01.09.2009, 15:55 Uhr | t-online.de/business
Kollegen verschiedener Altersgruppen können sich hervorragend ergänzen. (Foto: Imago)
Sachbearbeiter Müller (61) möchte konzentriert am Schreibtisch arbeiten. Kollegin Meier (25) sitzt mit Laptop auf der Fensterbank und ruft fröhlich durch den Raum, ob jemand ihre Ausdrucke vom Drucker mitbringen könne. Mittendrin trommelt der Teamchef (34) die Mitarbeiter zu einer Sitzung zusammen. Stress im Büro! Kein Wunder: Eine Studie hat herausgefunden, dass die verschiedenen Generationen auch im Job ganz unterschiedlich ticken. Chefs können aber viel dazu beitragen, dass das Miteinander funktioniert.
An der demografischen Entwicklung kommen Unternehmen in Europa nicht vorbei: Beim Kampf um die besten Mitarbeiter müssen Betriebe in Zukunft sowohl erfahrenen Routiniers als auch Berufseinsteigern gute Arbeitsbedingungen bieten - und verstärkt Mitarbeiter verschiedener Altersgruppen unter einen Hut bringen. Der Büromöbelhersteller Steelcase hat gemeinsam mit dem Marktforschungsunternehmen Ipsos 2400 Arbeitnehmer in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Großbritannien und den Niederlanden aus vier Generationen zu ihren Vorlieben und Arbeitsgewohnheiten befragt.
Die Untersuchung unterscheidet die zwischen 1928 und 1945 geborenen "Traditionalisten" von den "Boomern" der Jahrgänge 1946 bis 1964, der "Generation X" (von 1965 bis 1977 Geborene) und der "Generation Y" (Jahrgänge 1978 bis 2000). Unter die Lupe genommen wurde, was diese Gruppen voneinander denken, wie und wo sie miteinander am liebsten arbeiten.
Das Ergebnis: Die älteren Mitarbeiter (Traditionalisten) legen großen Wert auf klare Hierarchien. 61 Prozent dieser Altersgruppe schätzen einen persönlichen, klar abgegrenzten Arbeitsraum. Bei den teamgeprägten Boomern, die gern in Gruppenbereichen zusammenarbeiten, halten der Umfrage zufolge lediglich 42 Prozent am eigenen Schreibtisch fest. Bei der Generation X - den 31- bis 44-Jährigen - sind das nur noch 35 Prozent. Beide Altersgruppen sind klassische "Teamleader" und fühlen sich in flachen Hierarchien wohl.
Die jüngeren Kollegen der Generation Y passen sich den bestehenden Hierarchien in Firmen flexibel an. Sie arbeiten gern an wechselnden Orten mit informeller Atmosphäre - etwa in offenen Räume und "In-Between-Bereichen" wie Kaffee-Ecken (20 Prozent) oder Terrassen (17 Prozent). Lediglich 27 Prozent dieser Gruppe wünschen sich einen persönlichen Schreibtisch.
Unterschiedliche Vorstellungen von idealen Arbeitsbedingungen sorgt nicht selten für schlechte Stimmung im Büro. So empfindet die Hälfte der befragten Boomer Lärm jeglicher Art am Arbeitsplatz als massive Belästigung. Ein Drittel der jungen Kollegen stört sich dagegen an ungeeigneten Raumtemperaturen, während Geräusche für sie keine Rolle spielen. Jeder dritte Kollege aus der Generation X gab an, sich wegen mangelnder Rückzugsmöglichkeiten schlecht konzentrieren zu können.
Was ebenfalls nicht selten Unfrieden im Job schürt: Grundsätzlich sieht sich jede Generation eher zu den jüngeren als zu den älteren Generationen in Konkurrenz. Besonders ausgeprägt ist das Wettbewerbsdenken aber innerhalb der Generation Y. Diese Kollegen sind bei Traditionalisten, Boomern und Generation X-Kollegen nicht sonderlich beliebt und als "ehrgeizig" und "opportunistisch" verschrien.
Kollegen der Generation X hingegen sind in vielen Büros willkommen: Sie werden von den anderen Altersgruppen laut Studie als besonders freundlich, kooperativ und effizient gelobt. Boomer gelten zwar als autoritär, aber auch als vorbildhaft und erfahren. Sie geben ihr Know-how an die anderen weiter. Weniger positiv schneiden die Traditionalisten ab: Sie werden von Kollegen anderer Altersgruppen als "weniger freundlich bzw. kooperativ" und "weniger ehrgeizig" beschrieben.
Was aber können Chefs tun, um trotz der unterschiedlichen Bedürfnisse ein produktives Miteinander in der Firma zu fördern? Experten raten dazu, besonders die Kommunikation der Generationen untereinander zu unterstützen. Denn Missverständnisse entstehen oft schon dadurch, dass sich die Kollegen einfach nicht ineinander hineinversetzen können.
Wer aber Probleme anspricht, hat eine gute Chance, auch eine Lösung zu finden. Dabei kann der Arbeitgeber helfen - allein dadurch, dass er sich für die Befindlichkeiten seiner Mitarbeiter interessiert und eventuelle Streitpunkte entkräftet, bevor sich die Positionen verhärten.
Um innovative Ideen zusammenzuführen und die Erfahrung älterer Kollegen zu nutzen, eignen sich altersgemischte Arbeitsgruppen. Darüber hinaus können die erfahrenen Mitarbeiter als Mentoren junger Berufseinsteiger eingesetzt werden. Das nützt auch dem Unternehmen, da so wertvolles Wissen im Betrieb gehalten wird, auch nachdem die Routiniers sich in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet haben.
Tendenziell würden Chefs das Bedürfnis nach Austausch und Zusammenarbeit immer unterschätzen, meinte Catherine Gall von Steelcase gegenüber designline.de. Treffpunkte mit informellem Charakter im Arbeitsumfeld geben den Mitarbeiter die Möglichkeit, sich kennenzulernen. Und sie habe festgestellt, dass Kollegen sich besser verstehen, wenn sie sich gut kennen – und zwar nicht nur durch berufliche Meetings, sondern auch durch persönliche Kontakte.
t-online.de/business
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