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Deutsche Konzerne gucken in die Röhre

Erschienen am 15. Oktober 2009 | manager-magazin.de, Anja Tiedge
Viele Konzerne verbreiten noch keine Werbevideos über You Tube. (Foto: Imago)
Viele Konzerne verbreiten noch keine Werbevideos über You Tube. (Foto: Imago)
Zu offen, zu unkontrolliert, zu gefährlich: Viele Unternehmen scheuen sich davor, Werbefilme im Internet zu verbreiten. Eine Untersuchung zeigt, dass nur ein Bruchteil der deutschen Konzerne gezielt YouTube-Videos veröffentlicht. Dabei kann das durchaus hilfreich sein - nicht nur im Krisenfall.


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Angst vor Kommentaren

Onlinevideowerbung ist den meisten Konzernen suspekt. Im Vergleich zu TV-Spots, die zu festen Sendezeiten auf dem gewünschten Kanal ausgestrahlt werden, sind Werbefilmchen im Netz schier unkontrollierbar: Jeder kann sie sich überall und zu jeder Zeit anschauen. Man kann sie vor- und zurückspulen, bearbeiten und Parodien ins Netz stellen, oder - für viele Unternehmen der blanke Horror - man kann sie kommentieren.

Nur wenige Unternehmen haben eigenen YouTube-Kanal

Entsprechend wenig nutzen deutsche Konzerne spezielle Werbekanäle im Internet. Eine Untersuchung der Unternehmensberatung Net-Federation hat ergeben, dass lediglich 21 der insgesamt 110 DAX-, TecDAX- und MDAX-Unternehmen einen eigenen Kanal bei YouTube haben. Einen Channel kann jeder einrichten, der seine Videos thematisch bündeln und mit eigenem Design ins Netz einstellen will. Eine Möglichkeit, von der Privatnutzer regen Gebrauch machen, denn wenn man die eigenen Filme im Netz schon nicht kontrollieren kann - warum sollte man sie nicht zumindest kanalisieren?

Unternehmensdesign wird selten aufgenommen

Doch deutsche Unternehmen lassen diesen Trend an sich vorbeiziehen. "YouTube ist für viele börsennotierten Unternehmen noch ein weißer Fleck auf der Landkarte", sagt Net-Federation-Geschäftsführer Christian Berens. "Dabei bieten Onlinevideos durchaus Chancen, sich von anderen abzuheben." Damit spielt Berens auch auf die Gestaltung der Channels an: Gerade mal ein Fünftel der Unternehmen, die YouTube-Kanäle nutzen, greift dort das eigene Unternehmensdesign auf. Und ohne Firmenlogo oder Slogan bleibt der Wiedererkennungswert auf der Strecke.

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Puma und BMW mit mehr als zwei Channels

Doch es geht auch anders. Einige Unternehmen kosten die Reichweite aus, die ihnen der Kanal bietet; neun der untersuchten Konzerne haben sogar mehr als zwei Channels. Unter ihnen sind mit Puma, E.ON und BMW vor allem Unternehmen, die schon durch andere Web-2.0-Projekte aufgefallen sind, sei es durch firmeneigene Blogs, eine Präsenz in der Onlinewelt Second Life oder einen Account beim Kurznachrichtendienst Twitter.

17 Stunden Material von SAP auf You Tube

Die meisten YouTube-Kanäle hat ein Technologieunternehmen vorzuweisen: SAP führt die Rangliste der deutschen Unternehmen mit sechs Channels an. "SAP zeigt insgesamt 17 Stunden Material, das hat uns schon beeindruckt", so Berens. Die Länge der Clips ist aber keineswegs das entscheidende Erfolgskriterium, denn im Netz sollten Spots in erster Linie kurz sein. Onlinevideos von bis zu 15 Sekunden werden von Internetnutzern noch gern angeklickt, fanden die Marktforscher von Fittkau & Maaß heraus. Längere Spots schauen sich dagegen nur die wenigsten an.



17 Stunden Material: SAP nutzt YouTube unter anderem für den Kundensupport

Die meisten Videos auf Englisch

Doch die SAP-Seite hat Berens auch durch Inhalte überzeugt: "Dort werden zum Beispiel Support- und Beratungsclips zu SAP-Produkten gezeigt. Dadurch bleiben Kunden länger auf dem Kanal und kommen mit höherer Wahrscheinlichkeit wieder." Videos und dazugehörige Erklärungen zeigt SAP auf Englisch, so wie die meisten der YouTube-affinen Konzerne: Während 79 Prozent der Unternehmen in ihren Filmen englisch sprechen, sind nur 21 Prozent deutschsprachig. "Ein Trend, der sich weiter durchsetzen sollte, schließlich zeigt sich darin die internationale Ausrichtung", so Berens.

Unerkanntes Potenzial

Zudem sei die Aktualität der Videos ausschlaggebend für Erfolg oder Misserfolg. Nur wer seinen Kanal regelmäßig mit aktuellen Filmen füttert, kann die Nutzer auf lange Sicht binden. Daran hapert es allerdings noch, denn nur 14 Prozent der Firmen, die YouTube nutzen, posten regelmäßig neue Clips. Dabei kann eine Videopräsenz durchaus hilfreich sein wenn es mal schnell gehen muss, sagt Berens. Etwa im Krisenfall: "Das Potenzial, das Onlineclips als Management-Tool bieten, haben viele Konzerne noch nicht erkannt."

"Allmählich erwachen sie aus ihrem Dornröschenschlaf"

Berens hofft deshalb, dass Unternehmen ihre Scheu vor YouTube als Kommunikationskanal bald verlieren. Ein Trend in diese Richtung sei seit einiger Zeit zu erkennen. "Vor ungefähr einem Jahr fingen immer mehr Unternehmen an, sich für Social-Media-Angebote zu interessieren. Allmählich erwachen sie aus ihrem Dornröschenschlaf."


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Quelle: manager-magazin.de, Anja Tiedge
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