforthilfe in der Krise. Generell gilt: Wer bei Kaffee und Keksen spart, sollte mit Lob für kluge Köpfe nicht geizen.Schrader: Wir bezuschussen die Bus- und Bahntickets unserer Mitarbeiter, weil wir das gut finden. Ob man das tut oder nicht, ist für den kurzfristigen Geschäftsverlauf nicht relevant. Man kann ja unbequeme Entscheidungen treffen, aber die müssen dann auch was bringen. Wenn Sie da im Nachkommastellenbereich ihrer gesamten betrieblichen Aufwendungen bleiben, dann ist das eher Aktionismus.Christ: Bei Werbung und Reisekosten von Mitarbeitern kann ich die Kosten gar nicht so sehr reduzieren, dafür ist mein Unternehmen viel zu klein. Ich kann aber sagen, dass ich an mir selbst massiv gespart habe: Seit einiger Zeit fahre ich nur noch Smart. Das Gespräch führten Steffen Klusmann und Christian Baulig.
Quelle: FTD, Gregor Kessler |
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